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Potsdam Künstlertrio gestaltet vielfältige Ausstellung „Dreisam“
Lokales Potsdam Künstlertrio gestaltet vielfältige Ausstellung „Dreisam“
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04:52 21.01.2019
Fotograf Julian Komorowksi erstellt Collagen aus seinen Motiven. Quelle: Foto: privat
Innenstadt

Selten wurde in einer Ausstellung sichtbar, warum das Kunstwerk die Heimat eines Vereins ist, der den Namen Offener Kunstverein trägt. Am Freitagabend eröffneten Tendu Ünaldi am Klavier und die Cellistin Tabea Germo mit einer Serenade von Franz Schubert die Ausstellung „Dreisam“ im brechend vollen Kunstwerk vor einem Publikum, in dem vom Säugling bis zum Senioren jede Altersgruppe und zudem diverse Nationalitäten vertreten waren.

Fotografie, Film, Installation – und mehr

Die englisch-deutsch gemixte Laudatio für die 1987 im südkoreanischen Buyeo geborene Banpark Jieun, ihrer 1979 in Konstanz geborenen Künstlerkollegin Ju und dem 1975 in Potsdam geborenen Julian Komorowski hielt Jana Chiari, die Kuratorin des Künstlertrios. Auf der „Dreisam“-Einladungskarte waren die drei Ausstellungsteile dieser Künstler mit „Fotografie, Film, Installation“ bezeichnet, aber ein Rundgang zeigte, dass diese Reduzierung der Komplexität der Ausstellung nicht gerecht wurde.

Banparks 38-minütiger Farbfilm „Daekyojip“ stellte sich als raffiniert geschnittene Filmmontage heraus, bei der ständig wechselnd ein, zwei oder sogar drei Filmsequenzen zeitgleich nebeneinander laufen. Zu sehen waren Szenen aus dem Arbeitsalltag ihres Großvaters, der seit 40 Jahren das traditionelle koreanische Gewand „Hanbok“ schneidert.

Banparks Montagetechnik kontrastiert die liebevoll chaotisch wirkende Enge der winzigen Schneiderei mit Straßenszenen, Porträtaufnahmen und Interviews ihres Großvaters, aber häufig auch mit wie eingefroren scheinenden Betonfluchten von seelenloser Sterilität. Ihr Gespür für das Wechselspiel von Wehmut, Schmerz und Liebe belegt auch ein Katalog rätselhafter, linearer Zeichnungen.

Rätselhafte und provozierende Installationen

Rätsel geben auch die hintersinnigen Installationen der Künstlerin Ju auf. Eine riesige Gestalt in weißen Pelzklamotten wird von einer rabenschwarzen Maske gekrönt und steht mit signalgelben Stiefeln in einem schwarzen Bottich. Aus dem Gummischuhwerk strullt in Schafthöhe ein Wasserstrahl und überflutet zwar nicht den Raum, aber sehr wohl die Betrachter mit Bildassoziationen.

Einige von Jus Kreationen, wie die Gipsohrenansammlung an der Wand, sind interaktiv, andere einfach skurril, wie die in Marmeladengläsern ruhenden kleinen Frauentorsi, deren Scham ein weit geöffneter Mund ziert. Ihnen allen gemeinsam aber ist, dass sie mehr verbergen als enthüllen.

Fotografien von Tapeten mit Menschengestalt

Auch Komorowkis Fotografien bergen diverse Geheimnisse. Er fotografiert ausschließlich völlig unbearbeitete Motive in ihrer scheinbaren Banalität und verleiht ihnen so Bedeutung, Geschichte und Würde. Auf einer seiner Fotografien blickt man in das restlos verkommene Zimmer einer Ruine. Auf einer mit Schimmelflecken übersäten Wand befindet sich ein abblätterndes Putzgeviert, vor dem ein mit alten Tapetenbahnen drapierter Stuhl steht.

Die Tapetenfalten aber imaginieren eine menschliche Gestalt, wodurch die Szenerie wie ein prächtiges Porträtgemälde von Diego Velázquez wirkt, dessen Model bei Komorowski an einen kopflosen Papst erinnert. Ausgesprochen innovativ sind auch Komorowskis kunstvoll aus Fotosplittern gebaute Collagen. Die Ausstellung „Dreisam“ ist auf eine ähnlich kreative Art und Weise zusammengefügt.

„Dreisam“, bis 19. Februar im Hof der Hermann-Elflein-Straße 10, Mittwoch bis Sonntag, 15 bis 19 Uhr.

Von Lothar Krone

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