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Potsdam Letzte Runde für die Jute an der Nuthe
Lokales Potsdam Letzte Runde für die Jute an der Nuthe
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00:22 17.03.2019
Alexander Gottschald auf der Jute-Baustelle. Quelle: Stefan Gloede
Zentrum-Ost

Das Jutekiez genannte neue Wohnviertel zwischen der Lotte-Pulewka-Straße und der Nuthe geht in die Endrunde. Die 29 Eigentumswohnungen in dem denkmalgerecht sanierten Fabrikgebäude sind längst vergeben.

Jutekiez mit Werbung für Studentenwohnen Anfang 2018. Quelle: Volker Oelschläger

Und auch der ums Eck gezogene Wohnblock G, der das Quartier mit seinen fünf Geschossen zur Nuthe-Schnellstraße und zur Trasse der nach Berlin fahrenden Bahnen abschirmt, ist komplett vermietet.

Vor einem guten Jahr noch bewarb ein Großtransparent an der Fassade unter dem Stichwort „Studentenwohnen“ Ein- und Zweiraum-Appartements „ab 550 Euro“. Die 117 Wohnungen in dem Block sind zwischen 23 und 40 Quadratmeter groß, möbliert und kosten bis zu 800 Euro im Monat.

Dafür sei aber auch fast alles inklusive, sagt Jute-Projektmanager Alexander Gottschald. Wasser, Strom, selbst Wlan. Nur für die Waschmaschinen im Gemeinschaftsraum müsse man extra zahlen.

Die Jute vor der Sanierung. Quelle: Bernd Gartenschläger

60 Prozent der Mieter im Haus G seien Studenten, schätzt der Projektmanager. Unter den Bewohnern seien aber auch Beamte, Dozenten, Polizisten, „eine ganz unterschiedliche Kientel“.

Am 28. März ist das Richtfest für den Jutekiez. Im Herbst sollen auch die übrigen Blocks bezugsfertig sein, die sich in Hufeisenformation um das alte Fabrikgebäude ziehen: „Die ,Jute’ ist der Edelstein, der von der Umgebungsbebauung eingefasst wird“, hat Gottschald vor gut zwei Jahren bei einem Baustellenrundgang gesagt. 

Jute-Baustelle Anfang 2017. Quelle: Bernd Gartenschläger

Damals stand die Jutehalle mit ihren bereits restaurierten Türmen und Zinnen noch allein auf freiem Feld.

Mittlerweile sieht man sie aus Richtung Bahndamm/Friedrich-Engels-Straße nur noch in einem Sichtkorridor zwischen dem Studenten- und Beamtenwohnblock G auf der rechten und den noch Rohbaurümpfen für drei „Stadtvillen“ mit den Bezeichnungen C bis E auf der linken Seite Richtung Wiesenstraße.

Am Eingang zur Eigentumswohnanlage hat Gottschald eine „Ahnengalerie“ gestalten lassen, wie er es nennt. Fotografien, Fundstücke und Dokumente erzählen dort an einer Wand neben Fahrstuhl und Treppenaufgang von der Vergangenheit eines Quartiers, in dem Industriegeschichte geschrieben wurde.

Werbung für die Jute-Lofts in einem Verkaufsprospekt vor Baubeginn. Quelle: G+G

Die 1862 von den Gebrüdern Arntz am Nutheufer gegründete Fabrik war die erste Industrie-Spinnerei im Großraum Potsdam-Nowawes. Bis dahin wurden Textilien in Heimarbeit hergestellt. 1893 errichteten die Brüder mit der Fabrikhalle eines der ersten mehrgeschossigen Gebäude von Nowawes.

Die Roh-Jute aus Amerika, Indien und Russland kam per Schiff über eine Anlegestelle an der Nuthe direkt vor die Fabrik. Mit 327 Webstühlen war die Fabrik 1887 die zweitgrößte Jutespinnerei in Deutschland.

Aktuelle Aufnahme mit dem Blick auf die Jute und das Haus G. Quelle: Volker Oelschläger

Beim Luftangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14. April 1945 wurden große Teile der Spinnerei zerstört. Das Fabrikgebäude blieb erhalten. In der DDR diente es als Lagerhaus für Waren des täglichen Bedarfs. 

Nach der politischen Wende 1989 stand die Halle leer. Das 2,3 Hektar große Gelände mit dem einsamen Gebäude inmitten freien Feldes unmittelbarer vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof wurde zu einer der prominentesten Brachen der Landeshauptstadt.

2014 erwarb die von Gottschald vertretene Jutespinnerei Potsdam Vermögensverwaltung das Grundstück von der TLG Immobilien.

Historische Aufnahme der Jute-Spinnerei und Weberei mit Schiffsanleger am Nutheufer. Quelle: Stadtarchiv

Insgesamt sind auf dem Gelände rund 400 Wohnungen geplant. In dem zur Nutheschnellstraße weisenden Block F sollen 117 möblierte Wohnungen zu denselben Konditionen wie im Block G auf den Markt gebracht werden.

Das alte Fabrikgebäude wird von diesen Neubauten ebenso um ein Geschoss überragt wie von den fast fertiggestellten beiden Mietshäusern zur Lotte-Pulewka-Straße und den Stadtvillen an der Wiesenstraße, die Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmeter Fläche bekommen sollen. 65 Millionen Euro werden laut Gottschald insgesamt investiert.

Teure Studentenwohnungen und neues Streitpotenzial

Frei finanzierte möblierte Mikroappartements mit mehr als 500 Euro Monatsmiete für 20 Quadratmeter wie im Jutekiez werden in einer Analyse der Stadtverwaltung zu „Flächenpotenzialen für studentisches Wohnen“ zwar erwähnt. Allerdings ergänzt um den Hinweis, dass klassisches Studentenwohnen zu erschwinglicheren Preisen nur mit öffentlicher Förderung möglich ist.

Laut Analyse ist die Landeshauptstadt mit 2250 Wohnheimplätzen bei mehr als 26 000 Studenten absolut unterversorgt.

Neue Studentenwohnheime in Regie des Studentenwerks sind am Platz der Einheit neben dem Bildungsforum, im Hinterhof des Studentenwohnheims Breite Straße 2-4 und auf dem Bornstedter Feld geplant (MAZ berichtete).

Konfliktpotenzial birgt ein politischer Vorstoß der Linken, beim Land auf kostengünstige Überlassung des Ufergrundstücks zwischen dem Neubau der Investitions- und Landesbank und der Neuen Fahrt zu werben, um dort ein Wohnheim zu bauen.

Die Stadtverordnete Saskia Hüneke (Grüne) verweist darauf, dass auf diesen Flächen nach Auseinandersetzungen „bis zur Bundesregierung und dem Welterbezentrum“ der Unesco im Skandal um das Potsdam-Center kein Baurecht bestünde.

Von Volker Oelschläger

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