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Kunstspeicher taucht aus der Versenkung auf

Altes Heeresproviantamt in Potsdam als Atelierzentrum im Gespräch Kunstspeicher taucht aus der Versenkung auf

Die Stadt sucht weiter nach neuen Arbeitsräumen für die Kunst- und Kreativszene in Potsdam. Nun ist neben der Husarenkaserne auch das alte Heeresproviantamt in der Zeppelinstraße im Gespräch. Der in Vergessenheit geratene Persiusspeicher bietet 5000 Quadratmeter Platz. Am Donnerstag war die erste Ortsbegehung.

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Blick vom Schafgraben auf den Persiusspeicher. Hinten die Brücke der Zeppelinstraße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Stadt prüft bei der Suche nach Alternativen für die von Verdrängung bedrohte Kunst- und Kreativszene eine Reaktivierung des in Vergessenheit geratenen Kunstspeichers in der Zeppelinstraße. Am Mittwoch gab es nach Mitteilung des Rathauses einen ersten Vor-Ort-Termin, an dem neben dem Kulturamt und dem für die städtischen Immobilien zuständigen Kommunalen Immobilienservice (Kis) auch Vertreter der akut bedrohten Atelierzentren "Kunsthaus 17", "Sans titre", "Scholle 51" und der Alten Brauerei beteiligt waren.

Die Prüfung einer Umnutzung des in den 1840er Jahren von Ludwig Persius errichteten Speichergebäudes läuft nach Angaben von Rathaussprecherin Christine Weber parallel zu den Plänen der Stadt, das derzeit von der Bundespolizei genutzte Gebäude der alten Husarenkaserne an der Berliner Straße als Künstler- und Gründerzentrum in das Kulturviertel Schiffbauergasse zu integrieren. Wie berichtet, steht dieses Haus frühestens 2019 mit der Eröffnung des neuen Bundespolizeipräsidiums in der Heinrich-Mann-Allee zur Verfügung.

Ende April stehen viele Musiker und Künstler in Potsdam ohne Proberaum oder Atelier da. Am Dienstagvormittag haben sie daher erneut mit einer öffentlichen Aktion auf ihre Sorgen und Nöte aufmerksam gemacht. Vor dem Landtagsgebäude am Alten Markt gingen sie ihrer alltäglichen Arbeit unter freiem Himmel nach.

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Der Persiusspeicher steht für einen der ehrgeizigen künstlerischen Aufbrüche der Nachwendezeit in Potsdam, die peinlich enden sollten. Die Stadt erwarb das denkmalgeschützte Gebäude des einstigen Heeresproviantamtes 1991 von einer privaten Immobiliengruppe mit dem Ziel, dort eine Kunsthalle einzurichten. 1993 wurde auf 800 Quadratmetern mit "Fontanelle ‒ Kunst in (x) Zwischenfällen" die wichtigste Kunstausstellung zur 1000-Jahr-Feier der Potsdamer Ersterwähnung ausgerichtet. Dann verebbte der Elan. Bis 1998 gab es in dem Gebäude noch sporadisch Ausstellungen, dann stellte man nach einer Gesamtinvestition von umgerechnet 3,25 Millionen Euro (darunter auch Geld vom Bund und vom Partnerland Nordrhein-Westfalen) fest, dass das Gebäude gar nicht zur Kunsthalle taugt.

Seither weiß die Stadt nicht so recht, was sie mit diesem Haus eigentlich anfangen soll. Ein Übernahme-, besser Rücknahmeangebot gab es vom früheren Eigentümer, der das Grundstück für 200.000 Euro von der Treuhandanstalt erworben und mit einigem Gewinn für 1,25Millionen Euro an die Stadt weiter verkauft hatte. Seine Offerte lautete, das Gebäude für einen Euro Erbpacht zu übernehmen und der Stadt gelegentlich für Ausstellungen zu überlassen. Die Stadt lehnte ab.

2003 kam es in einer Neueröffnung des Ausstellungsraumes über eine öffentlich-private Partnerschaft, die aber nur kurz währte, weil der private Partner rasch wieder verschwand. Danach wurde der Speicher vom Hans-Otto-Theater als Lagerraum genutzt. Unerfüllt blieb die Hoffnung von Kommunalpolitikern, den Speicher zu verkaufen und den Ertrag an anderer Stelle für die bildende Kunst einzusetzen. 2002 hatte die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der Grünen einen Beschluss gefasst, der diese Finanzrochade skizzierte.

Von Volker Oelschläger

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