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Potsdam Minsk-Prozess: Täter bleibt in der Psychiatrie
Lokales Potsdam Minsk-Prozess: Täter bleibt in der Psychiatrie
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19:08 09.08.2018
Der Beschuldigte kam in Hand- und Fußfesseln. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Im Minsk-Prozess hat die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Potsdam angeordnet, dass der Beschuldigte Slawomir M. (42) in der Psychiatrie unterzubringen ist. Damit folgten die drei Berufs- und zwei Laienrichter den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung sowie dem Rat der psychiatrischen Gutachterin.

Slawomir M. hatte zu Beginn des Prozesses gestanden, einen polnischen Bekannten Ende Oktober 2017 nach einem gemeinsamen Saufgelage im ehemaligen Terrassenrestaurant „Minsk“ angegriffen, verprügelt, ins Freie gezerrt und dort allein zurückgelassen zu haben. Marek W. (43) war zwar schwer verletzt – er starb aber an Unterkühlung.

Diagnose stellt Gericht vor unerwartete Herausforderung

In dem mehrtägigen Sicherungsverfahren hatte das Gericht festzustellen, ob Slawomir M. eine strafbare Handlung begangen hat – ob er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war – und ob er mit herausragender Wahrscheinlichkeit wieder gewalttätig wird. Dabei hatte die Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin das Gericht vor eine unerwartete Herausforderung gestellt. Wie berichtet, hatte die Gutachterin die Schizophrenie-Diagnose mit einhergehender Schuldunfähigkeit revidiert. Sie geht nunmehr von einer bipolaren affektiven Störung aus und kann sich nicht mehr festlegen, ob M. zum Tatzeitpunkt tatsächlich schuldunfähig war – oder doch nicht.

Das Gericht erwog daraufhin, das Sicherungs- in ein ordentliches Strafverfahren überzuleiten – es entschied sich aber dagegen. Die Beweisaufnahme habe gezeigt, dass sich M. zur Tatzeit „in einer extrem manischen Ausnahmesituation“ befunden habe. Er sei zudem schwerst alkoholisiert gewesen. „Sie hatten nicht die Möglichkeit, das Geschehen zu reflektieren und richtig einzuordnen“, konstatiert der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter.

Slawomir M. hat darum gebeten, in sein Heimatland überstellt zu werden

Die Therapie soll nun in Deutschland stattfinden. Zwar hat sich Slawomir M., der seit Ende 2017 im Fachklinikum Brandenburg untergebracht ist, bemüht, nach Polen überstellt zu werden – davon ist er dem Vernehmen nach aber abgerückt.

„Sie sind noch relativ jung. Das ist sicherlich nicht das Ende“, sagt Richter Horstkötter. „Es bestehen gute Möglichkeiten, dass Sie mit Erfolg eine Therapie hinter sich bringen können. Deren Ausgang haben im Wesentlichen Sie selbst in der Hand. Deshalb sollten Sie alle Kraft darauf verwenden.“ Für die Verbesserung seines Zustands sei es allerdings erforderlich, mit den Ärzten und Therapeuten offen über alle Geschehnisse – vor allem über den von ihm verursachten Tod der Mutter – zu sprechen und zu erkennen, „dass Sie eine Krankheit in sich tragen, die man mit Medikamenten im Griff halten kann, und dass Sie die Einsicht entwickeln, dass Drogen und Alkohol ihr größter Feind sind.“

Slawomir M. verfolgte das Urteil und den persönlichen Rat des Vorsitzenden ruhig, nahezu andächtig. Er dankte allen am Verfahren Beteiligten und der Potsdamer Polizei für einen fairen Prozess. „Ich werde mich bemühen“, sagt M.: „Aber im Augenblick sehe ich keine Chancen.“ Slawomir M. kann das Urteil binnen einer Woche mit dem Mittel der Revision anfechten.

Von Nadine Fabian

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