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Potsdam Kulturhallen oder Tiefgarage? Ein Investor soll am Platz der Einheit in die Tiefe gehen dürfen
Lokales Potsdam Kulturhallen oder Tiefgarage? Ein Investor soll am Platz der Einheit in die Tiefe gehen dürfen
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09:56 14.06.2013
Trocken und verwahrlost präsentiert sich der Stadtkanal an der Yorckstraße. Quelle: RAINER SCHÜLER
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Potsdam

Fragend und zweifelnd lehnen Passanten am Kanalgeländer, dessen Pfosten von Privatleuten und Unternehmen gesponsert wurden in der Hoffnung, dass dereinst wieder Wasser fließen möge mitten durch die Stadt.

Doch Wasser gibt es vorerst nur im Anfangsstück des Kanals, wo er an der Großen Fischerstraße in die Havel mündet. Soll es das gewesen sein? „Nein!“, versichert Siegfried Benn trotzig. Der Unternehmer und Stadtkanalsvereins-Chef verzweifelt zwar zuweilen an der Trägheit der Verwaltung und grollt, dass die öffentliche Hand in Stadt und Land kein Geld mehr übrig hat für den Weiterbau des Vorzeigeobjektes aus dem Bundesgartenschaujahr 2001, aber er hat eine Vision, die alles retten und dabei sogar für Aufsehen sorgen könnte: Ein Großinvestor soll unter dem Kanalbett bauen dürfen und unterirdisch auch daneben. Kunsthallen wären Benns liebste Nutzung. Dass der Mäzen und Software-Milliardär Hasso Plattner seine Kunstsammlung im künftigen Palais Barberini am Alten Markt und also nur einen Steinwurf entfernt präsentieren wird, schreckt ihn nicht ab. Benn setzt auch in kulturellen Dingen auf das Automeilen-Prinzip: Wo sich ein Autohaus niederlässt, folgt schon bald ein zweites, ein drittes . . .

Eine international sehr bekannte Kulturstiftung hat Siegfried Benn im Blick für sein Projekt, nur hat diese Stiftung Benn noch nicht im Blick. Aber auch simple Tiefgaragen wären denkbar. Im Gegenzug soll der Investor den gesamten Kanal fertigstellen, der sich von der Großen Fischerstraße bis zu den Planitzinseln zieht, wenn er fertig ist. Der Investor soll dann auch für den Betrieb der Anlagen und ihren Erhalt sorgen, wahrscheinlich sogar Veranstaltungen organisieren dürfen. „Baulich und technisch ist das alles machbar“, versichert Siegfried Benn trotz des hohen Grundwasserstandes. „In Madrid“, erzählt Benn, „haben sie in der Stadt einen alten Fluss wieder ausgegraben und geflutet. Da strömen die Menschen hin. So was sollte doch auch in Potsdam möglich sein.“

Die Entwürfe für die Unterbauung des Stadtkanals seien „wirklich beeindruckend“, schwärmt er; sie erinnern ihn an den verstorbenen brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer, dessen Pläne für ein Kuppel-Spaßbad am Brauhausberg wieder in der Schublade verschwunden und durch weniger hochfliegende Konzepte ersetzt worden ist. Auch Siegfried Benn hat eine geheime Schublade, nur dass er seine Entwürfe für das zweite Leben des Stadtkanals nicht dort begraben sehen will. Er glaubt, dass sie einen kunstbeflissenen Großunternehmer durchaus nach Potsdam holen können.

Zu den angebahnten Kontakten einer namhaft besetzten Arbeitsgruppe im Verein schweigt Siegfried Benn eisern. Trotzdem wird er wohl einige Geheimnisse lüften müssen, wenn sein Verein Verhandlungen mit der Potsdamer Stadtverwaltung aufnimmt mit dem Ziel, einem Investor ein langfristiges Erbbaurecht für das Areal zwischen Platz der Einheit und Berliner Straße einzuräumen. Ohne in den faktischen Besitz des Grundstücks zu kommen, wird seiner Ansicht nach niemand so viel Geld in die Hand nehmen; von einem dreistelligen Millionenbetrag wird ausgegangen. „Wenn das klappt“, sagt Benn, „spricht die Welt von uns.“ (Von Rainer Schüler)

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