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Potsdam „Lieber schlecht fahren, als gut laufen!“
Lokales Potsdam „Lieber schlecht fahren, als gut laufen!“
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19:03 29.07.2018
Gotha-Gelenkwagen vor dem Nauener Tor. Quelle: Tram2000.de/Robert Leichsenring
Potsdam

32 Jahre lang waren die Fahrzeuge der Bauart Gotha bei der Straßenbahn in Potsdam eingesetzt. Überboten werden sie allerdings noch von den tschechischen Tatra-Bahnen, die seit 1978 an der Havel verkehren und es bis heute auf 40 Jahre bringen. Dass auch die neueren Fahrzeuge eine solche Lebensdauer erreichen werden, da muss man nicht unbedingt dran glauben, selbst wenn sich die Einsatzpannen reduziert haben.

Mittlerweile ist es 60 Jahre her, dass die ersten Gotha-Wagen nach Potsdam geliefert wurden. 1958 waren es zunächst zwei zweiachsige Beiwagen, die mit Altbaufahrzeugen zusammen eingesetzt wurden, genauso dann auch die bis 1960 beschafften sechs Trieb- und drei Beiwagen. 1961 kamen die ersten zwei vierachsigen Gelenkwagen nach Potsdam, diese Bauart war aus Trieb- und Beiwagen durch ein schwebendes Mittelteil verbunden und hatte im Volksmund auch den Namen „Zwei Zimmer mit Bad“.

Straßenbahnfahrer Gerhard Hein (64) fährt seit 1972 in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Fahrzeugbestand in der damaligen Bezirksstadt Potsdam wuchs in den folgenden Jahren kontinuierlich an, seit 1970 auch durch die Übernahme gebrauchter Fahrzeuge von anderen Verkehrsunternehmen. Damit konnten alle Vorkriegsbahnen ausgemustert werden. Den größten Bestand an Gotha- Wagen hatten die Potsdamer im Jahr 1977 mit 26 Trieb-, 49 Bei- und 19 Gelenkwagen.

1974 kamen erste Tatrazüge

Seit 1974 wurden zwei Tatra Baumusterfahrzeuge eines eigens für die DDR entwickelten Typs in Potsdam getestet, 1978 begann die Auslieferung der Serienbahnen. Als 1989/90 dann nicht weniger als 80 fast ungenutzte KT4D- Kurzgelenkwagen aus Berlin übernommen werden konnten, waren die Tage der Gothaer Fahrzeuge in Potsdam gezählt. Bereits im März 1990 endete ihr Linieneinsatz. In Potsdam kamen darüber hinaus auch die „Voraus-Bauart“, die sogenannten Lowa-Wagen, sowie die im Berliner Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide „gothaähnlich“ aus alten Vorkriegsbahnen aufgebauten Rekowagen zum Einsatz.

Technikgeschichtlich gehören Gotha-, Lowa- und Rekowagen zu den Einheits-Straßenbahnwagen. Während es im Eisenbahnwesen bereits ab den 1920er-Jahren Bestrebungen gab, die bis dahin vorherrschende ungeheure Typenvielfalt durch wenige Lokomotiven und Personenwagen in Einheitsbauart abzulösen, setzten sich solche Gedanken im Straßenbahnbau erst kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs durch.

Von der ersten Baureihe konnten nur 30 Beiwagen nach Berlin und Hannover ausgeliefert werden. Den Status einer Einheitsbauart hatten aber auch die sogenannten Kriegsstraßenbahnwagen, die ab 1942 hergestellt wurden und durch Kriegshandlungen verloren gegangene Fahrzeuge ersetzen sollten. Sie lehnten sich an bisher produzierte Modellen an, waren aber im Inneren sehr spartanisch ausgestattet, nach Potsdam gelangte auch diese Bauart nicht.

Blick in die historische Gotha-Bahn. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nach Kriegsende wurde der Gedanke der Straßenbahn-Einheitswagen wiederum in beiden deutschen Wirtschaftsgebieten aufgegriffen. In der späteren DDR wurde der Bau von Straßenbahnwagen zunächst dem Waggonbau in Werdau übertragen. Die dort ab 1950 hergestellten zweiachsigen Fahrzeuge bezeichnete man auch als Lowa-Wagen. 1954 wurde die Straßenbahnproduktion zum Waggonbau Gotha verlagert und das alte Lowa-Modell mit technischen Verbesserungen ausgeliefert.

Die Gothaer Waggonbauer hatten den Vorteil, Neu- und Weiterentwicklungen immer gleich „vor der Haustür“ ausprobieren zu können: Auf dem kleinen Netz der örtlichen Straßenbahn waren Fahrzeuge für den Stadtverkehr gefragt und die Thüringerwaldbahn zwischen Tabarz und Gotha ist eine Überlandstraßenbahn mit einer kurzen Stichbahn nach Waltershausen. Der Lowa-Typ wurde zunächst weiter produziert, bis 1957 der zweiachsige sogenannte Gotha-Wagen vorgestellt werden konnte.

1967 endete die Produktion

Während die Lowa-Wagen äußerlich eine schlichte winklige Form aufweisen, schauen die Gothaer und Reko-Fahrzeuge rundlicher aus. Letztgenannte wiederum kann man an den Seiten gut unterscheiden: Die Gotha- Wagen haben zwei doppelflüglige Türen und drei breite Fenster, die Reko Wagen dagegen zwei einfache Türen und vier schmalere Fenster. Front- und Heckpartie sind identisch. Durch die Verwendung alter Fahrgestelle war der Fahrkomfort der Reko-Wagen eher bescheiden, so gab es hier auch den Slogan „Lieber schlecht fahren, als gut laufen!“

Lowa-, Reko- und Gotha-Bahnen waren in fast allen Straßenbahnbetrieben des Landes eingesetzt, die Gothaer wurden auch in sehr großem Umfang in die Sowjetunion exportiert. In der DDR baute man relativ lange zweiachsige Straßenbahnen, entsprechend war die Konstruktion aber modern und ausgereift, außerdem wurde sie in kurzen Abständen überarbeitet. Nach einem Beschluss des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) endete die Gothaer Straßenbahnproduktion im Jahre 1967. Die DDR exportierte fortan Bahnen aus der CSSR.

In Potsdam sind heute noch ein ehemals Chemnitzer Drei-Wagen-Zug und ein Gelenkwagen als Museumsfahrzeuge erhalten. Beide Straßenbahnen kommen regelmäßig bei Sonderfahrten auf dem Streckennetz der Stadt zum Einsatz.

Straßenbahnen in Potsdam

Die Straßenbahn oder Tram begleitet die Geschichte der über 1000-jährigen Stadt inzwischen seit mehr als 135 Jahren.

Die Eröffnung der Pferdebahn im Jahre 1880 legte den Grundstein für das heutige Netz.

Von den Wagen der Waggonfabriken in Ammendorf und Niesky, über die Fahrzeuge der LOWA in Werdau und der Waggonfabrik Gotha reichte einst die Wagenpalette.

Heute prägen die modernisierten Tatra KT4D, die Combinos und die Variobahnen das Bild der Potsdamer Straßenbahn.

Zur Geschichte der Straßenbahn in Potsdam gibt es ein Buch von Ivo Köhler. Es ist bei Terra Press erschienen und kostet 20 Euro.

Von Christoph Pohl

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