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Kommunalwahl 2014 CDU, Grüne und Andere legen in Potsdam zu
Lokales Potsdam Kommunalwahl 2014 CDU, Grüne und Andere legen in Potsdam zu
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14:32 26.05.2014
Betretene Gesichter: OB Jann Jakobs (l.) und Linken-Fraktionschef Hans-J. Scharfenberg. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Rot ist die Farbe der Liebe – am Wahlsonntag allerdings sah es so aus, als wenn die Wähler die SPD nicht mit Liebe überschütten. In Sacrow – erster, winziger Wahlbezirk – lag die CDU haushoch vorn. „Das ist immer das erste ’Geschenk’ für die CDU“, flachste SPD-Kreischef Mike Schubert in Richtung CDU-Kreischefin Katherina Reiche zu Beginn des Abends im Rathaus-Plenarsaal, wo die Ergebnisse über die Leinwände liefen.

Im Überschwang des Adrenalins waren erstaunliche „Koalitionen“ zu beobachten: Schubert und Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, die Arme gegenseitig um die Schulter gelegt: „Aber Bruderkuss gibt’s keinen.“ Je weiter die Stimmenauszählung voranschritt, desto mehr betonte Gleichmut in den Gesichtern der Sozis: „Wenigstens einen Prozentpunkt sollten wir am Ende schon vor den Linken liegen – das wäre gut“, gab sich Finanzdezernent Burkhard Exner als Optimist. Zum Schluss lag die SPD mit zwei Prozentpunkten hinter den Linken. Jakobs kündigte im MAZ-Gespräch an, mit den Linken, der CDU und den Grünen Gespräche über „mögliche inhaltliche Übereinstimmungen“ führen zu wollen.

Partei

Prozent

LINKE

25,3 %

SPD

23,4 %

CDU

15,5 %

GRÜNE/ Bündnis 90

11,9 %

ANDERE

7,7 %

FDP

2,5 %

BVB/ Freie Wähler/ Familie

0,9 %

BürgerBündnis

6,1 %

AfD

4,5 %

Koop

0,1%

Potsdamer Demokraten

1,8%

UWG

0,2%

Wahlbeteiligung: 48,9 Prozent

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung

Aus dem vorläufigen Endergebnis ergibt sich folgende Sitzverteilung (im Vergleich zur bisherigen Verteilung):

  • Linke 14 (-2)
  • SPD 13 (-2)
  • CDU 9 (+1)
  • Bündnis 90/Grüne 7 (+2)
  • Andere 4 (+1)
  • BürgerBündnis 3 (+1)
  • AfD 3
  • FDP 1 (-2)
  • Potsdamer Demokraten 1
  • BVB/FREIE WÄHLER/FAMILIE je 1 Sitz

Reaktionen aus den Parteien
„Ich freue mich, dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit wieder stärkste Fraktion werden“, sagte der langjährige Linke-Fraktionsvorsitzende Hans-Jürgen Scharfenberg bereits nach der Auszählung von 111 der 144 Stimmbezirke. Die laufende Bekanntgabe des Zwischenergebnisses im Wahlkreis VI, in dem er selbst als Spitzenkandidat antrat, kommentierte Scharfenberg auf dem Rathausflur mehrfach mit Begeisterung. Er rief: „Der Abstand ist das Entscheidende!“, denn die Linke lag dort weit vor der SPD.

Linke-Kreischef Sascha Krämer sagte mit Blick auf den anstehenden Generationenwechsel seiner Partei, dies sei „kein Tag zur Trauer“: „Nachdem wir so oft totgesagt wurden, haben wir gezeigt, dass mit der Linken in dieser Stadt weiter zu rechnen ist.“ Seine persönliche Niederlage, er unterlag als erstmals nominierter Spitzenkandidat im Wahlkreis V gegen Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), kommentierte Krämer mit der Feststellung: „Es war klar, dass ich das gegen ihn nicht gewinnen werde. Aber die Linke hat den Wahlkreis gewonnen, das ist das Entscheidende.“

•••

Entspannte Stimmung bei der CDU. „Wir wollten zumindest die 15-Prozent-Hürde überspringen, das haben wir offenbar geschafft“, sagte Hans-Wilhelm Dünn.

•••

Die linksalternative Wählergruppe Die Andere zählt mit ihrer klaren Oppositionshaltung zu den Gewinnern des Abends: vier Sitze gewonnen, einen Sitz mehr als 2008. „Das haben wir uns ehrlich verdient“, so Stadtverordnetenkandidat Hannes Püschel: „Demokratie kann auch Spaß machen.“

Die Grünen-Fraktionschefin Saskia Hüneke freute sich über eine „tolle Überraschung“, steigerte sich die Öko-Partei doch auf sieben Mandate.

•••

Bürgerbündnis-Spitzenkandidat Wolfhard Kirsch zählte sicher nicht zu den Verlieren dieser Wahl...

...anders als die FDP. Nur ein Mandat, das war's: „Das ist eben der Bundestrend“, sagte Johannes Baron von der Osten-Sacken, der bislang einer Fraktion vorstand.

MAZ-KOMMENTAR

Rot-rot flirtet sich ins Minus

Der Flirt zwischen Linkspartei und SPD kurz vor der Kommunalwahl hat keinem der beiden genützt. In Sorge vor der Übermacht einer großen Koalition in Potsdam haben viele Bürger lieber bei kleineren Parteien ihr Kreuz gemacht (das FDP-Drama läuft „außerhalb der Konkurrenz“). SPD-Chef Mike Schubert muss das negative Ergebnis bitter schmecken, denn er gilt als Kronprinz im Rathaus. Er muss nun zur Landtagswahl angreifen, um die Erosion seiner Machtbasis aufzuhalten. Die Linke ihrerseits steht vor einem Generationenwechsel. Die jungen Wilden um Parteichef Krämer müssen ihr Profil schärfen. Nicht gerade Vorzeichen eines rot-roten Kuschelkurses.

Von Ulrich Wangemann

» Ergebnisse und Reaktionen aus anderen Landkreisen unter: www.MAZ-online.de/kommunalwahl2014» Liveticker vom Wahlsonntag aus Potsdam
 

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