Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Kultur zu Gast bei Freunden

Potsdam Kultur zu Gast bei Freunden

Ob Lesung, Konzert oder Zauberei: Mit der Potsdamer Wohnzimmerkultur gibt es Unterhaltung fernab von Theater- und Konzertsaal. Am vergangenen Wochenende gab es Singer/Songwriter-Musik aus Berlin und Schottland. Künstler, Gäste und Gastgeber schätzen die Intimität der Veranstaltungen. Immer mit dabei: ein Teppich und eine alte Stehlampe.

Voriger Artikel
Fesselnder Psychothriller und kluge Erzählung
Nächster Artikel
Wertvolle Dokumente fürs Potsdam-Museum

Potsdamer Wohnzimmerkultur: Dieses Mal mit der Berliner Band Lensing und ihrem Sänger Felix Burkhardt (Ukulele).

Quelle: Fotos: Laines Rumpff

Nauener Vorstadt. Ein Potsdamer Wohnzimmer, irgendwo in der Nauener Vorstadt. Es ist ein großes Wohnzimmer. Und trotzdem: so viele Menschen wie heute sind selten hier. Knapp 50 zumeist junge Potsdamer fläzen sich in Sesseln und Sofas, trinken Glühwein, unterhalten sich. Draußen wird es langsam dunkel und drinnen gleich richtig musikalisch.

Die Leute sind gekommen, um die Potsdamer Wohnzimmerkultur (Powoku) zu erleben. Schon das 16. Mal findet sie statt. Nicht immer gab es, wie an diesem Nachmittag, Musik. „Wir machen auch Lesungen und hatten schon einen Zauberer“, sagt Tobias Beyer. Der 29-jährige Potsdamer ist einer der beiden Organisatoren der Reihe. „Ich habe selbst bei einer Veranstaltung in einem Magdeburger Wohnzimmer gelesen und da gefiel mir das Konzept total gut. Das muss nach Potsdam, dachte ich mir.“ Als Mitstreiter habe er seinen Freund Christian Leonhardt begeistern können. Seit Frühjahr 2016 organisieren der Lehrer Beyer und der Kulturarbeiter Leonhardt die Veranstaltungsreihe in den privaten Wohnzimmern der Potsdamer. Und das mit Erfolg. Immer sind die Konzerte, Lesungen und Vorträge gut besucht. Immer wieder kommen Besucher auf sie zu und wollen auch ihre vier Wände zur Verfügung stellen. „Wir schauen uns die Wohnung dann an und überlegen, was möglich ist, wie viele Menschen kommen können.“

Die Adresse gibt es erst per Mail

Am vergangenen Wochenende haben sie gemeinsam mit dem Gastgeber, Henry Täubert, eine Begrenzung auf 50 Personen festgesetzt. Und wer kommen möchte, muss schnell sein. In den sozialen Netzwerken und im Newsletter wird der Termin bekanntgegeben. Dann heißt es Mail schreiben und hoffen. Bekommt man eine Antwort, steht drin, wo die nächste Powoku stattfindet. „Wer zuerst kommt, malt zuerst“, sagt Leonhardt. „Wenn die Höchstzahl erreicht ist, müssen wir dem Rest absagen. Das ist bei Freunden natürlich ganz besonders schmerzhaft.“ Für ihn und Beyer sei die Intimität das Schönste an der Idee. Publikum und Künstler kommen sich sehr nahe, treten in Interaktion.“ Immer mit dabei: eine kleine Stehlampe und ein Teppich, der als Bühne dient. „Wenn die Künstler nur auf diesem Teppich stehen, bleiben sie immer noch auf einer Ebene mit dem Publikum. Das ist uns wichtig“, so Beyer.

Am Sonntag spielten eine Band aus Berlin sowie drei Solokünstler aus Schottland Selbstgeschriebenes. Zum ersten Mal traten Künstler aus dem Ausland bei der Powoku auf. Beyer und Leonhardt wurden auf sie aufmerksam, weil sich das Musiklable von Camy Black, einer der drei Schotten, bei ihnen gemeldet hatte. Er ist derzeit zwei Wochen auf Deutschlandtour und wird hin und wieder von Andy McBride und Mick Hargan unterstützt. So auch im Wohnzimmer von Henry Täubert. Sie traten nacheinander auf. Vor ihnen spielte die fünfköpfige Berliner Gruppe Lensing. Allesamt ohne elektronische Verstärkung. Es war ruhige Musik, mit Akustikgitarre und tollen Stimmen.

Mit der Powoku lässt sich die Stadt anders kennenlernen

„Ich kenne das Format schon“, sagt Renée Fürst. Sie ist aus Wien und besucht einen Freund in Berlin. Sie ist nur für die Powoku nach Potsdam gekommen. „Aber ich habe es noch nicht live erlebt. Als Touristin ist es perfekt, weil man die Stadt ganz anders, total authentisch kennenlernt.“ Sie wolle auch in Zukunft auf ihren Reisen danach Ausschau halten.

Auch Andy McBride, einer der schottischen Musiker, kannte das Konzept schon. In Schottland gebe es das auch, allerdings ist es dort nicht so bekannt. „Ich finde das Konzept schön, weil es so intim ist“, sagt der rotbärtige Mann aus Glasgow. „Ich glaube, dass es bei uns zu Hause wird sicher bald mehr wird, weil immer mehr konventionelle Veranstaltungsorte schließen.“

Von Annika Jensen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
dfdbc0d4-af48-11e7-b225-97bf4e5da6db
Potsdam – damals und heute

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

Die Karikaturen von Jörg Hafemeister aus 2018

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen aus dem Jahr 2018.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg