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Potsdam Wie sicher ist man am Potsdamer Hauptbahnhof?
Lokales Potsdam Wie sicher ist man am Potsdamer Hauptbahnhof?
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01:15 03.02.2019
Die Händler fühlen sich sicher im Bahnhof; der Wachschutz und die Polizei sind auf Streife. Quelle: Varvara Smirnova
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Bis zu 70.000 Menschen passieren täglich den Hauptbahnhof von Potsdam. Nicht jeder tut das auf anständige Weise; Ordnungswidrigkeiten werden begangen, Straftaten verübt, offenbar mehr als an allen anderen Orten der Stadt, wie Oberbürgermeister Mike Schubert am Mittwoch vor den Stadtverordneten erklärte. Dies sei dem Charakter eines Bahnhofes mit Einkaufszentrum und Großkino zuzuschreiben.

Ist der Bahnhof aber deshalb schon ein Hotspot der Kriminalität? Die MAZ ging auf Spurensuche, befragte Gewerbetreibende, Wachschutzleute, Polizeibehörden, das Center-Management, Bahnkunden und gewöhnliche Besucher. Als Verbrechensschwerpunkt sah den Bahnhof keiner.

Jugendgruppen verunsichern Passanten

„Das ist eine Sache des persönlichen Erlebens,“ sagt Center-Managerin Jana Strohbach: „Jeder ist verschieden sensibel.“ So gebe es bis in die Nachmittagsstunden kaum Vorfälle, an den Abenden aber mehr. Vor allem der späte Freitag und der Samstag seien Schwerpunkte für Ordnungswidrigkeiten.

Center-Managerin Jana Strohbach ärgert sich über pöbelnde Jugendliche . Quelle: Varvara Smirnova

Dann sammeln sich vor allem in den Rundbänken vor den Kino-Kassen Gruppen junger Leute, die dort auch Stunden bleiben und irgendwann anfangen, andere Passanten anzupöbeln. „Das sind oft dieselben Gruppen“, sagt Strohbach: „Die wollen nicht ins Kino.“ Wenn sie auffällig lange bleiben, schaut der Wachschutz öfter mal vorbei und fordert sie dann auf, das Center zu verlassen – das sind Platzverweise für 24 Stunden. Bei Wiederholungen oder Weigerungen werden auch Hausverbote ausgesprochen zwischen einem Monat und einem ganzen Jahr. „Die Aggressivität der Bahnhofsgäste ist spürbar gewachsen“, sagt Strohbach.

2017 hatte man 1600 Personen des Bahnhofes verwiesen; 2018 waren es schon 2600 – sieben pro Tag. Über Straftaten allerdmngs führt das Management keine Statistik, das können nur die Ladenbetreiber und die Polizeibehörden sagen. Die MAZ fragte sie an.

Bundespolizei sieht keinen Schwerpunkt

Die Landespolizei war am Donnerstag noch nicht in der Lage, Straftaten für diesen konkreten Ort aus ihren Statistiken herauszufiltern; da hatte es die Bundespolizei viel leichter, denn sie ist nur für Bahnanlagen zuständig. Der Potsdamer Hauptbahnhof sei „kein kriminalitätsbelasteter Schwerpunkt innerhalb der Bundespolizeidirektion Berlin“, erklärte Pressesprecher Matthias Lehmann: „Das Gesamtstraftatenaufkommen im Bundespolizeirevier Potsdam blieb zurückliegend nahezu unverändert auf gleichem Niveau.“ Viele Straftaten seien Eigentumsdelikte, ganz überwiegend Ladendiebstähle in den zahlreichen Verkaufseinrichtungen des Bahnhofscenters, aber auch Fahrraddiebstähle, die bei der Bundespolizei angezeigt werden.

Immer wieder werden Fahrräder demoliert oder gestohlen. Quelle: Rainer Schüler

Zahlen lieferte die Behörde aber nicht. Im Bereich der Taschendiebstähle verzeichne man jedoch einen starken Rückgang, so Herrmann. Immerhin veranstalte die Behörde seit 2014 fast wöchentlich „Taschendiebstahlspräventionsmaßnahmen“ in Form eines Infostandes am Hauptbahnhof. Außerdem verteilen die Beamten Flyer zum Thema „Zivilcourage - weggeschaut, ignoriert, gekniffen“. Mit dabei ist oft der Weiße Ring als Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern.

Center-Mieter fühlen sich sicher

Jana Strohbach weiß, dass die Diebstähle zunehmen, hat aber gleichfalls keine Zahlen: Bei ihren Mietern fragt sie regelmäßig nach, ob sie sich noch sicher fühlen. „Das tun sie“, versichert sie. Einige Mieter hätten aber auch berichtet, wiederkehrende Jugendgruppen auf Diebestour bemerkt zu haben; meist habe man es aber mit Einzeltätern jeden Alters zu tun, „14-jährige Mädels genauso wie Omas“.

Sorgen bereiten der Managerin die Pöbeleien Jugendlicher und der Hang von Obdachlosen, sich in der kalten Jahreszeit häuslich im Bahnhof einzunisten. „Die müssen wir gewaltlos aus dem Center bringen“, sagt sie; es komme dabei öfter vor, dass Passanten den Obdachlosen in Schutz nehmen wollen und den Wachmann angehen. „Wachmann im Bahnhof ist ein sehr anspruchsvoller Job“, sagt Strohbach: „Wir schulen unsere Leute im Umgang mit Passanten.“ Gewaltanwendung etwa sei tabu; im Notfall hole man die Polizei.

Strenge Hausordnung wird durchgesetzt

Verboten ist im Center vieles, das Rauchen etwa, selbst die elektrischen Zigaretten, das Trinken von Alkohol außerhalb gastronomischer Einrichtungen natürlich auch. Man darf nichts wegwerfen und keine Vögel füttern. „Jeder unnnötige Aufenthalt“ ist durch die Hausordnung ebenso untersagt wie das „Herumlungern“, das Sitzen oder Liegen auf dem Boden, das Betteln und Hausieren. Das Fahren mit Fahrrädern Rollern, Skatern oder Skateboards sei nicht erlaubt, setzt Strohbach die Verbotsliste fort und stellt im Beisein des MAZ-Reporters einen jungen Mann zur Rede, der mit einen Board aufs Laufband gefahren ist.

Toiletten-Vandalismus ist beseitigt

Vandalismus auf den Toiletten war über Jahre ein Problem im Bahnhof; immer wieder beschwerten such auch Leser dieser Zeitung und schickten Fotos ein von abgesperrten Urinalen. Inzwischen hat man die einst kostenlosen Toiletten der Firma Sanifair überantwortet, die Schrankenanlagen aufgestellt hat und Gebühren fordert. Das Vandalismusproblem in den Sanitärabteilungen ist verschwunden.

Probleme mit Russen auf Diebestour

„Ich fühle mich im Bahnhof sicher“, sagt Apothekerin Kathleen Görke, die schon seit 2003 im Center arbeitet. „Anfangs hatten wir mal Probleme mit Russen.“ Die kamen rein, gingen zum Regal mit den hochwertigen Kosmetika, machten die Tasche auf und fegten die Auslage mit einem Handstreich hinein. Zwar piepte am Ausgang die Alarmanlage, doch die Diebe waren schneller als die Polizei. Einmal jedoch setzte eine mutige Mitarbeitern nach und entriss dem Dieb die Tasche wieder.

Apothekerin Kathleen Goerke fühlt sich sicher in den Bahnhofspassagen. Quelle: Varvara Smirnova

Teure Kosmetik ist immer noch das, was am ehesten geklaut wird, berichtet Goerke, Cremes für 30 Euro etwa, doch die Mitarbeiter passen auf. Ihnen fallen öfters Menschen auf, die augenscheinlich auf der Straße leben, und sich auch gern mal in der Apotheke niederlassen. „Die wollen nichts kaufen, die wollen keinen Arzt; wir bitten sie, den Laden zu verlassen“, sagt Goerke: „Wir sind keine Sozialstation, der Bahnhof auch nicht.“

Obdachlose verschrecken Kunden

Die Obdachlosen, darunter einige „alte Bekannte“ aus dem Stadtgebiet, schreckten Kunden ab, sagt Goerke, vor allem Kinder hätten Angst vor ihnen. Der „Holländer“ sei so einer – der bleiche junge Mann mit der Dauerkapuze auf dem Kopf, oder die junge Frau mit der Decke als Rock. Diese Menschen seien vielen lästig, sagt sie, aber nicht erkennbar kriminell.

Mit Diebstählen hat man auch im Pinocchio-Spielzeugladen immer wieder mal zu tun. „Zum Glück ist das so selten, dass wir es noch als Ereignis sehen“, sagt Inhaberin Sabine Stribbgen. Geklaut würden „kleine Dinge für zehn Euro, aber auch hochwertige für 200, sogar Artikel, die offensichtlich alarmgesichert sind. Nur große Kartons klaut keiner. Weit käme damit auch keiner, glaubt Stribbgen: „Hier ist ja Wachschutz unterwegs und Bundespolizei.“

Besorgnis eher außerhalb des Bahnhofs

Außerhalb des Bahnhofs mischt sich mehr Besorgnis in die Stimmungslage der Passanten. Da sind die, die sich „nicht unsicherer als anderswo in der Stadt“ fühlen, ein stämmiger Mann aus Potsdam-West etwa und eine Rentnerin aus Babelsberg, die aber trotzdem ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Da ist aber Anna Schlüter (Name geänd. –d.Red.) aus der Brandenburger Vorstadt, die in einer Sommernacht gegenüber dem Bahnhof an der Friedrich-Engels-Straße eine Gruppe Flüchtlinge beim Fahrradklau beobachtet und das der Polizei gemeldet hat; die kam zu spät. „Da standen so zehn junge Männer um einen Lichtmast herum, an dem ein Fahrrad angeschlossen war“, erzählt sie: „Dann hörte man Hammerschläge. Die Gruppe löste sich auf und lief hinauf zum Brauhausberg; ein junger Mann folgte ihnen auf einem Mountainbike, das ihm offenbar zu niedrig war. Sie hatten das Schloss geknackt und jubelten sich gegenseitig zu.“

Ein Taxi-Fahrer sieht den Bahnhof sogar als Schwerpunkt und die „Flüchtlinge“ als „Ursache allen Übels“ an: „Vor allem abends stehen die hier in Gruppen rum, sind laut, pöbeln, gehen sich gegenseitig an.“ Manche Passanten hätten Angst und würden „einen großen Bogen machen“, sagte der Fahrer der MAZ, auch er nennt seinen Namen nicht.

Von Rainer Schüler

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