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Potsdam Das kleine Schwarze
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07:06 19.07.2018
Dietmar Teickner und Karina Schneemann, die seit 15 Jahren im Lakritzkontor arbeitet. „Die Seele“, sagt der Chef. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Im Osten, so behauptet es der Märker zuweilen ganz gern, im Osten, da hatte man ja nüscht. Lakritz-Stangen zum Beispiel. Für herb-süße Schlemmermeier brachen die Schicksalsjahre 1975 an. „Da machte die Maschine schlapp – Produktionsende“, sagt Dietmar Teickner, der damals selbst auf dem Trockenen saß und heute Herr über mehr als 500 Lakritz- und Salmiaksorten ist. 15 Jahre ist es her, dass er in der Potsdamer City das „Lakritzkontor“ eröffnet hat – in Deutschland nach dem Kreuzberger „Kado“ das zweite Fachgeschäft fürs Kleine Schwarze überhaupt.

In der Lindenstraße, wo damals alles begann, hatten die Nachbarn Wetten abgeschlossen, wie lange es Dietmar Teickner in seiner Nische aushalten würde. „Sie haben mir ein halbes Jahr gegeben“, sagt er. Das Lakritzkontor hat seither zwar drei Umzüge hinter sich, ist aber trotzdem etabliert. Die Stammkundschaft ist seit jeher stark, das Publikum über die Jahre aber immer breiter geworden, so Teickner: „Lakritz liegt seit einiger Zeit im Trend – davon profitieren wir natürlich.“ Und vom Muss-man-gesehen-haben-Status, den das Lakritzkontor diversen Reiseführern zu verdanken hat. Touristen aus aller Welt steuern die Jägerstraße 21 an.

Nicht nur Spezialitätengeschäft, sondern auch Kuriositätenkabinett

Ob Stammkunde oder Neuling, ob Kenner oder Gelegenheitslakritzlutscher: An den Regalen, in denen sich Bonbonglas an Bonbonglas lehnt, kann sich kaum jemand satt sehen. Das Lakritzkontor ist nicht nur ein wohlsortiertes Spezialitätengeschäft mit Verkostungsgarantie, es ist auch ein Kuriositätenkabinett. Lakritz gibt’s hier in allen Formen und vor allem in allen Stärken. Donnerstag, Freitag und Samstag ist zudem das eigens mit der Teltower Biomalzfabrik entwickelte Lakritzsofteis zu haben. Wer es wagt, sich noch weiter von vertrauten Geschmackspfaden zu entfernen, oder einfach nicht genug bekommt vom schwarzen Gold, wählt Lakritzchips, Lakritzbier, Lakritzlikör, Lakritzhonig, Marmelade, Salz, Lakritzzahnpasta oder Süßholz pur.

Glas an Glas: Aus Dänemark und Schweden, aus Finnland und Island, aus Holland und Belgien, aber auch aus Italien und Frankreich kommt das schwarze Gold. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir suchen europaweit nach den Sorten, die wir hier anbieten“, sagt Dietmar Teickert. Weil es aber nicht jedes Land zu höheren Lakritzweihen schafft, bezieht er die Ware für seinen Schwarzmarkt von den üblichen Verdächtigen – also aus Dänemark und Schweden, aus Finnland und Island, aus Holland und Belgien, aber auch aus Italien und Frankreich. „Die Lakritzszene ist gut vernetzt“, sagt Dietmar Teikert: „Man kennt sich.“ Und gründet mit den engsten Weggefährten die Lakritzmafia – eine Runde von Genussmenschen, die ein gutes Lakritz so schätzen wie einen guten Rotwein oder ein gutes Buch.

Apropos: Regelmäßig lädt das Lakritzkotor auf eine Kostprobe Kultur ein: Regelmäßig finden dort Lesungen statt. Gerade stellt Thomas Block-Deponte seine auf den Straßen Potsdams entstandenen stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Fotografien „Nachtschleicher“ aus. Ab August soll von hier eine Radiosendung ausgestrahlt werden.

In Rehbrücke aufgewachsen, zum Babelsberger geworden

Dietmar Teickner ist nicht nur ein umtriebiger, er ist auch ein umsichtiger Typ. In Rehbrücke aufgewachsen, zog er Anfang der Achtziger nach Babelsberg – und geht dort nicht mehr weg. Er unterstützt seit Jahren Nulldrei und das Flüchtlingsteam „Welcome united“ und hat das Stadtteilnetzwerk mitinitiiert. Das Trinkgeld der Kontor-Kunden steckt er dem Potsdamer Verein „Glückskämpfer“ zu, der sich für Krebskranke und ihre Angehörigen stark macht. Verlass ist auf Dietmar Teickner auch, wenn die MAZ alle Jahre wieder in der Weihnachtszeit Spenden für den guten Zweck sammelt. Er wolle der Stadt, in der er lebt, etwas zurückgeben, sagt er bei diesen Gelegenheiten.

Einmal nur schlug das Leben eine Volte, die Dietmar Teickner beinahe aus Babelsberg, aus Potsdam weggebracht hätte. Als die Firma, für die er als Hochbau-Meister von Baustelle zu Baustelle zog, ihr Berliner Büro schloss, sollte er als Polier ins Ausland gehen. „Ich mache ganz was anderes“, sagte sich Dietmar Teickner damals und setzte alles auf eine Farbe: Schwarz. Der Hauptgewinn.

Von Nadine Fabian

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