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Potsdam Kritik an Abrissplänen für „Mercure“-Hotel
Lokales Potsdam Kritik an Abrissplänen für „Mercure“-Hotel
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09:39 05.02.2016
Die einen finden es schön, die anderen grausam. Darüber, was mit dem Potsdam Mercure-Hotel passieren soll, gibt es in Potsdam viel Streit. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Die Stadtverordneten diskutieren auf der Basis eines von der Pro Potsdam koordinierten Werkstattverfahrens über eine Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten, die zum Abriss des „Mercure“-Hotels führen sollen. Die Initiative Potsdamer Mitte neu denken lehnt diese Pläne ab.

Frauke Röth, Sprecherin der Initiative Potsdamer Mitte neu denken Quelle: Privat

Die Pro Potsdam bestreitet, dass es beim Werkstattverfahren zur Neugestaltung des Lustgartens Vorgaben zum Umgang mit dem Gebäude des Mercure-Hotels gegeben habe. Sie behaupten das Gegenteil. Bleiben Sie dabei?

Frauke Röth: Sicher. Es gab schon im Auslobungstext mehrfach den Hinweis auf das Hotelgebäude als störendes Element. Und Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) hat auch während eines Werkstattgesprächs darauf hingewiesen, dass die Sichtbeziehung zwischen Landtagsschloss und Neptunbecken sehr wichtig ist und das Mercure in der Sichtachse, in der Sichtbeziehung steht.

Saskia Hüneke, die Bauexpertin der Potsdamer Grünen, hat in der MAZ davor gewarnt, dass das Hotelgebäude von den Eigentümern ohne Änderung der Sanierungsziele bis zur Unkenntlichkeit verändert werden könnte. Sie sagte: „Wir wissen nicht, was sich hier langfristig entwickelt, ob es um Umbauten und sogar einen Neubau gehen kann.“ Sind diese Bedenken berechtigt?

Röth: Polemisch könnte man sagen, dass die Stadt das Gebäude einfach unter Denkmalschutz stellen müsste; dann gäbe es das Problem überhaupt nicht. Die Stadt hat es selbstverständlich in der Hand, wie mit dem Haus umgegangen wird, weil es für solche Vorgänge eine Baugenehmigung geben muss. Das ist ja auch genau der Druck, den man mit den geänderten Sanierungszielen aufbauen will: Dass man dem Besitzer dieses Recht entziehen würde, eine Baugenehmigung einzuholen, auf die er für Änderungen am Gebäude angewiesen wäre. Und wenn das Hotel für einen Neubau abgerissen würde, wäre sowieso klar, dass dafür ein Bauantrag gestellt werden müsste.

Wie sollte nach Ansicht Ihrer Initiative mit den Ergebnissen dieses Workshops umgegangen werden?

Röth: Ich bin der Meinung, dass dieses ganze Verfahren erst mal auf Eis gelegt werden muss und die Ergebnisse Beachtung finden sollten. Dass es eigentlich daraufhin eine größere, ernst gemeinte Beteiligung geben müsste. Oder eine Umfrage. Wenn man wirklich ernsthaft eine so gravierende Veränderung des Stadtbildes plant, sollte es auch eine breite Beteiligung der Bürger geben. Die Stadt gehört allen und zentrale Entscheidungen sollten auch von einer Mehrheit getragen werden.

Aber gab es diese Beteiligung nicht schon in Vorbereitung der Werkstatt?

Röth: Es gab eine Infobox mit Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung. Dort hat sich bei insgesamt 800 Stellungnahmen von Bürgern eine Mehrheit für den Erhalt des „Mercure“ ausgesprochen. Das fand aber im weiteren Verfahren keine Berücksichtigung.

Hier haben sie das „Mercure“-Hotel schon einmal vom Sockel gehoben: Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius (l.), Umweltdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) und Stadtplanungschef Andreas Goetzmann im August 2014 in der Infobox zur Lustgartenwerkstatt. Quelle: Stähle

In der kommenden Woche diskutiert das Potsdam-Forum über die Fortsetzung des Leitbautenkonzeptes zur Rekonstruktion der Innenstadt. Ihre Initiative ist gegen den Abriss der alte Fachhochschule (FH), mit dem zwei Karrees frei werden sollen. Ist das angesichts der geltenden Beschlusslage nicht etwas weltfremd?

Röth: Die Stadt hat sich weiter entwickelt. Es ist legitim, diesen Beschluss in Frage zu stellen. Frau Hüneke hat ähnliches gerade für das „Mercure“ vorgeschlagen zum Beschluss, nach dem keine öffentlichen Mittel in dessen Abriss fließen dürfen. Interessant ist ein Argument, das gerade beim „Mercure“ eine Rolle spielt: Da gebe es einen privaten Investor, man wolle aber die Kontrolle behalten und es dafür in die öffentliche Hand bekommen. Genau nebenan soll mit der FH ein riesiges Filetstück privatisiert werden. Und das, wo wir wissen, dass Potsdam als Wissenschaftsstadt viel mehr Flächen braucht. Es ist so naheliegend, dass man dieses Gebäude weiter verwendet und dessen Qualitäten in Betracht zieht, dass wir es verantwortungslos finden, wenn man am Abriss festhält.

Streit um Vorgaben zum „Mercure“-Hotel

Pro-Potsdam-Sprecherin Anna Winkler hat gegenüber MAZ bekräftigt, dass es bei der Lustgartenwerkstatt keine Vorgaben zum Umgang mit dem Gebäude des „Mercure“-Hotels gegeben habe. Auf der Internetseite der Initiative Potsdamer Mitte neu denken heißt es hingegen: „ Während des ersten Werkstattgespräches am 29. September 2014 wurde zudem die Wiederherstellung einer Sichtachse vom Landtagsgebäude zum Neptunbecken als wichtigste Aufgabe vorgegeben.“

Matthias Grünzig, Autor des Beitrages, bekräftigte auf MAZ-Nachfrage: „Während des ersten Werkstattgespräches am 29. September 2014 fand eine Ortsbegehung der Teilnehmer des Werkstattverfahrens mit Matthias Klipp statt. Bei dieser Begehung wurde deutlich gemacht, dass die Sichtbeziehung zwischen Schloss und Neptunbecken extrem wichtig wäre und dass sie unbedingt wiederhergestellt werden müsste. Ich habe an dieser Veranstaltung teilgenommen.“

Er verweist auch auf die von der Pro Potsdam publizierte Auslobung zur Werkstatt. Dort heißt es: „Der Hotelkomplex riegelt einerseits die Flächen des Lustgartens von der Havel ab, andererseits stört er die stadträumliche Beziehung zwischen Altem Markt/Landtag und Lustgarten. Die ehemalige Schlossachse nach Süden bis zur Havel ist durch das Hotel verstellt.“ Und: „Im Rahmen der Planungswerkstatt soll die Wiedergewinnung der historischen stadträumlichen Bezüge vorbereitet und die Flächen mit zeitgemäßen Nutzungen entwickelt werden.“

Welche Lebensdauer räumen Sie der alten FH ein?

Röth: Die Fassade wurde seit der Erbauung in den 1970er Jahren nicht mehr gepflegt. Doch die Konstruktionen der FH, des „Mercure“ und des Rechenzentrums sind komplett intakt. Das hält so lange, wie man das erhalten möchte und pflegt. Die nächsten 100 Jahre wäre das überhaupt kein Problem.

Was würde aus den Fördermitteln, die für den Abriss der Fachhochschule bereit stehen?

Röth: Sie können natürlich umgewidmet werden. Ursprünglich sind diese Fördermittel vom Bund ausgegeben worden für den Erhalt historischer Bausubstanz in der Innenstadt. Nun ist historisch eine Frage der Definition, aber die Fachhochschule ist durchaus ein historisches Gebäude. Diese Gelder könnten ohne Probleme eingesetzt werden für den Erhalt der Bausubstanz.

Von Volker Oelschläger

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