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18:18 15.09.2017
Sam Yen, leitender Direktor bei den SAP Labs im Silicon Valley, spricht zur Eröffnung des „d.confestival“ 2017. Quelle: foto: Kay Herschelmann
Potsdam

Wenn man das zweite internationale Treffen der sogenannten „Design Thinker“ auf dem Campus Griebnitzsee einen einzigen großen Zirkus nennen würde, wären die Veranstalter nicht einmal beleidigt. Zum „d.confestival“ 2017 haben die Veranstalter vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) hinter dem Haupthaus der Softwareschmiede wie schon einmal ein Zirkuszelt aufgebaut, in das am Donnerstagmorgen ab zehn Uhr die meist jugendlichen Massen strömen. Und auch rings um das Zelt herrscht hipstermäßiges Treiben.

Neue Vereinigung gegründet

Im Design Thinking lösen Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem kreativen Umfeld praktische Probleme. Bei der Lösung sind Bedürfnisse der Betroffenen maßgeblich. Lösungsentwürfe werden mehrfach in der Praxis geprüft und immer wieder verbessert.

Die Stanford University in Kalifornien hat seit 2005 das „Hasso Plattner Institute of Design“. In Potsdam gibt es seit 2007 die „HPI School of Design Thinking“. Studenten der ganzen Region besuchen sie. Beim „d.confestivals“ wurde jetzt in Potsdam die Global Design Thinking Association (GDTA) gegründet. Sie soll den internationalen Austausch über die Methode fördern.

Die „Food Trucks“, also die Imbisstransporter, bieten wahlweise „pancake“ – Pfannkuchen –, Nudeln oder Currywurst an, der Empfang der Namensschilder und Einlassbändchen mit mehreren Schaltern im Vorlesungsgebäude macht selbst das Check-in auf dem Flughafen Tegel neidisch und in zeltartigen Aufenthaltsräumen surrt es zwischen den Besuchern recht fremdsprachlich, zumeist Englisch.

Besucher aus Asien und Amerika

Bunt und kreativ soll es sein, wenn sich die Anhänger der Anfang der 2000er-Jahre entdeckten Methode des Erfindens und Problemlösens zusammenfinden, denn eine anregende Arbeitsumgebung ist ein wichtiger Aspekt des „Design Thinking“. Ein anderer sind die unterschiedlichen Perspektiven und Herangehensweisen, die in solchen Arbeitsgruppen zusammengeführt werden, um überraschende Lösungen für praktische Probleme zu finden. Auch das ist am Griebnitzsee gegeben. Als der Moderator Moritz Ettl zur Eröffnung des dreitägigen Events im Zelt fragt, wie viele Leute aus Asien gekommen sind, steht immerhin eine Handvoll auf. Einige mehr, nämlich so um die 15 kommen aus Amerika und der Rest aus europäischen Städten. Dabei sind die vielleicht 200 Leute im Zelt nur ein Teil der Gäste bis zum heutigen Sonnabend. 900 Anmeldungen zählt das zweite „d.confestival“, das zugleich den zehnten Geburtstag der 2007 gegründeten „HPI School of Design Thinking“ feiert.

Der Gag zum Jubiläum: Fast die ganze Ahnenreihe der „Design Thinking“-Idee ist zu Gast. Vom Gründer des „Hasso Plattner Instituts of Design“ in Stanford, Bernard Roth, über den „Design Thinking“-Forscher Larry Leifer in Stanford bis zum Direktor der Potsdamer Einrichtung, Ulrich Weinberg. Abends stieß immerhin per Videoschaltung auch der Initiator der Bewegung, Hasso Plattner, hinzu und es gratuliert Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), der die Einrichtung „einigartig in Europa“ nennt. Gefeiert wird stilgerecht nicht nur mit Brillantfeuerwerk, sondern auch mit Einlagen der Kammerakademie Potsdam im Zelt.

Wie wichtig „Design Thinking“ für Firmen ist, macht der Chef-Gestalter bei SAP im kalifornischen Silicon Valley, Sam Yen, schon im allerersten Vortrag klar. Dazu genügt eine Liste mit Unternehmen, die sich der Erfindungsmethode angeschlossen haben. Mit „Design Thinking“ schießen die Umsätze nach oben. „Es geht um Innovation“, sagt Yen. Produkte sollen durchschlagen und sie sollen sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Yen spricht viel von Kreativität, Talent und Genius, aber ebenso viel von „Geschäft“ und vom „Kunden“. „Design Thinking“ kann seine Herkunft aus einer Unternehmenswelt, die sich im Umbruch befindet, eben nicht leugnen, selbst wenn die Methode sich angeblich für fast alle Probleme der Menschen eignet.

Auch Bosch macht jetzt in Design Thinking

Auf diese Umbrüche kommt auch der Vertreter des traditionsreichen Konzerns Bosch zu sprechen. Uwe Raschke ist Managementmitglied des 380 000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens und trotz seiner gut 58 Jahre begeisterter „Design Thinking“-Anhänger. Er erzählt die Geschichte der Abteilung „Haus und Garten“. So tolle Produkte waren entwickelt worden, so tolle Konzepte für den Verkauf – und dann kam Amazon. Was tun? Natürlich ab 2016 „Design Thinking“ einführen.

Aus einer großen Abteilung wurden viele kleine, in denen Teams mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenarbeiten. Es gäbe flache Hierarchien und ein neues Verständnis von Leitung. Nicht mehr wenige Insider sagen, wo es langgeht, jetzt werden von Anfang an alle Beteiligten mit einbezogen. Vor allen Dingen frage man sich : „Welchen Zweck sollen eigentlich unsere Produkte haben?“. Dieselbe Frage müsse sich auch Bosch selbst stellen, wenn es mit den rund 400 000 Mitarbeitern überleben wolle.

Bei der Versicherung Axa in Köln fragt man sich das seit 2015. Die beiden jungen Mitarbeiterinnen Chiara Fries und Anna-Lena Brand wurden selbst an der HPI-School mit der Methode bekannt gemacht. Sie schwören auf „Design Thinking“. „Die Methode ist sehr an den Menschen orientiert“, sagt Fries. Anstatt dass Axa wie üblich ein neues Produkt entwickelte und es per Marketing schmackhaft machte, sei diesmal das „Design Thinking“-Team ausgeschwärmt und habe die Leute gefragt, welche Probleme sie auf dem Weg zur Arbeit hätten. Frauen sagten: Abends fühlten sie sich beim Rückweg immer etwas unsicher. Daraus entsprang die App „WayGuard“. Sie verbindet eine Kundin, direkt mit einer beobachtenden Leitstelle, die im Notfall sogar die Polizei verständigt.

Realität statt graue Theorie

„Es war ein ganz anderer Ansatz“, sagt Anna-Lena Brand. „Wir haben nicht einfach Produkt XY entwickelt, sondern uns mit dem Themenfeld Mobilität beschäftigt.“ Dadurch sei in dem typischen „Design-Thinking“-Prozess von Ideenfinden, Kundenbefragung und ständigem Testen der Prototypen schließlich die App entstanden. Fast ein Jahr ist sie auf dem Markt. „Wir sind von Beginn an raus aus dem hypothetischen Raum, rein in die Realität“, ergänzt Fries. Und weil das alles so viel Spaß macht, wollen die beiden jetzt so viele Workshops wie möglich abdecken. Chiara Fries möchte sich zum Beispiel erkundigen, wie „Design Thinking“ bei kleineren Unternehmen ankommt.

Damit ist das Potenzial zumindest laut Festivalprogramm nicht abgedeckt. George Kembel, der Mitbegründer der Stanford Design-Thinking School, sagt, auch Schulen und sogar Regierungen kämen immer mehr auf den „Design-Thinking“-Trip. So gesehen wäre es vielleicht sehr spannend, Donald Trump und Kim Jong-un zusammen mit weiteren Kreativen an einen Tisch zu setzen und zu schauen, ob vielleicht eine Lösung für den Nordkoreakonflikt herauskommt.

Von Rüdiger Braun

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