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Potsdam Eine Kirche voll mit Kunst
Lokales Potsdam Eine Kirche voll mit Kunst
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00:33 30.04.2015
Max Klinger (Leipzig): „Amor,Tod und Jenseits“, Radierung, Mindestgebot waren 480 Euro. Quelle: Reproduktionen und Fotos: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Dezent lässt der Leipziger Kunstauktionator Michael Ulbricht seinen hölzernen Hammer aufs grüne Tischtuch sausen. „Ich bin auf der Suche nach dem Dümmsten“ ist der Titel eines kleinen Siebdrucks mit dem Zitat Joseph Beuys aus der Edition Staeck 1973. Ohne Limit werden gleich mehrere Beuys’sche Sinnsprüche angeboten, die einst zur Frage provozierten, was hat das mit Kunst zu tun? In der Potsdamer Oberlinkirche jedenfalls eine ganze Menge. Dort kamen am Sonntagnachmittag bei einer Benefiz-Kunstauktion rund 1300 Euro zugunsten eines ganz besonderen Projekts zusammen: Sie stehen jetzt dem Oberlinhaus für die Einrichtung eines Sinnesgarten zur Verfügung, der die spezielle Wahrnehmungswelt taubblinder und hörsehbehinderter Menschen berücksichtigt und unterstützt. Hinzu kam nach der Auktion noch eine Spende für ein Bild des Potsdamer Künstlers Alfred Schmidt. Der Lions-Club hatte „Freundschaftstempel im Park Sanssouci“ für die Auktion zur Verfügung gestellt. Eine Potsdamer Notarin erwarb das Pastellbild aus dem Jahr 2006 für 1800 Euro. Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Oberlin-Stiftung, sagte die Kleinmachnowerin Hilke Masche für den Lions-Club der MAZ.

Bei typischem Aprilwetter waren mehr als 70 Kunstinteressierte und potenzielle Käufer zusammen gekommen. Insgesamt landeten 92 Gemälde, Zeichnungen und Drucke unter Ulbrichts Hammer. Bei jedem verkauften Objekt kamen dann noch einmal 15 Prozent des Preises als Spende für den Sinnesgarten hinzu.

Wichtige Erlebniswelten

Seit 140 Jahren kümmert man sich im Oberlinhaus in Babelsberg um Menschen, die taub und blind, hör- und sehbehindert zugleich sind. Ein neues Projekt soll nun ihr Leben verändern: Ein „Garten der Sinne“, eine eigens gestaltete Landschaft im Hof der Wohnstätte für taubblinde Kinder, der zugleich der Pausenhof der Taubblindenschule ist.

Die Kosten übernimmt keine Krankenkasse, keine öffentliche Stelle. Darum bittet die Oberlinstiftung, unterstützt von der Märkischen Allgemeinen Zeitung, um Ihre Spenden, liebe Leser: Konkret soll entlang der Straße Alt Nowawes – mitten im Kiez also – ein Parcours mit Stauden und Kräutern, Obstbäumen, Strandkorb, Rollstuhlschaukel, Krabbeltunnel und Wasserstelle entstehen.

Den Lauf der Nuthe und Babelsberger Szenen will Architektin Anja Möller dort im Kleinen nachbilden, die Rollstuhlfahrer können an einem Hochbeet entlang fahren, sich auf einer Duftbank niederlassen oder im Sand eines nachempfundenen Havel-Strands Platz nehmen. Drehsitze, ein Komposthaufen, eine Sitzecke mit Grill, abwechslungsreiche Handläufe und ein Komposthaufen machen aus dem Areal im Herzen Babelsbergs eine kleine, aber feine Welt für die Schüler und Bewohner der Oberlin-Einrichtungen. Kostenpunkt: 300.000 Euro.

Für dieses Projekt
ist eine MAZ-Spendenaktion angelaufen:

  • Spendenkonto Oberlinstiftung
  • Ev. Kreditgenossenschaft eG (EKK)
  • IBAN: DE 86 5206 0410 0008 0229 76 BIC: GENODEF1EK1
  • Spendenstichwort: 34000515 – MAZ Spendenaktion

Große Namen, etwa von Künstlern der „Leipziger Schule“, wie Max Klinger, Wolfgang Mattheuer oder Werner Tübke, aber auch Marc Chagall, Henri Matisse und Piccasso hatten die Gäste offenbar fasziniert und angezogen. Bereits am Tag zuvor hatte das Publikum die Möglichkeit gehabt, die Kunstwerke in der lichten angenehmen Atmosphäre des neugotischen Gotteshauses aus nächster Nähe zu bewundern. Rund 150 machten davon Gebrauch, berichtete Stefanie Hahn von der Oberlinstiftung.

Im überwölbten kleinen Kirchenraum drängte sich die Kunst. Doch längst nicht alle angebotenen Objekte fanden auch Käufer. So richtig Bewegung in das Bieterverfahren kam das erste Mal, als Chagalls „Opera“ als Farboffset, im Druck signiert und gerahmt für 320 Euro aufgerufen wurde. Für 100 Euro mehr kam es schließlich unter den Hammer. Das Limit der Gebote reichte von 50 bis 3800 Euro. Es ging für viele also um „erreichbare Kunst“, wie Auktionator Ulbricht anfangs betonte; nicht um die schlagzeilenträchtigen Höhenflüge des internationalen Kunstmarkts der vergangenen Jahre.

Im Oberlinhaus in Potsdam wurden am Sonntag 92 Kunstwerke für einen guten Zweck versteigert.

Doch gerade namhafte Künstler, etwa Otto Dix Litographie „Bildnis Florian Karsch I“ oder auch Wolfgang Mattheuers Farbsiebdruck „Der Nachbar, der will fliegen“, für 3800 beziehungsweise 1800 Euro fanden während der Auktion noch keine Liebhaber. Vielleicht musste mancher das Ganze noch einmal überdenken. Denn auch nach der Auktion fanden noch Verkäufe statt, sagte Stefanie Hahn am Abend.

Für Matthias Fichtmüller, Theologischer Vorstand im Oberlinhaus, war die Auktion jedenfalls eine „tolle Erfahrung und eine große Hilfe beim Projekt Sinnesgarten.“

Von Konstanze Wild

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