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Potsdam Künstlerische Heimholung im „sans titre“
Lokales Potsdam Künstlerische Heimholung im „sans titre“
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13:17 20.05.2016
Mikos Meininger in seinem Atelier im Kunsthaus „Sans titre“. Quelle: Christel Köster
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Potsdam/Innenstadt

In aufwendiger Arbeit fertigten am Wochenende im Kunsthaus „sans titre“ fünf tibetische Mönche ein komplexes Bildnis aus buntem Sand, um es, kaum fertig gestellt, wieder in den Wind zu streuen. Dann zogen sie weiter. Im Herbst folgen den Tibetern die Chinesen. Huang Zheng aus dem Großraum Peking wird voraussichtlich im September für einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt im „sans titre“ Quartier beziehen. Mikos Meininger (52), ein Vorstand des „sans titre“, will dafür 2017 in Peking ausstellen.

Es herrscht Betrieb in dem kleinen Kunsthaus an der Französischen Straße, das sich mit Ateliers, Büros und Ausstellungsräumen auf zwei Etagen nun schon seit fast sieben Jahren auf dem weiten Baufeld hinter der Hauptpost behauptet. Die nächste Vernissage ist am 17. Juni. Gezeigt werden in teilweiser Übernahme einer Ausstellung des renommierten Cottbuser Kunstmuseums Dieselkraftwerk (DKW) Künstlerplakate aus dem Archiv der Cottbuser Druckerei Trümmel. Für die Ausstellung warb das DKW auf seiner Internetseite mit dem Plakat für eine Ausstellung „Kraft II“ aus dem Jahr 1993 mit Malerei und Plastik von Chris Hinze.

Hinze (47) ist der andere Vorstand des „sans titre“. Die Siebdrucke aus Cottbus sind Einstimmung auf eine zum zweiten Septemberwochenende geplante erste Brandenburger Grafikmesse „Wertpapiere“, die zumindest in diesem Jahr das wichtigste Ereignis für das „sans titre“ werden dürfte. Rund 40 Galerien und Einzelkünstler werden originalgrafische Werke und Editionen anbieten.

Blick von der Straße Am Kanal zum „sans titre“. Quelle: Christel Köster

Gegründet wurde das „sans titre“ in einem aus den 1960ern stammenden Gebäude der Energiewirtschaft im Spätsommer 2009. Die Eröffnungsausstellung „Der schmale Grat“ mit Schweizer Künstlern über Mauern und Mauerfälle verweist auf die prekäre Vorgeschichte des „sans titre“. Ursprünglich war sie im Künstler- und Gründerzentrum „Puschkin“ am Pfingstberg geplant, das jedoch kaum drei Jahre durchhielt. Hinze und Constanze Henning als dritte Mitgründerin des „sans titre“ nahmen die Ausstellung mit in ihr neues Domizil.

Dass Constanze Hennig das „sans titre“ 2013 verließ, hatte mit der anhaltend prekären Lage des Kunsthauses zu tun, dessen Mietvertrag bis heute nur jährlich verlängert wird. Im vergangenen Jahr zeigte das „sans titre“ in Kooperation mit Architekturstudenten der Fachhochschule Potsdam Entwürfe für die Einbettung des Kunsthauses in ein künftiges Wohnviertel. Wann auf dem der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 gehörenden Gelände etwas geschieht, ist allerdings unklar.

Aktuell bestimmt künstlerische Arbeit den Alltag. Die Kunstsammlung Jena zeigt gerade Gemälde, Grafiken und Skulpturen von Meininger. Im Text zur Ausstellung heißt es nach Erwähnung einer kürzlich beendeten Retrospektive Meiningers in Shanghai: „Es ist an der Zeit, das Werk des Künstlers in einem Akt künstlerischer Heimholung nun auch am Ort seiner Kindheit und Jugend in einer Retrospektive vorzustellen.“ Chris Hinze arbeitet derzeit an einem großen Wandbild für die Elsterwerkstätten in Herzberg. Im November wird er gemeinsam mit Jörg Mandernach in der Kunstraum-Galerie des Waschhauses ausstellen.

Stadt überarbeitet Bebauungsplan

Das Kunsthaus „sans titre“ zählt mit seinen 800 Quadratmetern Nutzfläche auf zwei Etagen zu den kleineren Kunsthäusern in Potsdam. Zum Vergleich: Im alten Rechenzentrum werden bei Komplettbezug insgesamt 5300 Quadratmeter für Künstler und Kreative verfügbar sein.

2015 zeigte das „sans titre“ eine Ausstellung mit Entwürfen für die Gestaltung des Viertels, auf dem mittelfristig weitere Wohnhäuser gebaut werden sollen. Untersucht wurden Möglichkeiten zur Einbettung des Kunsthauses.

Eigentümerin des Grundstücks ist die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft (PWG) 1956. Vorstand Wolfram Gay äußert sich zur Zukunft des „sans titre“ ausweichend: „Inwieweit wir versuchen werden, es zu integrieren oder durch einen Neubau zu ersetzen, wird sich zeigen.“

Laut Rathaus sind Konzepte der PWG, einen Fortbestand des Kunsthauses mit möglichem ergänzenden Wohnungsbau sowie innerstädtischen Dienstleistungsnutzungen zu verbinden, ein Ausgangspunkt für die anstehende Änderung des Bebauungsplans.

Die Aktualisierung des B-Plans 78 soll laut Stadtverordnetenbeschluss vom April mit höchster Priorität abgearbeitet werden. Laut Rathaus kann für das Verfahren „ein Zeitraum von etwa drei Jahren ab dem Aufstellungsbeschluss angenommen werden“.

Unklar sind die P
läne des anderen großen Grundstückseigentümers auf dem Gelände. Ute K. Kiehn, Berggruen-Holding: „Zurzeit können wir noch keine konkreten Pläne oder Vorhaben zum Areal mitteilen. Ich schätze, dass dies voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte möglich sein wird.“

Von Volker Oelschläger

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