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Potsdam Kunstflut auf der Freundschaftsinsel
Lokales Potsdam Kunstflut auf der Freundschaftsinsel
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11:34 29.05.2018
Jürgen von Woyskis „Sitzende“ um 1980 im Staudenhof. Quelle: Foto: Potsdam Museum,/ Heinz Gerard
Potsdam/Innenstadt

Gegen die geplante Umsetzung von Skulpturen aus dem Staudenhof-Ensemble auf die Freundschaftsinsel gibt es wachsende Kritik. Die Freundschaftsinsel sei „eines der bedeutendsten Gartendenkmale dieser Art in einer einmaligen Kombination der Klassischen Moderne und der sogenannten DDR-Moderne“, erklärte am Montag Andreas Kalesse, bis Februar Potsdams Stadtkonservator. Das Ensemble sei „fein durchwoben mit Kunstwerken allererster Güte“ und ergebe „mit den kostbaren Gestaltungselementen und Pflanzungen eine wohl komponierte Einheit“.

In Potsdam werde zur Zeit viel vom „Wert der DDR-Moderne“ gesprochen. Kalesse kritisiert in diesem Zusammenhang „Bescheidwisser“, die den „außergewöhnlichen Wert der Freundschaftsinsel offensichtlich nicht von allen möglichen Leerstellen in der Stadt unterscheiden“ könnten und daher „meinten, dass die Insel genügend Raum böte für Abzustellendes“. Man könne ein einmaliges und unersetzbares Kulturdokument nicht beliebig nach eigenem Gutdünken verändern, so der Denkmalpfleger.

Andreas Kalesse. Quelle: MAZ

Er kritisierte zugleich, dass Stadträume auf der anderen Seite der Alten Fahrt bei den Prüfungen für die Neuaufstellung offenbar nicht berücksichtigt worden seien. Namentlich nannte Kalesse die Uferpromenade zwischen Langer Brücke und den Grünanlagen der Burgstraße. Der Uferstreifen sei „städtebaulich sehr gelungen und hier böte es sich an, diesen mit zeitgenössischer Kunst zu besetzen“.

Kritik kommt auch vom Fachbeirat Freundschaftsinsel. Der hat sich nach Angaben des früheren Inselgärtners Jörg Näthe dagegen ausgesprochen, dass zu den bereits vorhandenen Plastiken auf der Parkanlage weitere Skulpturen gesetzt werden. Näthe bedauerte, dass die Anregung des Fachbeirats kein Gehör fand, für die Neuaufstellung der Keramiken die Uferpromenade an der Alten Fahrt, die Grünanlage am Ufer der Burgstraße oder den Bassinplatz zu prüfen.

Staudenhof mit der „Stehenden unter Baldachin“ um 1980. Im Hintergrund die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek. Quelle: Foto: MV/MAZ/Dieter Pein

Wie berichtet, sollen die von Jürgen von Woyski (1929-2000) um 1975 für den Staudenhof geschaffenen Plastiken „Stehende unter Baldachin“, „Sitzendes Mädchen“ und „Pflanzturm“ im zweiten Quartal 2019 auf Empfehlung des Beirats für Kunst im öffentlichen Raum auf der Freundschaftsinsel aufgestellt werden. Seit der Demontage vor dem Abriss des Staudenhof-Ensembles sind sie in einem Depot auf dem Neuen Friedhof eingelagert.

Zu den vom Beirat geprüften alternativen Standplätzen zählten neben dem Bassinplatz, der Wiese an der Nuthemündung, dem Platz der Einheit und dem Neuen Lustgarten auch der Neue Friedhof. Die Uferpromenade und die Grünanlage am Ufer der Burgstraße waren laut Mitteilung für die Stadtverordneten nicht unter den geprüften Plätzen.

Wie berichtet, sollen die Kommunalpolitiker die Umsetzung, für die mit Kosten von bis zu 40 000 Euro gerechnet wird, auf ihrer nächsten Sitzung am 6. Juni beschließen.

Rathaussprecherin Christine Homann konnte auf Nachfragen der MAZ unter anderem zu den vom Insel-Fachbeirat und dem früheren Stadtkonservator genannten Alternativplätzen am Montag zunächst keine weiteren Informationen einholen, präzisierte aber eine Unschärfe in der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten.

"Wasservögel" (1984) von Horst Misch auf der Südspitze der Freundschaftsinsel. Quelle: Volker Oelschläger

Demnach sollen die Plastiken „unmittelbar im Bereich des Hafenbeckens“ aufgestellt werden. Welches Hafenbecken gemeint ist, wird nicht präzisiert. Dafür heißt es weiter: „Auf räumlich-geografischer Ebene ist die Platzierung der Werke durch die Nähe zum vormaligen Standort Staudenhof und zu Woyskis Werk ,Postmeilensäule’ (1970) vor dem Mercure-Hotel schlüssig.“ Gegenüber der Postmeilensäule liegt mit dem Blick zum Hafenbecken der Weißen Flotte der Südzipfel der Freundschaftsinsel. Aktuell gibt es dort nur die in Stein gehauenen „Wasservögel“ (1984) von Horst Misch.

Doch gemeint ist in der Vorlage das Hafenbecken des Bootsverleihs. Dieser Platz aber wird vom Fachbeirat Freundschaftsinsel laut Näthe ebenso kategorisch abgelehnt wie von Kalesse, der sagt: „Das ist ja nun wirklich der Supergau.“

Von Volker Oelschläger

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