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Lehrer-Ehepaar macht ein Sabbatical

Potsdam Lehrer-Ehepaar macht ein Sabbatical

Eine Auszeit vom Beruf nehmen und dabei die Welt sehen – davon träumen viele. Carola Gnadt, Leiterin des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums, hat sich diesen Traum erfüllt. Gemeinsam mit ihrem Mann, ebenfalls Lehrer, nimmt sie ein Sabbatical. Am Dienstag ist sie in Potsdams Partnerstadt Sansibar angekommen.

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Carola und Dietmar Gnadt am Tag der Deutschen Einheit in Sansibar.

Quelle: privat

Potsdam. An einem Regentag während eines Portugal-Urlaubs hat Carola Gnadt die Entscheidung getroffen: Ich nehme eine Auszeit! Ich will etwas von der Welt sehen! An jenem Regentag griff sich die Leiterin des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums das Buch der Journalistin Meike Winnemuth, die bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ eine halbe Millionen Euro gewann, ein Jahr frei nahm und um die Welt reiste. „Das hat mich so fasziniert, dass ich dachte: Das müsste man auch mal machen“, sagt Carola Gnadt am Montagvormittag, während sie die letzten Reisevorbereitungen trifft, ganz ohne Jauchs Moneten als Tourtaschengeld. Am Montag um 22.15 Uhr hob ihr Flieger ab Richtung Sansibar, Potsdams neuer Partnerstadt. Die Schulleiterin ist dann mal weg. Und zwar nicht für einen kurzen Herbsturlaub, sondern für viele Monate.

Carola Gnadt (55) reist nicht alleine um die Welt. Gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar (57), Lehrer für Sport und Geografie und am Studienseminar als Lehrerausbilder tätig, nimmt sie ein Sabbatical, eine Auszeit vom Beruf. Dass man als Schulleiterin so etwas machen kann – „das wäre mir erst gar nicht in den Sinn gekommen. Ich dachte das ist nicht zu vereinbaren“, sagt Carola Gnadt. Aber nun sei der Zeitpunkt perfekt gewesen. Die nervenaufreibende Sanierung der Schule nebst Erweiterung ist abgeschlossen. „Außerdem arbeiten wir als Team“, sagt Carola Gnadt. Während ihrer Abwesenheit leitet Lutz Blum kommissarisch die Schule. Die Generalprobe ohne die Chefin haben ihre Kollegen bereits gut überstanden: Im Vorjahr wurde das Potsdamer Traditionsgymnasium beim Deutschen Schulpreis als eine der besten Schulen Deutschlands ausgezeichnet. Teil des Preises war eine vierwöchige Studientour für die Leiter der Siegerschulen nach Australien. „Während meiner Abwesenheit lief zu Hause alles reibungslos. Das war für mich das Signal: Du kannst auch mal weg sein“, erzählt die 55-Jährige. „Sonst“, betont sie, „hätte ich das nicht gemacht.“

34 Lehrer machen zur Zeit ein Sabbatical

Nach Angaben des Bildungsministeriums legen landesweit derzeit 34 Lehrkräfte eine Sabbat-Auszeit ein. Ein Sabbatical sei keine unbezahlte Freistellung, erklärt das Ministerium, sondern eine besondere Form der Teilzeitbeschäftigung, also auch in der Freistellungsphase gibt es die Teilzeitbesoldung weiter. Vergleichszahlen aus der freien Wirtschaft, wie viele Arbeitnehmer mal die Seele baumeln lassen, gibt es nicht. Dort ist es meist schwieriger, mit dem Arbeitgeber eine Auszeit auszuhandeln. „Für meinen Mann und mich ist die gemeinsame Zeit wie ein Geschenk“, sagt Carola Gnadt und betont, dass sie sehr verständnisvolle Vorgesetzte im Schulamt habe. Auch das Umfeld unterstützt die Pläne. Nach dem Haus in Borkwalde schauen die beiden erwachsenen Söhne, die in der Nähe leben. Die Nachbarn kümmern sich um die Katze.

Zunächst will das Lehrerpaar drei Wochen in Sansibar bleiben. Carola Gnadt reist mit Auftrag ihrer Schüler in die Partnerstadt. „Wir haben bereits eine Partnerschule in Ghana. Die Schüler wünschen sich, dass ich Kontakte zu einer Schule in Sansibar knüpfe“, sagt sie. Danach geht es weiter nach Kapstadt. Acht Wochen wollen Gnadts in Südafrika verbringen, einen Abstecher nach Mosambik machen. Ein ehemaliger Schüler schrieb ihr eine Mail und lud sie ein. Er ist inzwischen Schulleiter in Mosambik. Dann soll es weitergehen nach Chile und Peru. In Lima würde Carola Gnadt gerne die Deutsche Schule „Alexander von Humboldt“ besuchen, deren Vertreter sie bei der Verleihung des Schulpreises kennenlernte. Enden soll die Reise in den Vereinigten Staaten. Dort hofft Carola Gnadt auf einige ihrer Schüler zu treffen – als krönender Abschluss des Sabbaticals. Das Humboldt-Gymnasium beteiligt sich beim Kreativwettbewerb Odyssey of the Mind. Ende Mai stehen für die besten Teams die Weltmeisterschaften an, an einer Universität in den USA, dem Ursprungsland des Jugendwettstreits.

Sie wolle mit ihrer Tour auch ein Stück weit nachholen, was zu DDR-Zeiten nicht möglich war, erklärt Carola Gnadt. „Heute legen viele Schüler nach der 10. Klasse ein Auslandsjahr ein. Das ging ja früher nicht“, sagt die Pädagogin, die aber einen Teil ihrer Studienzeit in der ehemaligen Sowjetunion verbrachte. Einen 23 Kilo schweren Koffer hat Carola Gnadt mit auf die Reise genommen, die schon seit 1990 Lehrerin am Humboldt-Gymnasium ist. Viele Jahre war sie Vize-Rektorin ehe sie 2004, nach der Berufung Holger Rupprechts zum Bildungsminister, die Leitung übernahm. Am früheren Tag des Lehrers am 12. Juni will die Weltenbummlerin zurück sein und zum neuen Schuljahr wieder voll in den Lehreralltag einsteigen – mit vielen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck, von denen auch ihre Schüler profitieren sollen.

Benannt nach dem biblischen Sabbatjahr

Der Begriff Sabbatical stammt aus den USA und ist von dem biblischen Sabbatjahr abgeleitet, einem Ruhejahr für das Ackerland. Er beschreibt einen Zeitraum der beruflichen Teilzeitarbeit oder Auszeit, also eine Art Sonderurlaub.

Arbeitnehmer nutzen diese Zeit unter anderem für Weiterbildungen, Reisen, Promotionen, aber auch um sich um die Familie zu kümmern.

Von Marion Kaufmann

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