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Potsdam Wie Potsdam zum Freizeitbad Blu kam
Lokales Potsdam Wie Potsdam zum Freizeitbad Blu kam
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00:22 09.11.2018
Das Potsdamer Freizeitbad Blu steht in der Kritik. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

1996 beschließen Potsdams Stadtverordnete den Neubau eines Freizeitparks mit Spaßbad auf der Brache der ehemaligen Brotfabrik an der Neuendorfer Straße in Drewitz. Verwirklichen sollte das Projekt ein privater Investor, die Berliner Webergruppe. Nach dem symbolischen Spatenstich passiert jedoch nicht mehr viel. Im Sommer 2004 erklärt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) das Projekt für gescheitert.

Die Landeshauptstadt Potsdam beginnt mit eigenen Planungen und beauftragt die Stadtwerke mit dem Projekt. Die Idee: Die aus DDR-Zeiten stammende Schwimmhalle am Brauhausberg soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser muss bis 2007 fertig sein, will die Stadt die vom Land in Aussicht gestellte Förderung von 80 Prozent der Kosten erhalten.

Entwurf von Oscar Niemeyer für das Freizeitbad am Brauhausberg. Quelle: EWP

Im Januar 2005 verkünden Stadtverwaltung und der damalige Stadtwerkechef Peter Paffhausen, dass der brasilianische Stararchitekt Oscar Niemeyer ein Spaßbad für den Brauhausberg entwerfen wird. Sechs Monate später ist der futuristisch wirkende Entwurf fertig. Das Land lehnt jedoch die Förderung des 38,5 Millionen Euro teuren Vorhabens im November 2005 ab. Das Projekt liegt auf Eis. Im Herbst 2009 wird das Projekt endgültig verworfen.

2010 votieren die Stadtverordneten gegen die Stimmen der Linken für einen Badneubau im Bornstedter Feld. Das alte Bad am Brauhausberg soll 2012 abgerissen, das Areal verkauft und mit Stadtvillen bebaut werden, um den Badneubau finanzieren zu können. Gegen diese Pläne kämpfen sowohl die Linke als auch die neu gegründete Bürgerinitiative Pro Brauhausberg. Beide favorisieren die Sanierung der alten Brauhausberg-Schwimmhalle. In den folgenden Monaten wächst die Kritik am Projekt, weil sich bei der Ausschreibung kein Bieter an das Kostenlimit von 18 Millionen Euro hält. Das Projekt droht aus den Fugen zu geraten.

Im November 2011 schlägt Oberbürgermeister Jann Jakobs die Befragung aller Potsdamer Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren zur Standortfrage vor. Wollen die Potsdamer lieber ein Bad am Brauhausberg oder im Bornstedter Feld? An der Bürgerbefragung im Frühjahr 2012 beteiligen sich rund 70 000 Potsdamer. Zwei Drittel stimmen für einen bis zu 23 Millionen Euro teuren Neubau am Brauhausberg. Die Stadtverordnetenversammlung folgt diesem Votum.

Abriss der alten Schwimmhalle am Brauhausberg. Quelle: Christel Köster

Es folgt ein städtebaulicher Wettbewerb. Unter den 14 Beiträgen überzeugt der Entwurf der Potsdamer Planungsgemeinschaft Löffler/Engel die Fachjury. Im Oktober 2012 startet der Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Badneubaus. Im Sommer 2013 geht der Entwurf des Berliner Architekturbüros Gerkan Marg und Partner, das auch den Flughafen BER und den Berliner Hauptbahnhof entworfen hat, als Sieger hervor.

Am 5. Dezember 2014 findet der symbolische Spatenstich für den Neubau statt. Im Juni 2015 folgt die Grundsteinlegung. Am 6. Juni 2017 wird das Bad von Oberbürgermeister Jakobs (SPD) nach 30-monatiger Bauzeit eröffnet. Die Kosten für das „blu“ betragen knapp 40 Millionen Euro. Bis Dezember 2017 kommen fast 132 000 Gäste in das neue Freizeitbad. 2018 werden es nach einer aktuellen Hochrechnung der Stadtwerke fast 260 000 Badegäste sein. Die um 1970 errichtete Schwimmhalle am Brauhausberg wird im Mai 2017 geschlossen. Im Juni 2018 beginnt der Abriss.

Mit dem Blu und dem Kiezbad Am Stern hat die Landeshauptstadt aktuell zwei öffentliche Schwimmhallen. Eine weitere Schwimmhalle für den Leistungssport befindet sich im Olympiastützpunkt am Luftschiffhafen. Der Bau einer dritten öffentlichen Schwimmhalle für den Potsdamer Norden wird diskutiert.

 

Von Volker Oelschläger

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