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Potsdam Heiko Saxo: „Rocky ist nicht tot“
Lokales Potsdam Heiko Saxo: „Rocky ist nicht tot“
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18:10 07.10.2018
Heiko Saxo Works Quelle: HS
Potsdam / London

Heiko Saxo „The Cry“ (53) mag es dramatisch. „Emotional“ ist zwar sein Lieblingswort dafür. „Brachial“ wäre aber passender, wenn man seine Kampfeshymne für Graciano Rocchigiani richtig laut hört: Mit „Hyos“ trat der Berliner Boxer am 21. März 1998 in der Max-Schmeling-Halle gegen den US-Amerikaner Michael Nunn an und holte sich den Halbschwergewichts-Titel der World Boxing Federation (WBF).

„Die Hymne ist so gewaltig, dass Nunn die Knie weich geworden sein dürften“, begründet der Komponist und Produzent lächelnd den Erfolg von „Rocky“ (55), der am 1.Oktober dieses Jahres auf Sizilien als Fußgänger bei einem Autounfall starb. Den Kampf gegen Nunn sollen 35 Millionen Menschen bei RTL gesehen und damit auch die Einmarschmusik für „Rocky“ gehört haben. Weil sich die CD dazu aber nie größer vermarkten ließ als bei Box-Events, blieb sie den meisten bis heute völlig unbekannt.

Heiko Saxos Rocchigiani-Hymne „Hyos“ findet sich auf dieser CD. Quelle: HS

Nun ist Rocky tot und der Künstler mit einem Remake der „Victory“-CD beschäftigt, deren Titelzahl reduziert wird; vor allem Balladen fallen weg. In wenigen Tagen ist die erneuerte „Platte“ fertig, doch Geld verdienen will Saxo damit nicht. „Ich mochte Rocky“, sagte er in einem MAZ-Gespräch in Potsdam, wo er lange Jahre gelebt hat, ehe er nach London zog: „Wir haben uns einige Male getroffen und uns super verstanden. Auch wenn man viel Anderes liest über ihn; ich habe Rocky als sympathischen, feinfühligen und intelligenten Menschen erlebt. Es wäre schlimm, wenn nach seinem Tod noch ein Nachruf erscheint, und das war’s dann.“ Für ihn, so Saxo, sei „Rocky“ „nicht gestorben. Er ist nur einfach nicht mehr unter uns.“ Die CD mit der Hyos-Hymne solle die Fans an ihn erinnern.

Kennengelernt hatte Saxo den Sportler bei einem Box-Kampf, den beide als Zuschauer erlebten. Der Selfmade-Künstler aus Potsdam sprach den Boxer an und fragte ihn, ob er eine eigene Kampfmusik haben wollte, so wie andere Stars. „Rocky“ wollte. Man traf sich mehrfach, auch bei „Rocky“ zu Hause in Berlin, redete über die Hymne und wie der Boxer sie gern haben wollte. Als Saxo lieferte - „eine teure Produktion“ -, war der Kämpfer mit dem Ergebnis angeblich sofort zufrieden: Die beiden schlossen einen Vertrag zum Einsatz der Hymne und zur Vermarktung, doch nach dem Fight gegen Nunn und den folgenden Querelen um die nachträgliche Aberkennung des Titels geriet die Sache in Vergessenheit. Bis zu jenem tragischen Oktobertag des Jahres 2018, dem letzten in Rocchigianis Leben. „Ich war erschüttert“, gesteht Saxo in der MAZ-Redaktion, „schon wieder“ war einer „seiner Boxer“ tot. Im Januar 2010 hatte sich der finnischen Ex-Wrestler, Schwergewichtsboxer und Rechts-Politiker TonyIronmanHalme das Leben genommen; Saxo behauptet, er sei ermordet worden. Für Halme hatte er die „Ironman Hymn“ komponiert, die 1998 angeblich die erfolgreichste finnische Musik-Single war und die Verkaufszahlen für Gold und Platin erreichte; Gold gab es in Finnland schon für 20000 verkaufte oder aus dem Netz geladene Single-Tonträger; in Deutschland gibt es Gold für 150000.

Gleichfalls 1998 wurde er vom Management der Muhammad Ali-Stiftung eingeladen, um eine Goodwill-CD zu komponieren, mit der man Geld für den Kampf gegen die Parkinson-Krankheit einspielen wollte, unter der Ali schon schwer litt. Die CD wurde fertig, aber nie veröffentlicht. Saxo hat von Muhammad Ali ein dynamisches Acryl-Bild von stattlichen zwei mal zwei Metern Größe gefertigt, das ihn als Freiheitsstatue zeigt. Es steht für 20000 Euro noch immer zum Verkauf. Ali starb 2016.

Auch von Tony Halme gibt es ein Bild: „nur“ 1,50 auf 1,20 Meter groß und „bloß“ 8000 Euro teuer. Für den früheren Formel 1-Boss Bernie Ecclestone schrieb Saxo die„Grand Prix Symphony“; er malte Ecclestone zwei mal zwei Meter groß als „Dirigenten von Motoren“ und schenkte ihm eine fast spielkartengroße Schweizer-Uhr mit einem selbst gefertigten Auto-Miniaturgemälde auf dem Zifferblatt; nur 500 solcher Uhren soll es weltweit geben.

Heiko Saxo schuf eine Sinfonie und ein Gemälde für Bernie Ecclestone. Quelle: promo

Der britischen Queen Elizabeth widmete Saxo die Symphony „Golden Hearts never die“. So heißt auch ein Parfüm, von dem er vor ein paar Jahren 1000 gefüllten Fläschchen und zahlreiche CD’s seines Konzertes in ein lebensgroßes Acrylgemälde der Königin einbaute. Dieses Bild sollte eigentlich der Monarchin übergeben werden, doch dazu kam es nie. Jetzt schickt Saxo das Duftbild durch Europa: Es wird frei hängend durch einen Hubschrauber von Ausstellungsort zu Ausstellungsort geflogen, begleitet von Kamera-Teams. Gern zeigt Saxo das Bild dann ganz ganz hoch, an einem 33-Meter-Kran.

Von Rainer Schüler

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