Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
„Krampnitz wird für Besucher geöffnet“

Neues Ausflugsziel am Stadtrand von Potsdam „Krampnitz wird für Besucher geöffnet“

Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke hat eine gute Neuigkeit für alle abenteuerlustigen Geschichtsinteressierten: Erstmals können Gruppen das berühmte Kasernen-Areal erkunden. Bislang kamen nur ungebetene Gäste, die Vandalenakte verübten, in die Soldatenunterkünfte und das Casino. Damit soll nun Schluss sein.

Voriger Artikel
Brandenburg zieht Bilanz
Nächster Artikel
Das Spendenkarussell dreht sich weiter

Bert Nicke ist Geschäftsführer der Pro Potsdam und des Sanierungsträgers Potsdam.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Bert Nicke ist Geschäftsführer der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam. Im MAZ-Interview erläutert er den aktuellen Stand beim nächsten Mega-Projekt, dem Ex-Kasernengelände Krampnitz, und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2018.

Als Chef des Sanierungsträgers, der Pro Potsdam und des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld sind Sie für die unterschiedlichsten baulichen Gebiete in Potsdam zuständig. Wenn Sie die Wahl hätten, wo Sie wohnen könnten: eher die sanierte Platte in Drewitz, ein Neubau im Bornstedter Feld oder ein rekonstruierter Barockbau im Block III?

Wir sind sehr überrascht über das gute Resultat der Sanierung der Rolle in Drewitz. Das zeigt die Potenziale der Platte, die wir Am Schlaatz auch noch aktivieren möchten. Am liebsten würde ich aber in eine frisch sanierte Wohnung in den denkmalgeschützten Kasernen in Krampnitz ziehen, mit Straßenbahnanschluss natürlich! Es kommt aber auch auf die jeweilige Lebenssituation an: Als Student hätte ich gern in Babelsberg oder Potsdam West gewohnt, später mit den kleinen Kindern im Bornstedter Feld. Aber wenn die Kinder aus dem Haus sind und das Leben richtig anfängt, wäre eine Wohnung im Block III auf dem ehemaligen Fachhochschulgrundstück meine erste Wahl!

Wie vereinbaren Sie es, dass Sie als Chef der Pro Potsdam Entscheidungen fällen, die in das Aufgabengebiet des Sanierungsträgers fallen? Beispiel: Potsdamer Mitte. Hier will sich die Pro Potsdam am Bau von Sozialwohnungen im neuen Block IV an der Stadt- und Landesbibliothek beteiligen. Die Fläche ist Gebiet des Sanierungsträgers, dessen Chef Sie sind. Gibt es da nicht Überschneidungen?

Es gibt schon Überschneidungen. Aber zum einen sind alle Unternehmen unter dem Dach der Pro Potsdam Unternehmen der Landeshauptstadt. Diese Unternehmen handeln im städtischen und nicht im eigenen Interesse, so dass da von vorneherein Interessenskonflikte minimiert sind. Zum anderen entscheiden über wesentliche Angelegenheiten am Ende immer die Gremien der Stadt. So formuliert die Landeshauptstadt die Ziele für die Pro Potsdam, steuert als vertraglicher Auftraggeber die Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen in der Innenstadt, im Bornstedter Feld und in Krampnitz und beschließt beispielsweise auch über alle Grundstücksan- und Verkäufe. Bei Investitionsvorhaben der Pro Potsdam entscheidet immer zuerst der Hauptausschuss und dann der Oberbürgermeister, so dass vom Verfahren her immer klar ist, dass noch mal eine übergeordnete Instanz drüberguckt.

Ende 2018 geht der „Senior“ in Ihrem Geschäftsführer-Trio - Horst Müller-Zinsius - in den Ruhestand. Wer wird ihm nachfolgen beziehungsweise wird es künftig ein Geschäftsführer-Duo mit Ihnen und Jörn-Michael Westphal geben?

Herrn Müller-Zinsius kann ich mir gar nicht als Ruheständler vorstellen. Vielleicht hängt er ja noch ein paar Jahre dran? Er ist ja nur unwesentlich älter als Angela Merkel, die schließlich auch noch einmal für vier Jahre angetreten ist. Unabhängig davon entscheidet aber natürlich die Gesellschafterin der Pro Potsdam - die Landeshauptstadt - über die Besetzung der Geschäftsführung. Insoweit bin ich in dieser Frage der falsche Ansprechpartner.

Jurist und Fan von Dynamo Dresden

Bert Nicke wurde 1971 geboren. Er wuchs in einem Vorort von Dresden auf. Nach einer technischen Ausbildung studierte er Jura an der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Paris X.

Ab 1997 arbeitete er in einer Berliner Rechtsanwaltskanzlei. 2001 begann er seine Tätigkeit für Unternehmen des Unternehmensverbunds Pro Potsdam. Seit 2013 ist er einer der drei Geschäftsführer der Pro Potsdam, zusammen mit „Senior-Chef“ Horst Müller-Zinsius und Jörn-Michael Westphal.

Nicke ist verheiratet und hat drei Kinder und ist glühender Dynamo-Dresden-Fan.

Das Mega-Projekt der nächsten Jahre ist Krampnitz. Wie ist da der Stand?

Konkrete Erfolge können wir jetzt noch nicht verkünden, aber wir sind auf mehreren Ebenen unterwegs. Zum einen läuft der Wettbewerb für das Technikareal im westlichen Bereich des Entwicklungsgebiets. Ursprünglich sollten dort sogenannte Angerdörfer errichtet werden, im gesamten Entwicklungsbereich sollten Wohnungen für lediglich 3800 Einwohner geschaffen werden. Aufgrund des starken Wohnungsbedarfs in Potsdam stellte sich aber die Frage, ob wir in Krampnitz auch noch mehr Menschen mit Wohnungen versorgen können. Deshalb haben wir einen Wettbewerb ausgelobt, der städtebauliche Lösungen für mindestens 7000 neue Einwohner in Krampnitz finden soll. Anfang Dezember war im Wettbewerb das Rückfragen-Kolloquium. Im Abschluss der ersten Runde hatten 21 der 31 Bewerber Post bekommen, dass sie nicht mehr dabei sind. Zehn Planungsbüros sind noch im Wettbewerb. Am 19. März kennen wir die Preisträger.

Welches Areal wird genau durch den Wettbewerb erfasst? Ist es das Gebiet außerhalb der Fläche, die 2017 von der Deutschen Wohnen im Kerngebiet von Krampnitz erworben wurde?

Das beinhaltet auch Flächen der Deutschen Wohnen. Es handelt sich um die Areale ohne denkmalgeschützten Gebäude wie die Kasernengebäude - also Hallen, Tankstelle, Garage, Pferdeställe. Insgesamt sind das 83 Hektar in Richtung Fahrland. Es war schon immer vorgesehen, dass diese so genannten Technikgebäude abgerissen werden und dort neu gebaut wird. Grünanlagen, Kitas, ein Gymnasium und je nach Einwohnerzahl mindestens eine Grundschule sowie in der Regel viergeschossige Wohnblöcke sind in den Wettbewerbsentwürfen darzustellen.

Wie wird es in einem Jahr dort aussehen?

In einem Jahr um diese Zeit beginnen wir mit dem Leitungsbau. Die Zufahrt erfolgt von der Straße nach Fahrland. Aber was wir vorhaben im nächsten Jahr ist eine Öffnung des Geländes für Besichtigungen durch interessierte Gruppen: Gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft, der Potsdam Marketing- und Servicegesellschaft (PMSG) wollen wir ab Ostern Führungen über das Gelände anbieten, die sich in erster Linie an interessierte Potsdamer richten. Das Interesse an den Gebäuden ist groß, und wir haben mit Vandalismusschäden zu kämpfen aufgrund von Einbrüchen in gesicherte Gebäude. Wir hoffen, dass wir mit so einem offiziellen Angebot das öffentliche Interesse bedienen können.

Wann werden die Führungen stattfinden und wie viele Interessierte dürfen mit?

Jeweils samstags und sonntags sollen die Führungen mit je 20 Teilnehmern stattfinden.

Wann werden die ersten Menschen in Krampnitz einziehen können?

Geplant ist das für 2020. Deshalb arbeiten wir jetzt unter Hochdruck. Im ersten Halbjahr 2018 nach Abschluss des Wettbewerbs soll mit den Erschließungsplanungen begonnen werden, dann wird bis Sommer geplant. Im Herbst wollen wir die Erschließungsanlagen ausschreiben, so dass wir Ende 2018 mit dem ersten Spatenstich beginnen können.

In jenem Teil von Krampnitz, der im Verantwortungsbereich des Entwicklungsträgers liegt, sollen auch 20 Prozent Sozialwohnungen entstehen. Aber bislang ist das Areal noch nicht einmal Fördergebiet für sozialen Wohnungsbau. Wird das nicht langsam zeitlich knapp?

Die Stadt Potsdam und der zuständige Beigeordnete Bernd Rubelt engagieren sich sehr dafür, den sozialen Wohnungsbau förderfähig zu kriegen. Das zuständige Ministerium begegnete dem Vorhaben bislang grundsätzlich auch sehr positiv. So besuchte erst kürzlich Frau Ministerin Schneider mit einer ganz kleinen, aber illustren Delegation quasi inkognito das Gelände. Es gibt aber noch ein paar Fragen, die das Land geklärt haben will. Wir würden ein positives Votum des Landes Brandenburg natürlich sehr begrüßen, je eher desto besser. Dann wären wir zuversichtlich, dass sich Investoren finden. So würde sich auch die Pro Potsdam anbieten, sich zu beteiligen - allerdings nur für einen Teil, nicht für alles. Derzeit bauen wir 200 bis 250 Wohnungen pro Jahr, unabhängig von Krampnitz. In diesen Größenordnungen könnte sich unser Bauvolumen langfristig bewegen.

Im Kerngebiet von Krampnitz - dem Areal mit der historischen Bausubstanz - ist die Deutsche Wohnen aktiv. Nun steht die Wohnungsbaugesellschaft in Berlin unter anderem wegen ihrer Mieten oft in der Kritik. Warum hat die Landeshauptstadt trotzdem 2017 der Deutschen Wohnen den Zuschlag für dieses Gebiet gegeben?

Wir sind sehr froh, dass wir mit der Deutschen Wohnen einen finanzstarken und kompetenten Partner gefunden haben, der sich langfristig zum Standort Krampnitz bekannt hat. Der Erfolg derartiger Entwicklungsprojekte hängt nicht zuletzt auch von dem Tempo, dem Umfang und der Qualität der ersten Baumaßnahmen ab. In der Regel entwickeln die Stadtentwicklungsmaßnahmen nach dieser sogenannten Pionierarbeit eine eigene Dynamik und gewinnen an Attraktivität auch für andere Investoren. Insoweit hätten wir uns gar keinen besseren Partner wünschen können. Im Übrigen ist es aber auch kein Geheimnis, dass wir uns aufgrund der verfahrenen Grundstückssituation unsere Verhandlungspartner nicht aussuchen konnten. Die Deutsche Wohnen hatte wesentlichen Anteil an der letztlich gefundenen Lösung der juristischen Probleme.

Kritiker bemängeln, dass der Verkauf an die Deutsche Wohnen ein Verlustgeschäft für die Stadt gewesen sei - man hätte lieber die privaten Investoren des TG-Potsdam Verbundes enteignen sollen, so wie es Ex-Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) im Visier gehabt hatte. War man zu nachgiebig?

Ein Enteignungsverfahren hätte Jahre gedauert, nach meiner Einschätzung hätte sich dann in Krampnitz vor 2022 kein Kran gedreht, obwohl in der Vergangenheit einzelne Verantwortliche das deutlich optimistischer gesehen haben. Um es mal etwas flapsig zu sagen: Selbst Chuck Norris hätte nicht innerhalb weniger Monate eine Enteignung vollzogen, da den enteigneten Eigentümern alle rechtsstaatlich vorgesehenen Rechtsmittel gegen die Enteignungsentscheidung zur Verfügung gestanden hätten. Die Frage hätte dann wahrscheinlich nach sieben Jahren Klageverfahren in der dritten Instanz durch den BGH entschieden werden müssen. Bis dahin wären uns die denkmalgeschützten Gebäude in Krampnitz aber ganz zusammengefallen und hätten nicht mehr gerettet werden können. Durch die Einigung mit der Deutschen Wohnen konnte ein Gordischer Knoten zerschlagen werden. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es ein guter Deal für die Stadt war und der einzige, der ging.

2018 bleibt auch die Biosphäre ein großes Thema. Wieviel Chancen gibt es Ihres Erachtens noch für einen Weiterbetrieb?

Der Baubeigeordnete Bernd Rubelt stellte Mitte Dezember im Hauptausschuss das weitere Verfahren zur Biosphäre vor. Wir sind als Entwicklungsträger Bornstedter Feld mit dabei und suchen gemeinsam nach einer sinnvollen Lösung. Eine denkbare Option ist nach wie vor der Weiterbetrieb. Wenn es uns gelingt, Sponsoren, Fördermittelgeber oder Investoren zu finden, die einen eigenen finanziellen Beitrag zum Betrieb der Halle beisteuern, steigen die Chancen auf die Zuschussminimierung und damit auf den Weiterbetrieb. Im Verfahren würden wir gerne auch das Knowhow unserer Tochtergesellschaft, der Luftschiffhafen Potsdam GmbH, mit einbringen. Unser dortiger Geschäftsführer, Herr Andreas Klemund, hat etwa bei der Vermarktung der Namensrechte und bei der Etablierung von kommerziellen Sportereignissen wie etwa der Boxweltmeisterschaft in der MBS-Arena sehr erfolgreich gewirkt. Diese Kompetenzen sollten wir nutzen.

CDU/ANW, SPD und Die Andere haben einen kostenlosen Eintritt in den Volkspark ins Spiel gebracht für den Fall, dass der Park Sanssouci eintrittsfrei bleibt. Befürworten Sie diesen Vorschlag?

Ich kann die Argumentation natürlich nachvollziehen, sehe aber die Gefahr, dass wir in diesem Fall künftig die hohe Qualität der Infrastruktur und Veranstaltungen im Volkspark nicht aufrechterhalten können. Das würde ich bedauern.

Von Ildiko Röd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
dfdbc0d4-af48-11e7-b225-97bf4e5da6db
Potsdam – damals und heute

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

68f2df18-7134-11e7-b96f-95bbfe8e2958
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg