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Landtagsarchitekt warnt vor FH-Abriss

„Eine schöne Stadt muss reifen“ Landtagsarchitekt warnt vor FH-Abriss

Unerwartete Schützenhilfe für die Befürworter des Erhalts der Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam. Im MAZ-Gespräch warnt der Star-Architekt Peter Kulka – er hat unter anderem den Landtag am Alten Markt gebaut – die Landeshauptstadt vor übergroßer Eile bei der Umgestaltung der Potsdamer Mitte.

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Quelle: MAZ-Archiv

Innenstadt.  Im Streit um die Zukunft der Fachhochschule am Alten Markt hat sich Star-Architekt und Landtagserbauer Peter Kulka ( wieder) zu Wort gemeldet. Im MAZ-Interview plädiert er für ein Moratorium. Sprich: Für einen Aufschub des FH-Abrisses, der ab Herbst geplant ist. „Ich fordere noch mehr Zeit – eine schöne Stadt muss reifen“, wirbt der gebürtige Dresdner für „mehr Gelassenheit und Sensibilität“ bei Fragen der Stadtbildgestaltung: „Man muss nicht gleich in die Stierkampfarena und sich einen Kampf bis aufs Messer liefern“, mahnt Kulka unter Anspielung auf die aufgeheizte Debatte rund um die Fachhochschule.

Wie berichtet, hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) das Kaufangebot der Abriss-Gegner am Montag endgültig abgelehnt. Das Angebot der Initiative „Stadtmitte für alle“ sei zu spät – erst lange nach Ablauf der Frist für die Ausschreibung der Baugrundstücke auf dem Fachhochschulareal – eingegangen. Zudem sei es wirtschaftlich „nicht belastbar“. Auch Sanierungsträger-Chef Bert Nicke hatte zuvor die Offerte als „substanzlos“ bewertet. Beide betonten, dass die Landeshauptstadt am laufenden Ausschreibungsverfahren für die Flächen auf dem FH-Grundstück festhalten werde.

„Tempo drosseln“

Kulka mahnt hingegen, das Tempo bei der Entwicklung der Mitte zu drosseln: „Warum setzt man sich so unter Druck, noch dazu an einer so wichtigen Stelle?“ Der Alte Markt müsse nicht „in einem Guss fertiggemacht werden“. Gerade vor dem Hintergrund der Geschichte des geteilten Deutschlands warnt der Landtagsarchitekt davor, voreilig Fakten zu schaffen. „Es ist ja so, dass der ,Gewinner’ immer abräumt und nichts stehen lässt – spätere Generationen bewerten das möglicherweise anders, aber dann ist alles schon weg“, gibt der Architekt mit Büros in Köln und Dresden im MAZ-Gespräch zu Bedenken.

„Politisch-populistische Entscheidung“

Dass nach dem FH-Abriss auf der Fläche des DDR-Gebäudes zwei Wohnblöcke gebaut werden sollen, sei nichts anderes als „eine politisch-populistische Entscheidung“. Statt abzureißen, sollte umgebaut werden. Kulkas Vision für die Nutzung der Ex-Fachhochschule: „Wohnungen, gemischt mit Ateliers.“ Er selbst hat zwar den Landtag mit einer barocken Stadtschloss-Fassade erbaut, die von Mäzen Hasso Plattner finanziert worden ist. Auch Plattners Museum Barberini ist als Rekonstruktion eines kriegszerstörten Barockgebäudes errichtet worden. Aus Kulkas Sicht heißt das dennoch nicht automatisch, dass der ganze Alte Markt wieder im Barock-Glanz erstrahlen müsste. Brüche sollten erlaubt und erwünscht sein, fordert er.

Unterdessen gehen die Abriss-Gegner nach der Ablehnung des Kaufangebots auf die Barrikaden. „Durch Oberbürgermeister und Sanierungsträger wurde das Angebot in den letzten Tagen immer wieder als verfristet dargestellt, obwohl sich die Initiative überhaupt nicht in dem laufenden Bieterverfahren beworben hat, das ja nicht die Vergabe des FH-Gebäudes, sondern dessen Abriss anstrebt“, so die Fraktion „Die Andere“. Sie wirft in einer Kleinen Anfrage der Stadtspitze einen „unseriösen Umgang“ mit der Offerte des Stadtmitte-Bündnisses vor.

Bereits 2013 kritisierte Kulka den geplanten Abriss

Von Ildiko Röd

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