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Kunstraum Potsdam zeigt Werke aus China

Zeitgenössische Kunst Kunstraum Potsdam zeigt Werke aus China

Unter politischer Kunst verstehen sie Propaganda. Deshalb würden die Künstler, die von Freitag an im Kunstraum Potsdam ausstellen, ihre Werke auch nicht freiwillig als politisch bezeichnen. Aber sie sind es. Hochpolitisch sogar. Denn sie beschäftigen sich mit der kulturellen Tradition Chinas. „Guns and Roses“ – eine atemberaubende Schau.

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Auch dieses Bild ist in der Schau zu sehen.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Mit Chinas derzeit wohl bekanntestem Kunstdissidenten Ai Weiwei will Zhao Li nicht so gerne in Verbindung gebracht werden. „Die zeitgenössische Kunst in China beschäftigt sich mehr mit kulturellen Themen. Sie ist nicht so politisch“, sagt der 48-jährige Kunsthistoriker und Kurator aus Peking. Und überhaupt: Ai Weiwei ist nur einer von Tausenden von Künstlern, die China zu bieten hat. Zwölf davon stellt Zhao Li zurzeit im Potsdamer Kunstraum aus. „Guns and Roses“ lautet der Titel der Schau. Und die ist alles andere als unpolitisch.

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„Guns and Roses“ – Krieg und Frieden. Im Kunstraum Potsdam zeigen zwölf zeitgenössische Künstler aus China ihre Werke zu Gewalt und Terror. Eine Anti-Kriegsausstellung, die sich lohnt, zu besuchen.

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Guns and Roses standen beim Titel Pate

Die US-amerikanisch Hardrockband „Guns N’ Roses“ motivierte Zhao Li und seine Ko-Kuratorin, die Koreanerin Lucia Eunyoung Kwon (34) nicht nur mit ihrem Anti-Kriegs-Song „Civil War“zum Titel der Ausstellung, Gewehre und Rosen als Symbole für Krieg und Frieden sind im Kunstraum auch mehrfach zu sehen. Etwa bei Hao Shiming, der in feinsten Strichelchen mit Tinte auf einem Seidentuch die Kontur einer Schusswaffe andeutet. Oder weitaus unmittelbarer Cai Dongdong: Der 37-jährige Künstler hat altes Propagandamaterial aus den 60er-Jahren gesammelt und konfrontiert ein Foto, auf dem ein Rotarmist einem Mädchen zeigt, wie man ein Gewehr benutzt, mit einem Spiegel, so dass die beiden den Gewehrlauf auf sich selbst richten. „Schießübung“, so der Titel.

Potsdam bewusst als Ausstellungsort gewählt

Es ist kein Zufall, dass die in Potsdam ausgestellten Werke ausgerechnet Krieg und Frieden thematisieren. „Potsdam ist die Stadt, wo der Zweite Weltkrieg beendet wurde“, sagt Kuratorin Lucia Eunyoung Kwon. Wenig später sei auch in Asien alles vorbei gewesen. Doch Frieden ist eben mehr als die Abwesenheit von Krieg. In der heutigen Welt brodelt es an allen Ecken und Enden – auch dort wo vorerst nicht geschossen wird.

Denn der Schein trügt. Damit beschäftigen sich mehrere Werke der Ausstellung. So zeigt Zhang Zheyi wunderschöne Blumenmuster in Öl, die sich erst bei näheren Hinsehen als die Kerosinstreifen eines Gewirrs aus Kampfjets entpuppen. Oder Lu Zhengyuan: Der 36-jährige Künstler aus Peking hat eine Marmorskulptur aufgestellt. Schwarz spiegelt sich die glatt polierte Oberfläche im Tageslicht. Leicht, fast schwebend wirkt der Stein, der eher an eine dunkle Plastikfolie erinnert, die über einem langgezogenen Gegenstand hängt. Was mag wohl darunter sein? Ein Gewehr! Wie könnte es anders sein? Lu Zhengyuans Realismus spielt virtuos mit Sein und Schein. „Die Steine haben ein Gedächtnis“, sagt er mit provokanter Miene. Und auch die Rose, die er daneben in einen aufwändig gefertigten Glasrahmen präsentiert, ist so akribisch gemalt, dass schnell klar wird, dass es sich nicht um eine echte, sondern eine Plastikrose handelt.

Die Oberflächen lügen, aber was drunter ist, muss nicht besser sein. Bei Zeng Lus Porträt „Kommunismus  II“ changiert die Oberfläche zwischen dem Antlitz von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao – die Ahnenreihe des Stalinismus. Gesichter der Zuversicht und des Terrors. Auch sie gehören zur kulturellen Tradition Chinas.

Guns and Roses. Kunstraum Potsdam, Schiffbauergasse 4d, Mi-So, 13-18 Uhr, 4. März bis 10. April.

Von Mathias Richter

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