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Krisentreffen um fünf nach zwölf

Im Streit um die Pförtnerampeln bahnt sich eine gemeinsame Verkehrsentwicklungsplanung von Potsdam und dem Umland an Krisentreffen um fünf nach zwölf

Das kleine Neu Fahrland stemmt sich mit aller Macht gegen die Pläne der Landeshauptstadt, auch an der Nedlitzer Straße eine Pförtnerampel zu installieren. Die Ortsvorsteherin Carmen Klockow, der Ortsbeirat und viele Bürger befürchten, dass der Weg ins Zentrum künftig durch einen dicken Stau führt und der Ortsteil von der mächtigen Mutter geradezu abgehängt wird.

Potsdam. Geltow ist das drohende Beispiel. Weil Potsdam die Luftschadstoffbelastung in der Innenstadt reduzieren will, staut sich Morgen für Morgen der Pendlerverkehr kilometerweit bis vor die Geltower Haustüren. Carmen Klockow will das für Neu Fahrland unbedingt verhindern. „Ist die Pförtnerampel einmal geschaltet, wird’s schwer, das wieder zu stoppen.“ Wie viele andere Orts-Chefs ist sie sauer, dass das große Potsdam einen Ausweg aus dem Feinstaub sucht und die Nachbarn zurücklässt. „Das ist ein Irrweg, den man da beschreitet“, sagt Carmen Klockow. „Wir wollen die Stadt zur Umkehr bewegen.“

Die Zeichen stehen nun – wenn schon nicht auf freie Fahrt – immerhin auf Verständigung. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat gestern Vertreter der Gemeinden Werder, Schwielowsee, Michendorf und Nuthetal, der Ortsteile Fahrland, Groß Glienicke und Neu Fahrland sowie den Landrat von Potsdam-Mittelmark zum Gespräch empfangen. Thema: die Verkehrsbeziehungen und die Verkehrssteuerung zwischen der Landeshauptstadt und den Nachbarn. Ziel des zweistündigen Treffens war es, das gegenseitige Verständnis zu fördern. Aus Sicht der Landeshauptstadt ist das „in guter Atmosphäre“ gelungen. Das Fazit: Man will weiter im Gespräch bleiben.

Dafür sind diverse Arbeitstreffen geplant. So werden das Stadtentwicklungskonzept Verkehr und die umstrittene umweltorientierte Verkehrssteuerung demnächst in Schwielowsee und anderen Gemeinden vorgestellt. Geplant ist zudem eine gemeinsame Sitzung der Bau-Ausschüsse von Potsdam und Potsdam-Mittelmark.

Auf Vorschlag von Landrat Wolfgang Blasig wird für eine bessere Abstimmung eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet. Besonderes Augenmerk soll dem öffentlichen Personennahverkehr und dem Radverkehr gelten. Desweiteren wird eine gemeinsame Mobilitätsagentur ins Leben gerufen, die Verkehrsfragen bespricht und regelt.

Alle Beteiligten waren sich laut Rathaus einig, dass die Havelspange keine Lösung ist, um die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Langfristig könne man nur auf Grundlage einer nachhaltigen, gemeinsamen Verkehrsentwicklungsplanung vorankommen.

Als wichtigste Botschaft aus dem Gespräch in Potsdam nahm Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) nach eigenen Worten die Nachricht mit, dass das Stadtentwicklungskonzept Verkehr und die umweltorientierte Verkehrssteuerung noch nicht abgeschlossen sind. „Das ermöglicht uns, unsere Bedürfnisse noch miteinzubringen.“ Gleichzeitig fällt der Bürgermeisterin ein Stein vom Herzen, dass sie um die Anerkennung ihrer Gemeinde als Erholungsort nicht bangen muss, wenn sich in Geltow die Blechlawine in Richtung Potsdam wälzt. „Das Umweltministerium hat uns am Tisch versichert, dass Störungen, die durch andere Maßnahmen verursacht werden, nicht zur Aberkennung des Prädikates führen“, sagte sie. Das Gespräch bei Jakobs sei äußerst wichtig gewesen, da es bereits „fünf nach zwölf“ gewesen wäre. Hoppe begrüßt ausdrücklich das Angebot der Stadt, die Konzeptionen in der Gemeindevertretung Schwielowsee vorzustellen und mit den Abgeordneten zu diskutieren. Im gestrigen Gespräch sei deutlich geworden, dass die Stadt gelernt habe, sich mit ihren Nachbarn abzustimmen. „Bei der Verkehrssteuerung kann man das Umland nicht ausschließen“, bekräftigte Schwielowsees Bürgermeisterin. (Von Nadine Fabian und Heinz Helwig)

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