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10:24 14.06.2013
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POTSDAM / WERDER

. „Sie sind eine wahnsinnige Bereicherung für uns“, sagt Betriebsleiterin Linett Schuldt, „wir sind nicht zu hundert, sondern zu dreihundert Prozent davon überzeugt!“

Die meisten der 82 Bewohner des Hauses freuen sich immer über den ungewöhnlichen Besuch. „Ihnen geht das Herz auf und sie strahlen“, sagt Schuldt. Seit einem Dreivierteljahr kommen die Clowns alle zwei Wochen in das Altersheim. „Sie haben keine Berührungsängste“, erzählt Schuldt. Das glaubt man sofort, wenn die beiden bunten Gestalten mit Akkordeon und Klarinette losziehen, um im Wachtelwinkel für frohe Gesichter zu sorgen.

Nach einem Lied mit den alten Damen, die im Foyer des Hauses sitzen, ziehen die beiden Clowns in den Wohnbereich Vier. Das ist die gerontopsychiatrische Station, wo zwanzig stark demente Personen leben. „Hier gehen die Uhren anders“, sagt Schuld. Die Wände sind bunt dekoriert. „Die Leute brauchen das auch.“

In rot-weiß gepunkteten Gummistiefeln, rosa Kleid, rotem Punkt auf der Nase und geflochtenen Zöpfen stürmt Hella Propella den Gemeinschaftsraum. Sie schüttelt Hände, umarmt und kniet sich dann zu Herrn Jakob. Der 79-Jährige ist ihr „Ehemann“. Letztes Mal haben sie mit bunten Ringen Hochzeit gefeiert. Als sie ein Liebeslied singt, weint der alte Mann vor Rührung.

Aber sofort lachten alle wieder, die Senioren singen und klatschen „Oh du lieber Augustin“ mit. Eine alte Dame hilft den beiden Clowns und liest den Text mit lauter, klarer Stimme vor.

Und auch Hella Propella gibt sich alle Mühe: „Ein Liebeslied oder ein Frühlingslied?“, fragt sie. „Lieber ein Liebeslied“, ruft eine alte Dame in blauem Pullover. „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, als heimliche Liebe, von der niemand nichts weiß“: Beim Duett von Nono Cordina und Hella Propella erinnert sich manche alte Dame verschmitzt lächelnd an eine verflossene Liebe.

Die Idee, Clowns im Altersheim einzusetzen, kam von der Geschäftsführerin des Bezirksverbandes Angela Basekow. Schon bei der ersten Begegnung mit den Bewohnern hat es gefunkt. „Es fühlt sich unheimlich sinnvoll an“, sagt Nicola Streifler, die seit elf Jahren Clown ist. „Die Begegnungen sind etwas Buntes, Leben und Leichtigkeit ohne über Probleme hinwegzusehen.“ Das AWO-Haus finanziert das Projekt zur Zeit selber, ist aber auf der Suche nach Unterstützern.

Das Programm für die Senioren ist sehr von der Vergangenheit geprägt. „Wir spielen Lieder aus ihrer Zeit“, erzählt Nicola Streifler. „Das bestimmende Gefühl ist Liebe, auch wenn natürlich manchmal Trauer dabei ist“. Die Clowns erleben auch „sehr intensive“ Abschiede von Bewohnern, es sei ihre Art der Sterbebegleitung, sagt Nicola Streifler.

Die Klinikclowns gibt es seit 2009. Zur Gruppe gehören sieben aktive Clowns, die mit Ausnahme von Nicola Streifler noch andere Berufe ausüben. Die Auftritte in Altenheimen sind für Unwissende ungewöhnlich, für die Clowns aber Alltag. Hella Propella fühlt sich „mit Senioren und Erwachsenen sehr wohl.“

Der Auftritt im Altersheim dauerte fast drei Stunden. Nach einem gegenseitigen Feedback mit Noriko Seki ist Nicola Streifler erschöpft, aber zufrieden. „Die Highlights bleiben.“ (Von Sofia Dreisbach)

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