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Potsdam Kult-Liedermacher bekennt Farbe gegen Rechts
Lokales Potsdam Kult-Liedermacher bekennt Farbe gegen Rechts
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09:44 08.04.2016
Konstantin Wecker singt bei der Demonstration „Potsdam bekennt Farbe“ vorm Marstall. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Der bayerische Kult-Liedermacher Konstantin Wecker ist nicht nur ein Mann, der seit Jahrzehnten mit seinen oft sehr emotionalen, persönlichen Texten die Konzerthallen füllt. Dass er auch am Redner-Mikrofon die Leute mitzureißen vermag, konnte man auf der mittlerweile zehnten Anti-Pogida-Demo des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“ am Donnerstagabend erleben.

„Angst, dass Europa abdriftet in eine Seehoferisierung“

Dort trat der 68-Jährige als prominenter Unterstützer auf die kleine Bühne vor dem Filmmuseum. Sein eindringlichster Satz: „Wir müssen weiter mit dem Herzen denken!“ Und: „Wir dürfen uns die Willkommenskultur nicht ausreden lassen!“ Die etwa 500 Demonstranten – unter ihnen Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) und Finanzminister Christian Görke (Linke) – applaudierten spontan. Genauso wie bei Weckers Aufruf, „die antifaschistischen Kräfte in diesen Zeiten zu bündeln“. Denn: „Ich habe wirklich Angst, dass Europa abdriftet in eine ,Orbanisierung’ oder in eine ,Seehoferisierung’“, rief er unter Anspielung auf die rigiden Flüchtlingspolitik- Strategien des ungarischen Premiers Viktor Orbán und des bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Einladung vom Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Eigentlich war Wecker nach Potsdam gekommen, um ein Konzert im lange ausverkauften Nikolaisaal zu geben. Auf Einladung von „Potsdam bekennt Farbe“ sagte er dann spontan seine Unterstützung zu. Das Highlight: Wie Wecker – stilecht mit rotem „Potsdam bekennt Farbe“-Schal – die kleine Rednerbühne ganz lässig zur Konzertbühne umfunktionierte: „Ob du sechs bist oder hundert / sei nicht nur erschreckt, verwundert / tobe, zürne, bring dich ein / Sage nein!“, sang Wecker, der während immer auch politisch engagiert war. In den 1980er Jahren nahm er beispielsweise an der Konzertreihe „Künstler für den Frieden“ teil. Nach dem Mini-Konzert verabschiedete sich Wecker herzlich mit bayerischem Zungenschlag: „Auf Wiederschaun und viel Mut.“

Konzert-Rezension: Zorn und Zärtlichkeit

Mit scharf gewürzten politischen Protestliedern gegen die soziale Ungleichheit in der Welt begann Konstantin Wecker sein Konzert gestern im ausverkauften Potsdamer Nikolaisaal. „Es hat sich nichts an meiner grundsätzlich anarchistischen Einstellung geändert“, erklärte der Altachtundsechziger, der inzwischen wirklich 68 Jahre alt ist. Er sei ein unverbesserlicher Frühromantiker und träume von einer liebevollen und herrschaftsfreien Gesellschaft.

Gemeinsam mit vier vielseitigen Musikern stellte er sein aktuelles Album „Ohne Warum“ vor, spielte aber auch viele alte bekannte Lieder wie „Denn da ist immer wer, der bestimmt und regiert“. Zorn, Zärtlichkeit und Jugendlichkeit bleiben die Markenzeichen dieses unverwechselbaren Musikers. Er griff auch mal zur Mundharmonika und wenn er selbst am Flügel Platz nahm, entführte er das Publikum oft auch in meditative Gefilde. Er erzählte von seinen beiden „Buben“, die jetzt 16 und 19 Jahre alt seien. Für den Wunsch, „tragt nie eine Uniform“, gab es spontanen Applaus.

Macht es sich dieser Wecker zu einfach? Nein, denn gefühlvoller lässt sich eine träumende Geliebte nicht besingen. kasa

Mut brauchten die Demonstranten aber nicht mehr viel aufzubringen. Die Pogida-Anhängerschaft ist auf eine sehr überschaubare Größe geschrumpft: Nur maximal 60 Menschen zogen mit Deutschlandfahnen über die Lange Brücke, flankiert von Polizei. Als sie am Filmmuseum ankamen, wurden sie von einem ohrenbetäubenden Trillerpfeifenkonzert und von „Haut ab!“-Rufen empfangen. Gegen 20 Uhr war alles vorbei; der Verkehr rollte wieder über die zeitweilig gesperrte Lange Brücke.

Von Ildiko Röd

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