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Potsdam Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993
Lokales Potsdam Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993
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18:33 07.06.2018
Die Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Johannes Rau iim Juni 1993 bei der Eröffnung der „Fontanelle“ im Kunstspeicher. Quelle: Joachim Liebe
Potsdam

Unmittelbar vor der Eröffnung der Ausstellung „Fontanelle – Kunst in Zwischenfällen“ im Juni 1993 durchsuchten Sprengstoffexperten den neuen Kunstspeicher an der Zeppelinstraße. Alarmiert hatte man sie wegen im Gebälk deponierter Rohrbombenattrappen des Künstlers Gregory Green. Erst danach durften die Gäste, allen voran Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe und sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Johannes Rau, in die Halle.

Klimawandel, Terror, Religion

Die Kunstaktion zur 1000-Jahrfeier ging Themen an, die noch immer gegenwärtig sind. Klimawandel, Terror, Religion. Draußen hing ein Galgenstrick. In der Ausstellung schockierten schnell rotierende Sägeblätter und von Schnellfeuergewehren zerschossene Scheiben aus Sicherheitsglas. „Das alles war nicht harmlos“, sagt der damalige Kurator Christoph Tannert (63).

Christoph Tannert. Quelle: Volker Oelschläger

In der Stadt sorgten Plakatwände für Erregung. Das Motiv eines blutdurchtränkten Damenslips provozierte wütende Leserbriefe. Zwei Plakate wurden vom Staatsanwalt konfisziert: Eine Anleitung zum Bau einer Buch-Bombe unten am damaligen Stadtbahnhof und ein Orientteppich mit einem Schriftband in Urdu neben der Moschee an der Havelbucht, der von Unbekannten mit Hakenkreuzen beschmiert wurde.

„Das alles habe ich überlebt“, sagt Tannert, „aber es hat die Diskussion um Projekte und Kunst im öffentlichen Raum belebt. Wir hatten eine wirklich interessante Basis für die Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst.“

Der gebürtige Leipziger, seit 1991 Projektleiter und seit 2000 Geschäftsführer des Künstlerhauses Bethanien in Kreuzberg, ist mit Potsdam bestens vertraut. Monate vor dem Mauerfall kuratierte er das für DDR-Verhältnisse bis dahin undenkbare Alternativkunstfestival „Art Betweens“ im Babelsberger Lindenpark.

1992 gründete er zusammen mit Friedrich Meschede und Jeanette Niebelschütz den Brandenburgischen Kunstverein, der heute den Pavillon auf der Freundschaftsinsel bespielt.

Erste große Retrospektive für Martin Kippenberger

1994 präsentierte der Kunstverein mit der ersten großen Retrospektive zu Martin Kippenberger (1953-1997) eine weitere herausragende Ausstellung im Kunstspeicher, dann wechselte er den Ort. Die Stadt sollte wenig später feststellen, dass der historische Persiusspeicher gar nicht als Kunsthalle geeignet ist. 3,25 Millionen Euro hatte man mit Finanzhilfe aus Nordrhein-Westfalen bis dahin in das Baudenkmal investiert.

Es sei „schade, dass aus dem Kunstspeicher nichts geworden ist“, sagt Tannert, „dass Potsdam diese Kunsthalle für Gegenwartskunst nicht hat“. In diese Lücke sei das Museum Barberini gestoßen „mit außergewöhnlich publikumswirksamen Ereignissen, aber mit einer Kunst, die eben von gestern ist“.

Ihr schönstes Potsdam-Foto

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Von Volker Oelschläger

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