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„Krabat“ als gruseliges Marionettenspiel

Figurentheater Wilde und Vogel im T-Werk „Krabat“ als gruseliges Marionettenspiel

Ein Tyrann (Michael Vogel) ritzt seinem Ergebenen (Florian Feisel) das Wort „Idiot“ auf die Stirn. Das Blut rinnt dem Verwundeten über die Wangen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wischt er sich den Lebenssaft von der Stirn, doch die Schnittstellen verblassen nicht.

Der Geknechtete unterliegt dem Trugschluss, dass es das Beste sei, sich nicht zu wehren. Wer aus den Fängen der bösen Macht entkommen will, kommt mit Gehorsam nicht weit. Diese Lektion lernt Krabat schnell.

Das gleichnamige Buch von Otfried Preußler ist Vorbild für das Figurentheater Wilde und Vogel aus Leipzig. Die Künstler führen das Stück in Regie von Christiane Zanger gemeinsam mit der polnischen Gruppe Coincidentia Bialystok mit Puppen und Masken im T-Werk auf. Krabat ist Kriegswaise. Nun will er sein Leben ordnen, stößt in seinen Träumen jedoch auf Chaos. Eine geheimnisvolle Stimme lockt ihn zur Mühle im Koselbruch – ein Ort, in dem schwarze Magie die Oberhand gewonnen hat. „Soll ich dich nur das Mühlenhandwerk lehren oder alles andere auch?“, fragt ihn der schwarze Meister. Krabat ist bereit für den Pakt mit dem Gevatter. Entkommen kann er seinen Fängen nur, weil er einen Freund und ein Mädchen findet, das ihn liebt und für ihn sein Leben geben würde.

Der Puppendarsteller erlebt, wie finster und gnadenlos die Welt sein kann. Im Traum gerät er genau wie elf andere verlorene Seelen in Rabengestalt, in die Fänge des Bösen. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges sind die Rollen der Starken und Schwachen klar verteilt: Gevatter Tod drückt eine Stange, die drei Geknechtete tragen, mit seiner sehnigen Hand zu Boden. Sein Gesicht spiegelt nur ein schadenfrohes Grinsen.

Mit ausdrucksstarken Bildern des Leides, wird dem Zuschauer die Scheußlichkeit des Krieges vor Augen geführt. Dafür braucht es keine realistische Darstellung, sondern Abstraktion: Durch den Kranz einer Tuba isst ein Kriegsteilnehmer Knochen. Aus einem in sein Gesäß geklemmtes Rohr krümeln die zermahlenen Gebeine auf dem Boden. Gefördert durch Nebel und schaurigen Geigen- und Flötenklang als auch Gesang (Charlotte Wilde), löst das Treiben Gänsehaut aus. Gekonnt ergänzen sich die vier Schauspieler, zu denen neben Michael Vogel und Florian Feisel auch Pawel Chomczyk und Dagmara Sowa gehören. Gleichzeitig spielen sie die elf Handpuppen-Raben. Gesagt wird nicht viel, gesprochen wird durch stimmungsvolle, magische Bilder: So fliegt die Krabat-Marionette durch den Raum. Und eine fliegende Plastiktüte wird wie von Zauberhand immer größer.

Da überrascht es, dass bei der Premiere der Beifall des Publikums recht verhalten ausfiel. „Krabat“ ist ein gruseliges Erlebnis, das bisweilen auch frech ist, wenn der Rabe dem Darsteller ins Ohr beißt. (Von Kerstin Voy)

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