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Letzter Vorhang im Fraenger-Haus

Im Frühjahr beginnt die Renovierung / Nachlass des Kunsthistorikers kommt ins Landeshauptarchiv Letzter Vorhang im Fraenger-Haus

Was für ein schönes Haus, diese Villa, die der Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger kurz vor seinem Tod 1964 am Babelsberger Tschaikowskyweg ersteigerte. Bislang gehörte sie der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft und beherbergte Fraengers Nachlass.

Zugegeben: Die hohe Decke des Salon hat schon bessere Tage gesehen. Auch der Wintergarten, an dem die Mauerziegel hervorblitzen, wartet noch auf einen zweiten Frühling. Aber das Ambiente im Haus ist einfach unübertrefflich: Jugendstillampen, darunter Bücherstapel, die sich auf altersgebeizten Tischen und Regalen türmen. An den Wänden hängen Kunst-Preziosen wie etwa Holzschnitte von Max Beckmann, versehen mit einer persönlichen Widmung für den Freund Fraenger.

Gestern fiel nun der – vorläufig – letzte Vorhang für die regelmäßigen Salon-Veranstaltungen. Denn im Frühjahr kommen die Handwerker, um der Villa die dringend notwendige Verjüngungskur zu verpassen. Die neuen Hauseigentümer – der Meteorologe Klaus Knüpffer und seine Frau Ilse – machen es möglich: Das Rundumprogramm reicht von einem neuen Dach bis hin zu Rohren und Elektrik. Im ersten Stock wird das Ehepaar Knüpffer einziehen. Das Erdgeschoß will man in seinem aktuellen Stil bewahren. „Es könnte sein, dass die Möbel als Leihgabe vom Käufer übernommen werden“, erzählte gestern der Doyen der bisher im Haus ansässigen Fraenger-Gesellschaft, Wolfgang Hempel, über die Zukunftspläne. Das Käufer-Ehepaar Knüpffer hat keine feindliche Übernahme der Immobilie im Sinn. Auch nach der Renovierung soll es die beliebten Salon-Veranstaltungen geben – eventuell sogar noch in diesem Jahr, so Knüpffer. Was außerdem klar ist: Im März gehen die 4000-bändige Bibliothek, die Manuskripte und die Korrespondenz als Depositum ins Landeshauptarchiv nach Golm. Unklar ist hingegen, wann eine Fraenger-Stiftung ins Leben gerufen wird und was mit den Gemälden passieren wird.

Doch komme, was wolle: Hauptsache, die Salons haben auch in Zukunft ein ähnlich hohes und interessantes Niveau wie die gestrige Veranstaltung: Darin ging es um die Generation der Kriegskinder. Anders als die „Generation Golf“ oder die „Generation X“ hat sie bislang kaum Aufmerksamkeit erfahren. Jürgen Reulecke, Jahrgang 1940 und Professor unter anderem in Siegen und Gießen, ist Experte für Generationengeschichte. Seine spannende These: In der Forschung wird meist „die subjektive Erlebnisqualität von Geschichte unterschlagen“. Sprich: Gefühle werden ausgeblendet. Erst seit kurzem ist die „Psychohistorie“ ins Blickfeld geraten. Auch erst seit einem Jahrzehnt – seit dem 60. Jahrestag der Schlacht von Stalingrad – rückt das Schicksal der Kriegskinder in den Fokus: Aufgewachsen ohne Väter oder mit traumatisierten Vätern, mussten sie mit einer lebenslangen Hypothek zurechtkommen. Und es ist wahrlich keine kleine Minderheit, die unter dieser emotionalen Leerstelle leidet: Nach 1945 gab es in Deutschland über zwei Millionen Halbwaisen; beinahe jedes vierte Kind hatte seinen Vater verloren. (Von Ildiko Röd)

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