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Lesung der „Dritten Generation Ost“ in Potsdam

Biografie-Netzwerk der Wendekinder Lesung der „Dritten Generation Ost“ in Potsdam

Mit einer Lesung aus dem Buch „Dritte Generation Ost: Wer wir sind, was wir wollen“ stellen sich am Mittwoch Aktive des 2011 gegründeten Biografie-Netzwerks der Wendekinder im Café „Zweitwohnsitz“ vor. Am Sonnabend gibt es einen Workshop im „Madia“-Teeladen.

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Juliane Dietrich in Seifhennersdorf, dem Ort ihrer Kindheit.

Potsdam. Jubelnde Menschen im Fernseher sind Juliane Dietrichs Erinnerung an den Mauerfall. Einmal war die damals Siebenjährige mit der Mutter im Wendeherbst 1989 bei einer Kundgebung auf dem Sportplatz von Seifhennersdorf (Sachsen). Später fragten die Eltern, ob es in der Schule immer noch die gleichen Bücher gibt und man denn nun das Bild von Erich Honecker abgenommen habe? „Aus Erzählungen“ wisse sie, dass ihre Eltern „damals ganz euphorisch waren. Aber dann schlug das ganz schnell in Enttäuschung um.“

Juliane Dietrich (33) zählt unter ihrem Mädchennamen Cieslak zu den Autoren des 2012 im Christoph-Links-Verlag erschienenen Buchs „Dritte Generation Ost: Wer wir sind, was wir wollen“, das am Mittwoch im Café „Zweitwohnsitz“ vorgestellt wird. Wie emotional das Thema Ost-West in ihrer Generation noch besetzt ist, erlebte Dietrich erstmals beim Soziologiestudium an der Universität Potsdam, als sie in einer Diskussion die Meinung äußerte: „Ja, die Mauer gibt es immer noch in den Köpfen.“ Im Seminar gab es wütendes Pro und Contra. Eine Kommilitonin habe sie in der Pause beiseite genommen, um ihr zu sagen, dass diese Debatte „total daneben war: Aber Ostdeutsche rieche sie zehn Meilen gegen den Wind“. Empörung verursachte Dietrich auch später bei einem Seminar im Fach Sozialpolitik in Berlin-Zehlendorf, als sie kritisierte, dass die ostdeutsche Sozialpolitik nur als Fußnote abgehandelt wurde: „Ich würde mir wünschen, dass es eine objektivere Wissensvermittlung gibt“, schrieb sie. Die Professorin habe schockiert reagiert.

2011 war Dietrich Teilnehmerin eines dreitägigen Colloquiums, das zum Gründungstreffens eines Netzwerks „Dritte Generation Ostdeutschland“ wurde. „Für mich war das wie eine Initiation“, sagt sie: „Vorher hatte ich mich wie eine Alleinkämpferin gefühlt.“ Das von der Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützte Netzwerk schwärmte aus mit Lesungen, Seminaren und Ausstellungen. Im November 2013 war sie unter den Gästen eines Empfangs beim Bundespräsidenten. Einer These Joachim Gaucks widerspricht sie aber. Nach seiner Ansicht werden sich die Erfahrungen von Ost und West spätestens in der vierten, nach der Wende geborenen Generation angeglichen haben. Sie sagt: „Vielleicht ist das in dieser Generation noch kein Thema, weil sie sich bisher nur in ihren eigenen Kreisen bewegen.“

„Wer wir sind, was wir wollen“

Eine Vorstellung des Buches „Dritte Generation Ost: Wer wir sind, was wir wollen“ gibt es am Mittwoch um 19.30 Uhr im Café „Zweitwohnsitz“, Geschwister-Scholl-Straße 89.

Ein Biografieworkshop für die Dritte Generation Ost mit Juliane Dietrich wird am Sonnabend von 11 bis 17 Uhr im „Madia“-Teeladen, Lindenstraße 47, veranstaltet. Anmeldungen sind noch möglich per 0177/60 69 02 54.

Eine Lesung zur 1989 geborenen „Vierten Generation Ost“ gibt es am Mittwoch um 18 Uhr im Programm der Ausstellung „Wendekinder II“ in der Landeszentrale für politische Bildung, Heinrich-Mann- Allee 107 (Haus 17).

Zu den generellen Erfahrungen der Dritten Generation Ost zählt nach Ansicht von Juliane Dietrich: „Wir haben früh auf eigenen Beinen stehen müssen, weil unsere Eltern weder die finanziellen Ressourcen, noch das soziale Know how für das Leben in der neuen Gesellschaft hatten. Dazu gehört aber auch, dass unsere Eltern auf die Straße gegangen sind und eine friedliche Revolution herbeigeführt haben. Ich glaube, das ist uns gar nicht so bewusst: Dass unsere Eltern ein System gestürzt haben. Darauf können wir stolz sein.“

Von Volker Oelschläger

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