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Potsdam Leben zwischen Fantasie und Realität
Lokales Potsdam Leben zwischen Fantasie und Realität
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00:20 08.10.2017
Daniel (Gregor Knop) ist das Umziehen mit seiner Mutter Luise (Barbara Fressner) gewohnt. Sie sind ständig pleite. Quelle: Foto: Göran Gnaudschun
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Potsdam

Armut hat viele Gesichter. Sie betrifft ganz unterschiedliche Bereiche des Lebens. Das Jugendstück „Agent im Spiel“, das am Donnerstag Premiere in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters (HOT) feierte, erzählt von Arbeitslosigkeit, Trennungen, Außenseitern, Versagensängsten und der Schere zwischen Arm und Reich. Die Armut, ob materiell oder sozial, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Inszenierung.

Daniel (Gregor Knop) ist ein Meister des Umziehens. Immer, wenn seine Mutter wieder vor einer gescheiterten Beziehung steht oder sich von Job zu Job hangelt, muss er seine Sachen packen. Acht mal in zwei Jahren – immer auf Absprung. Mit sieben Euro in der Tasche stranden sie gemeinsam nun dort, wo „diesmal alles anders“ sein soll. Wie oft Mutter Luise (Barbara Fressner) das versprach, kann sie wahrscheinlich selbst kaum zählen. In dieser Zeit der Unbeständigkeit und des Mangels hat sich Daniel eine Parallelwelt geschaffen, in der er als Geheimagent die Kontrolle hat.

Seine neuen Nachbarskinder Melanie (Teresa Zschernig) und Angelo (Rosario Bona) lassen sich von den Ideen anstecken. Es zeigt sich, dass Spiel und Fantasie Kinder verbinden, obgleich sie aus unterschiedlichen sozialen Gesellschaftsschichten stammen und ganz eigene Probleme haben. Während die Nachbarskinder an der Freundschaft wachsen, verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit bei Daniel immer stärker. Er glaubt: „Ich kann mir alles ausdenken, also kann ich auch alles haben.“ Deshalb spielt er im kalten Winter auf Socken. Doch dann kommt der Punkt, an dem ihm die Realität fast den Boden unter den Füßen entreißt.

Die Kinder lassen ihre Fantasie spielen. Quelle: Goeran Gnaudschun

Der Kanadier David S. Craig hat mit „Agent im Spiel“ ein Stück geschaffen, das gesellschaftliche Relevanz unabhängig vom Ort schafft. In Kanada gilt es als erfolgreichstes Kinderstück und auf deutschsprachigen Bühnen steht es seit 2005 regelmäßig auf den Spielplänen.

Regisseurin Aurelina Bücher gelingt es nun in einer besonders humorvollen und zugleich berührenden Vorstellung, nicht nur Kinder ab neun Jahren und Jugendliche, sondern auch Erwachsene zu begeistern. Es ist am Ende ein lebensbejahendes Stück, in dem der Glaube an etwas, vor allem sich selbst, zur Prämisse wird. Ein Mensch kann mehr sein als das, was ihm andere zutrauen. So etwa Außenseiter Angelo, der aus Angst nie ein Tor schießt oder Zicke Melanie, die zum Spielball ihrer in Trennung lebenden Eltern wird. Gezielt wird auf eine einfache, jugendliche Sprache gesetzt und die kindliche Leichtigkeit herausgearbeitet. Mittels ausgelassener Tanzszenen wird sie unterstrichen – manchmal vielleicht ein wenig zu viel.

Die Handlung spielt vor einem modernen Haus, dessen Kellerwohnung durch ein kleines Fenster betreten wird. In dem von Alexandra Hahn erarbeiteten minimalistischem Bühnenbild aus einer grauen Hausfront, die Einblicke in das Innere nur durch Schattenspiele ermöglicht, beleben die vier Schauspieler die schwungvolle Inszenierung eines Spagats aus Realität und Fantasiewelt mit hoher Intensität und Ausdrucksfähigkeit – unterstützt durch die Kostüme von Grit Groß.

Die Schauspieler indes treiben die Handlung in rund einer Stunde voran, ohne Längen zu kennen. Rosario Bona sorgt bei den Zuschauern für herzhaftes Lachen, wenn er seine Umwelt imitiert oder unbeholfen durchs Leben streift. Gregor Knop spielt das Umzugskind mit einer Überschwänglichkeit und gleichzeitig einer starken Authentizität. Er taucht in seine Rolle ein, als wäre er selbst noch ein Kind. Leicht irritierend wirkt zunächst Barbara Fressner, die sich alterstechnisch nicht vom restlichen Ensemble unterscheidet. Im Laufe des Stückes ändert sich der Eindruck. Denn sie selbst wirkt mehr als Kind, denn als Mutter.

„Agent im Spiel“ ist das, was man als Sozialmärchen bezeichnen könnte. Trotz aller Probleme gibt es letztlich Lösungen und meist eine gehörige Portion Optimismus.

Von Christin Iffert

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