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Wahlkreis V: Das Tor zur Welt

MAZ-Serie zur Kommunalwahl am 25. Mai Wahlkreis V: Das Tor zur Welt

Der Wahlkreis V vereint Kiefernwälder, Forschungszentren und DDR-Plattenbauten. 29 334 Menschen leben im Potsdamer Süden. Der Anteil der Arbeitslosen ist so hoch wie in keinem anderen Wahlkreis. Der Schlaatz ist ein Sorgenviertel geblieben, auch wenn viele Familien und Studenten zugezogen sind.

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Der um 1920 von Erich Mendelsohn erbaute Einsteinturm auf dem Telegrafenberg ist das weltweit bekannte Wahrzeichen des Wahlkreises V.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam . Wer den Wahlkreis V durchwandert, erlebt ein denkwürdiges Kontrastprogramm. Auf der Insel Hermannswerder stehen der Biotechnologiecampus, die Hoffbauerstiftung und die Wagenhausburg für ganz unterschiedliche Lebenswelten.

Den 2011 gescheiterten Plänen für eine Seeopernbühne vor der malerischen Kulisse der Hinterkappe möchte man einen zweiten Anlauf wünschen. Einige hundert Meter weiter, am Ende der Albert-Einstein-Straße, öffnet sich mit dem Deutschen Geoforschungszentrum, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem Leibniz-Institut für Astrophysik und der Säkularstation des Deutschen Wetterdienstes der Blick in die Welt. Der um 1 920 von Erich Mendelsohn erbaute Einsteinturm am Ende des Wissenschaftsparks auf der Kuppel des Telegrafenbergs zählt zu den berühmten Bauwerken der Landeshauptstadt.

Viel Bewegung im Wahlkreis

Mehr als die Hälfte des Wahlkreises V ist Waldgebiet. „Forst Potsdam Süd“ nennt sich dieser Stadtteil, von dem in letzter Zeit häufiger die Rede war, weil auf dem sogenannten Sago-Gelände an der Chaussee nach Michendorf kurz vor Wilhelmshorst das neue Tierheim der Landeshauptstadt entstehen könnte. Die Grenze des Wahlkreises nach Nord-Ost verläuft über weite Strecken die Nuthe entlang. Parallel dazu führt kilometerweit ein beliebter Uferwanderweg, der für Potsdamer Verhältnisse unspektakulär ist, weil es kein Weltkulturerbe und keine Blockaden wohlhabender Anwohner gibt.

 

DER WAHLKREIS IN ZAHLEN

  • 29334 Menschen leben im Wahlkreis V, damit hat er die zweithöchste Einwohnerzahl unter den sechs Wahlkreisen. 93,3 Prozent aller Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern, das ist für Potsdam Rekord.
  • Der Wahlkreis V hat mit 9,2 auf 1000 Einwohner die geringste Geburtenrate, der Stadt-Durchschnitt liegt bei 10,6 Prozent. Der Anteil von Haushalten mit Alleinerziehenden (5,9 Prozent) ist nur im Wahlkreis VI (Stern, Drewitz, Kirchsteigfeld/6,6 Prozent) höher. Nirgendwo gibt es mehr Singles. Der Anteil der Einpersonenhaushalte beträgt 54,6 Prozent.
  • Der Anteil der Arbeitslosen bei den Personen im erwerbsfähigen Alter liegt für den gesamten Wahlkreis V gerechnet mit 9,6 Prozent so hoch wie in keinem anderen Wahlkreis.

Die Teltower und die Templiner Vorstadt sowie die später entstandenen Wohngebiete Schlaatz, Waldstadt I und Waldstadt II stehen für die Entwicklung einer vitalen Stadt, die noch immer am Wachsen ist. Ein neues Viertel mit bis zu sechsgeschossigen Wohnhäusern könnte schon bald auf dem ehemaligen Tramdepot an der Heinrich-Mann-Allee entstehen. Ein weiteres Quartier mit rund 300 Wohnungen wird als Waldstadt III am anderen Ende der Heinrich-Mann-Allee nahe der Wetzlarer Bahn auf dem früheren Plattenwerksgelände des Wohnungsbaukombinats kommen. Und es wird nicht nur neu gebaut. Selbst 30 Jahre alte Plattenbauten geraten noch einmal in Bewegung – wie am Schlaatz, wo die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft PWG 1956 auf DDR-Würfelhäuser des Typs WBS 70 einfach noch einmal zwei zusätzliche Geschosse draufsetzt.

Problemkind Schlaatz

Der Schlaatz ist ein Sorgenviertel geblieben. Die Arbeitslosenquote liegt bei 30 Prozent der erwerbsfähigen Bewohner, 35 Prozent der Kinder haben einen niedrigen Sozialstatus. Es war folgerichtig, dass die Potsdamer Tafel im September 2013 eine neue Ausgabestelle in unmittelbarer Nachbarschaft in der Drewitzer Straße eröffnete. Mit Bewohnern aus rund 100 unterschiedlichen Herkunftsländern ist der Schlaatz so international wie kein anderer Stadtteil. Doch der Umzug des Asylbewerberheims vom Lerchensteig am Stadtrand mitten in den urbanen Kiez hinein verlief 2009 im Vergleich zu den Erfahrungen anderer Orte ohne größere Konflikte. Zu einem sich wandelnden Image des Viertels trägt vielleicht der Zuzug von jungen Familien und Studenten bei.

Von Volker Oelschläger

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