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Kunst-Gottesdienst im Rechenzentrum

Kultur in Potsdam Kunst-Gottesdienst im Rechenzentrum

Das Kunsthaus im Potsdamer Rechenzentrum feiert am Freitag und am Sonnabend sein zweijähriges Bestehen. Das Jubiläum wird von Ungewissheit überschattet. Denn noch immer ist unklar, ob der Vertrag für das Haus verlängert wird. Aktuell endet die Frist im August 2018.

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Gruppenbild mit einigen der mittlerweile rund 250 Nutzer des Kunsthauses im alten Rechenzentrum.

Quelle: Michael Lüder

Potsdam. Der Berliner Landschaftsarchitekt Klaus Overmeyer war Anfang der 2000er Jahre Mitinitiator eines auf mehrere Jahre angelegten internationalen Forschungsprojekts, das die Potenziale zeitweiliger Nutzungen in europäischen Metropolen untersuchte. Am Freitagabend ist er Gast in einer Podiumsrunde zum zweijährigen Bestehen des Kunsthauses im alten Rechenzentrum, das ebenso als Projekt auf Zeit angelegt ist.

Aktuell enden die Verträge der rund 250 Nutzer in dem komplett ausgebuchten DDR-Gebäude im August 2018. Über eine Verlängerung um zunächst weitere fünf Jahre wird zwar seit geraumer Zeit diskutiert. Eine Entscheidung dazu ist jedoch erst im November zu erwarten. Dann ist der nächste Sitzungstermin des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche, die einer Vertragsverlängerung als Grundstückseigentümerin zustimmen müsste.

Im Oktober sollen die Vorbereitungen für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms unmittelbar neben dem Rechenzentrum beginnen. Die Stadt hat einen Zuschuss von fast 500 000 Euro in Aussicht gestellt, mit dem Mehrkosten beglichen werden, die sich aus dieser direkten Nachbarschaft ergeben. Nach den ursprünglichen Planungen sollte das Rechenzentrum längst abgerissen und das Baufeld komplett frei sein, wenn mit dem Kirchenneubau begonnen wird.

Zusätzliche Kosten fallen nachbarschaftsbedingt unter anderem für den Brandschutz und Veränderung der Pläne von der Baustatik bis zur Gestaltung der Freianlagen an. Doch auch im Rechenzentrum selbst müsste bei einer Verlängerung um fünf Jahre investiert werden. Heizung, Wasser, Strom sind Stichworte, die Projektleiterin Anja Engels als erstes nennt. Denn die technische Infrastruktur des Bürohauses wurde bereits über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahren. Zum Sinnbild wurden die Aufzüge, die 2016 über mehrere Monate komplett ausfielen – zum Ärger von Nutzern und Besuchern.

Die nötigen Investitionen in das Gebäude, die über die Miete auf die Nutzer umgelegt werden sollen, sind ein Argument der Befürworter für eine Verlängerung des Vertrages weit über die aktuell diskutierten fünf Jahre hinaus: Mit einer 20-jährigen Verlängerung lasse sich der seit Jahren wachsende Investitionsstau Rechenzentrum „solide finanzieren“, erklärte der zum Erhalt des Gebäudes gegründete Verein FÜR (Freundliche Übernahme Rechenzentrum).

Garnisonkirchturm und Rechenzentrum werden direkt nebeneinander stehen

Garnisonkirchturm und Rechenzentrum werden direkt nebeneinander stehen.

Quelle: Gartenschläger | Montage: Scheerbarth

Fallen müsste das Rechenzentrum vertragsgemäß für den Neubau des Garnisonkirchenschiffs. Doch wann und ob dieser Teil der Kirche überhaupt wieder aufgebaut wird, ist mangels Finanzen derzeit völlig offen. Unterschiedliche Deutungen zu den Perspektiven des Rechenzentrums gibt es selbst in der Rathausspitze. Harald Kümmel, Bürochef des Oberbürgermeisters, verweist kategorisch darauf, dass mit der diskutierten Verlängerung um fünf Jahre die von der Bauaufsicht gesetzte Frist für eine Ausnahmegenehmigung ausgereizt sei. Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) hingegen rechnet in diesen fünf Jahren durchaus mit einem „Erkenntnisgewinn“ zur Frage, was darüber hinaus „nötig und möglich“ sei.

Im Rechenzentrum selbst regt sich mittlerweile auch Kritik daran, dass Künstler zum „Spielball der Politik“ würden, so Lars Kaiser, Mitinhaber der Kunsttick-Agentur: „Momentan habe ich nicht das Gefühl, dass wir uns um unsere Sachen kümmern können.“ Er ist einer der Initiatoren eines „Kunst-Gottesdienstes“, zu dem am Sonntag um 10 Uhr erstmals in den Hof des Rechenzentrums eingeladen wird. Anliegen der von einer „Päpstin“ geleiteten quasi-religiösen Veranstaltung sei die Ermutigung und Stärkung der Kreativen. Mehr dazu gibt es um Internet auf www.artchurch.me

Geburtstagsfest im Rechenzentrum

Eröffnet wird die zweitägige Feier am Freitag um 18 Uhr im Innenhof des Rechenzentrums mit einer Podiumsdiskussion zu Möglichkeiten und Wirkungen eines Kunst- und Kreativhauses mitten in der Stadt. Diskutieren werden der Berliner Landschaftsarchitekt Klaus Overmeyer, Harald Kümmel, Bürochef des Oberbürgermeisters, Sophia Pietryga, Sprecherin der Kreativen, und Stefan Zabarowski von der Betreibergesellschaft SPI.

Im Anschluss öffnen von 19 bis 22 Uhr Dutzende von Nutzern in allen Etagen ihre Ateliers und Werkstätten. Im Hof folgt um 21 Uhr ein Konzert der Potsdamer Band Ceeys mit Klavier, Cello und Elektronik.

„Made in Rechenzentrum“ ist das Stück „Der Bürokrator“ des inklusiven Theaterlabors Hatschisi, das am Sonnabend um 16 Uhr im Raum 243 Premiere hat (Wiederholung um 18 Uhr). Um 19 und 20 Uhr gibt es eine szenische Lesung mit Musik von „Fritz Ahoi!“ Um 19 Uhr wird im Raum 104/13 der im Rechenzentrum entstandene Tanzfilm „Plahn“ vorgestellt. Die Ateliers sind von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

Am Eingang Dortustraße präsentieren Stefan Littmann und Jan Barahona Munoz am Sonnabend ab 20.30 Uhr Sounds und Animationen. Im Hof musizieren ab 21 Uhr die Bands Alright Gandhi und Queen Sacrifice. Ab 23 Uhr legen die DJs Sofaqueen und Phil Flash auf.

Info Mehr auf www.rz-potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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