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Potsdam Kostenexplosion bei Müllgebühren
Lokales Potsdam Kostenexplosion bei Müllgebühren
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14:43 28.08.2015
Die flächendeckende Einführung der Biotonne in allen Stadtteilen hat eine drastische Erhöhung der Müllgebühren zur Folge. Quelle: R.S.
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Potsdam

Bisher ist es nur eine Beschlussvorlage der Verwaltung. Aber wenn die neuen Abfallgebühren, die ab 1. Januar 2016 gelten sollen, in dieser Form von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet werden, müssen die Potsdamer für die Müllabfuhr künftig tiefer in die Tasche greifen – teilweise sehr tief.

Grund ist unter anderem die neue Biotonne, die zum Jahreswechsel stadtweit eingeführt wird. Abhängig davon, wie groß die Mülltonnen sind und in welchem Rhythmus diese geleert werden sollen, steigen die Gebühren im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 69 Prozent. Rund 100 Euro mehr sind in diesem Fall dann im Jahr zu berappen. Stellt man die Behälter nicht selbst an die Straße und die Müllmänner müssen diese vom Grundstück holen, sind sogar Kostensteigerungen von bis zu 255 Prozent fällig. Das sind rund 365 Euro mehr im Jahr.

Je kleiner die Tonne, desto weniger Gebühren

„Jeder kann durch sein Verhalten Einfluss auf die Höhe der eigenen Gebühren nehmen“, betonte Marina Kluge, Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit, am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Gebührensatzung. Wer biogene Abfälle künftig in der Biotonne entsorgt, hat weniger Restmüll. Dann reicht eventuell auch eine kleinere Restmülltonne aus oder diese muss nur noch alle zwei bis vier Wochen geleert werden statt wöchentlich. Je kleiner die Tonne ist und je seltener geleert wird, desto weniger muss für die Müllabfuhr gezahlt werden. Im günstigsten Fall der von der Stadt vorgelegten Rechenbeispiele für Einzelhaushalte außerhalb von Wohnanlagen werden aber immer noch 12 Prozent mehr fällig.

Wer sparen will, muss Müll trennen. Quelle: dpa

Die Einführung der Biotonne ist für ganz Deutschland gesetzlich vom Bund vorgeschrieben. Die schon 2012 in Kraft getretene Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verpflichtet die Verwaltungen dazu – eigentlich bereits seit dem 1. Januar 2015. Doch die Umsetzung stockt. Laut einer Studie des Bundesumweltamtes verfügten Anfang des Jahres bundesweit rund 70 Landkreise noch nicht über ein Biotonnenangebot. „In Brandenburg sind wir die ersten, die die Biotonne flächendeckend einführen“, sagte Marina Kluge.

Sogenannter Vollservice sorgt für große Preissteigerungen

Die immense Verteuerung der Müllentsorgung in Potsdam ist neben der Einführung der neuen Biotonne aber auch einer anderen Neureglung geschuldet. Bisher mussten gelbe Tonnen für Leichtverpackungen und blaue Tonnen für Papierabfälle am Abholtag selbstständig an die Straße gestellt werden. Geschah dies nicht und holten Müllmänner diese vom Grundstück, kostete das extra. Das gilt künftig auch für die normale Restmülltonne (schwarz) und die neue Biotonne (braun). Das Abholen der Tonne vom Grundstück (bis 15 Meter von der Straße) heißt jetzt Vollservice. Wer diesen in Anspruch nimmt, muss mit den größten Preissteigerungen rechnen.

Die Anschaffung einer Biotonne umgehen kann man, wenn man Küchen- und Gartenabfälle auf einem fachgerechten Komposthaufen auf dem eigenen Grundstück entsorgt. Und die Potsdamer machen rege von dieser Möglichkeit, die allerdings offiziell beantragt werden muss, Gebrauch. 17000 Grundstückseigentümer hat die Stadt angeschrieben. Von den 13000 Bürgern, die antworteten, bevorzugen 5315 die sogenannte Eigenkompostierung gegenüber der braunen Biotonne. Zu einer Reduktion des über die Müllabfuhr entsorgten Abfalls soll auch die Einführung eines neuen zentralen Wertstoffhofs beitragen, der derzeit in Rehbrücke gebaut wird. Dort können künftig wochentags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr Wertstoffe und Sperrmüll abgegeben werden. Auch für Subbotniks in den Kiezen will die Stadt gelegentlich Sperrmüll- und Biomüll-Container aufstellen.

„Müllentsorgung gibt es nicht zum Nulltarif“, so Kluge. Der Schlüssel zu geringeren Gebühren aber sei eine konsequente Müllvermeidung und -trennung. 2014 produzierte jeder Potsdamer rund 210 Kilogramm Müll. In vielen Tonen war dieser nicht sauber getrennt. Papier und Verpackungen zum Beispiel sorgen für zu volle Restmülltonnen. Beim Biomüll ist das noch in anderer Hinsicht relevant. Künftig soll daraus in Vergärungsanlagen Energie entstehen. Wenn im Biomüll aber Glas, Plastik oder Papier enthalten ist, nehmen Verwertungsanlagen diesen nicht.

Von Marcel Kirf

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