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Kunstblut und Hilferufe am Bahnhof

Potsdam Charlottenhof Kunstblut und Hilferufe am Bahnhof

Es war eine Guerilla-Kunst-Aktion, die die Besucher des Bahnhofs Charlottenhof zwiegespalten zurück ließ: Einige fanden die Plakate mit den Hilferufen und dem Kunstblut, die auf die Lage von Flüchtlingen aufmerksam machen sollte, einfach nur hässliche, widerliche Schmierereien, andere nannten es eine gelungene Aktion im öffentlichen Raum, die emotional berühre.

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„Wir sterben jeden Tag“, „Sieh hin“, „Schau nicht weg“, „Die Hälfte sind Kinder“ stand auf den mit Kunstblut befleckten Plakaten. Quelle: Julian Stähle

Brandenburger Vorstadt. Eine ganze Reihe von Plakaten irritierte am Wochenende die Reisenden am Bahnhof Charlottenburg. In den sozialen Netzwerken wurde viel über Herkunft und Sinn der Aktion gerätselt. Seit Freitag, sagen Passanten, hingen mehr als 70 Plakate an den Wänden vor der Treppe zum Bahnsteig. Auf ihnen standen Sätze wie „Wir sterben“, „Sieh hin“, „Du vergisst uns“, „Die Grenzen sind zu“, „Die Hälfte sind Kinder“, „Schau nicht weg“, „Wir sind müde“. Um dem Ganzen mehr emotionales Gewicht zu verleihen, waren die Plakate und Bahnhofswände bis auf den Bahnsteig hinauf mit Kunstblut verschmiert. Am Montag zeigten sich weder die Deutsche Bahn noch die Polizei in der Lage, irgendwelche Fragen zu der Aktion zu beantworten. Bahnsprecher Burkhard Ahlert immerhin sicherte Antworten für den Dienstag zu. Die Frage nach dem Urheber und eventuellen rechtlichen Folgen bleibt damit zunächst offen. Sicher ist nur, dass die Plakate Montagvormittag im Auftrag der Bahn entfernt und die Wände gereinigt und überstrichen wurden.

Die Kommentare im Netz waren vielfältig – von klarer Ablehnung („So eine Sauerei“, „Schmierereien, sonst nicht“, „Für mich ist das Sachbeschädigung“) über Spekulationen („Geht wohl um Flüchtlinge, die auf der Balkanroute festhängen“, „Hat mein Interesse geweckt, ich wüsste nur gern mehr“, „Vielleicht waren es auch Nazis?“ „Schreit da ein Kind? Oder ein geschickter Manipulator?“, „Vielleicht waren es ja auch Veganer?“) bis zu echtem Interesse („Wirkungsvoll. Gefällt mir, diese Aktion! Wenig Material, gute emotionale Ansprache“). Den Plakaten zufolge ging es um die EU-Flüchtlingspolitik ganz allgemein, die den Urhebern missfällt.

Die Zustimmung kam vor allem von links, eine Nutzerin warf den Kritikern Konservatismus vor. Solche Aktionskunst lebe vom „BAM-Effekt“, und in einer nach „rechts-konservativ rückenden Welt muss Kunst hart werden, weh tun, Emotionen einfangen und widerspiegeln.“ Als die Spekulationen zu wild wurden (Drogenkrieg in Mexiko, Donald Trump), wurde die Netzdiskussion grundsätzlicher: „Wenn wir uns doch nur genauso interessieren würden, wenn Flüchtlingsunterkünfte brennen, wie wir es bei solchen Schmierereien machen“, schrieb jemand. Streit entbrannte darüber, ob die Aktion ein Erfolg oder Misserfolg war.

Von Jan Bosschaart

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