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Potsdam Festival „Bewegend anders“
Lokales Potsdam Festival „Bewegend anders“
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21:23 06.09.2018
Eines von vielen Porträts aus der Fotoserie „Selbstbestimmt, Pur, Authentisch“. Quelle: André Looft
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Potsdam/Schiffbauergasse

Menschen wie Treibgut in träger Dünung, sanft angehoben und dann wieder im Fall, die übereinander rollen, miteinander geworfen werden, bis sie schließlich irgendwann Land unter den Füßen haben. Wellen rauschen, Gischt verrinnt im nassen Sand.

Schon einmal hat die Oxymoron Dance Company des Waschhauses William Goldings „Der Herr der Fliegen“ als Tanzstück auf die Bühne gebracht. 2012 erzählten Teilnehmer von Kursen wie Break Dance, Street Dance und Hip-Hop auf ihre Weise die Geschichte einer Gruppe gestrandeter Kinder, die sich das Leben auf einer einsamen Insel im Pazifik bald gegenseitig zur Hölle machen.

Zum zweiten Kunstfestival „Bewegend anders – für Menschen mit und ohne Behinderung“ in zwei Wochen präsentiert Regisseurin Anja Kozik eine neue Version. Diesmal kommen professionelle Flamencotänzerinnen auf die Bühne, Juliane Götz, ein ehemaliges Ensemblemitglied des Hans-Otto-Theaters, und Amateure; insgesamt neun Menschen mit und ohne Behinderung, die schauspielen und tanzen.

Die grausame Entwicklung der originalen Erzählung tritt in dieser Inszenierung in den Hintergrund, bis auf die Frage, was aus einer Gruppe und aus den Träumen der Einzelnen wird, die miteinander ins Nichts geraten.

Zur ersten Auflage des Festivals vor drei Jahren kamen in fünf Tagen mehr als 1000 Gäste in die Schiffbauergasse. Das sagt Yvonne Pachl, die Chefin des Awo-Kulturhauses Babelsberg, die das Projekt gemeinsam mit Anja Kozik entwickelt hat.

Damals eröffnete Anja Kozik mit einer Inszenierung, die Shakespeares „Romeo und Julia“ in eine fantastisch bunte Traumwelt versetzten, an einigen Stellen gar mit mehreren Romeos und Julias, von denen manche plötzlich im Rollstuhl saßen und aus ihrem realen Leben erzählten. Die zweite Auflage des Festivals wurde erst jetzt mit einer Förderung durch die Aktion Mensch ermöglicht.

Für den Eröffnungsabend am 21. September konnte die Company Danza Mobile aus Sevilla gewonnen werden. Gegründet wurde sie 1995 mit dem Ziel, Räume zu schaffen, in denen Menschen mit Behinderung in die Welt der Künste eintauchen können. Mit „Helliot“ präsentieren die Spanier in der Waschhaus-Arena ein interdisziplinäres Stück mit Tanz, Theater und Performance.

Es geht um Einzigartigkeit, um das Besondere, das jedem Menschen eigen ist. Angekündigt ist „eine szenische Reise vom Individuellen zum Universellen, vom Intimen zum Sozialen“. Erzählt werden viele kleine Begebenheiten, die sich zu einem großen Leben formen.

„Selbstbestimmt, Pur, Authentisch“ ist der Titel einer Fotoausstellung, die zum Auftakt im Waschhaus eröffnet wird. Eine Woche lang tourten Yvonne Pachl und der Fotograf André Looft mit einer Fotobox durch Schulen und Einrichtungen in Potsdam und der Umgebung. Sie luden Behinderte und Nichtbehinderte zum Spiel mit der selbstauslösenden Kamera ein und fotografierten sie dabei aus respektvoller Distanz. Mehr als 30 der dabei entstandenen Schwarz-Weiß-Bilder sollen über vier Wochen in den Fluren und Veranstaltungsräumen des Waschhauses zu sehen sein.

Eine weitere Ausstellung wird am 22. September um 18 Uhr im Kesselhaus eröffnet. Auf den Bildern finden sich Wortgebilde mit Erläuterungen dazu. Ein halbes Jahr arbeitete Claudia Vahle an der Oberlinschule mit autistischen Schülern, die ihre Gefühlszustände in teils noch nie vernommene Worte fassten, die dann erklärt wurden. „Ich werd jetzt mockulig!“, heißt es auf einem Bild. Beschreiben soll dieses Wort ein Gefühl, bei dem man nicht nur gedanklich, sondern auch mental durcheinander gerät. „Man achtet nicht mehr auf die Worte anderer Personen (mit anderen Worten: man versteht sie nicht mehr).“

Zu den Bekannten aus dem ersten Festival gehört die damals gegründete Band „Norbert“ aus dem Michendorfer Norberthaus, die am Eröffnungsabend spielt. Für Sonnabend ist die Hardrockband „Jacke wie Hose“ angekündigt. Unter den Partnern des Festivals ist der Cirkus Montelino.

Workshops gibt es unter anderem mit Dozenten der Company Danza Mobile, mit der Performerin Vera Köppern und der Schauspielerin Patrizia Carlucci. Lauter Höhepunkt wird am Sonnabend um 14 Uhr der Drum Club des Waschhauses mit einer Trommelperformance für Jedermann. Trommeln und Stöcke werden gestellt.

Info: Das komplett Programm und weitere Informationen auf www.bewegendanders-festival.de

Von Volker Oelschläger

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