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Linda Teuteberg (FDP): Lektionen in Demut

Kandidaten des Wahlkreises 61 im Porträt Linda Teuteberg (FDP): Lektionen in Demut

Linda Teuteberg blieb, als die FDP am Boden lag – jetzt scheint der Bundestag zum Greifen nah. Die 36-jährige Juristin ist Spitzenkandidatin der Liberalen für Brandenburg und im Wahlkreis 61. Am Ende wird es auch ihr zuzuschreiben sein, ob es der bundesweite Aufschwung, den die FDP gerade erlebt, bis in die Mark schafft.

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FDP-Spitzenkandidatin Linda Teuteberg ist fürs Studium nach Potsdam gekommen. Heute lebt sie in Babelsberg.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  Linda Teuteberg hat ihren zehnten Hochzeitstag mit Alexander Gauland (AfD) verbracht. „Politik an der Grenze“ hieß die Sondersendung, zu der Radio Eins aussichtsreiche Brandenburger Bundestagskandidaten zum Schlagabtausch nach Frankfurt (Oder) eingeladen hatte. „So sieht’s aus“, sagt Linda Teuteberg: „Ich bin in diesen Tagen viel unterwegs.“

Linda Teuteberg kandidiert für den Deutschen Bundestag: Als Spitzenkandidatin der Freien Demokraten für Brandenburg und im Wahlkreis 61 – und sie untertreibt. Sie ist nicht einfach nur „viel unterwegs“ in diesen Tagen. Die 36-Jährige, die als Juristin im Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeitet, hat sich für den Wahlkampf zwei Monate unbezahlt beurlauben lassen und ihren Erholungsurlaub, die Wochenenden und die Freizeit noch oben drauf gelegt. „Man setzt viel ein und muss viel tun“, sagt Linda Teuteberg, die auf weiten Strecken ihres Weges in Richtung Bundestag kreuz und quer durch Brandenburg auf sich allein gestellt ist. Ein hauptamtliches Wahlkampfteam gibt es nicht, nur ehrenamtliche Helfer und Unterstützer, denn mit der verlorenen Bundestagswahl 2013 und der ebenso vergebenen Landtagswahl 2014 schrumpften auch die staatlichen Zuschüsse und das Wahlkampfkonto der Partei. „Ich mache vieles selbst“, sagt Linda Teuteberg. „Es ist ein wahnsinniger Stress, das alles zu organisieren, aber ich mache es gern und mit viel Freude – ich mache das für die Demokratie.“

Sie diskutiert gern und will Potsdams Stimme in der liberalen Mitte sein

Dass die nicht selbstverständlich ist und – wie es so treffend heißt – jeden Tag neu erkämpft werden muss, begreift die Tochter einer Lehrerin und eines Maschinenbauingenieurs früh: „Ich war zwar noch sehr jung, aber ich habe die DDR und den Mauerfall sehr stark wahrgenommen“, sagt sie. Schon beim ersten Besuch in West-Berlin am 10. November 1989 habe sie sich mit der Großtante über den Senat unterhalten. Sie diskutierte eben schon damals gern. Heute will sie den Deutschen Bundestag wieder zum Ort grundlegender Debatten machen – und dort für die Potsdamer und Brandenburger die Stimme der liberalen Mitte sein.

 Geboren im April 1981 in Königs Wusterhausen und mit einem drei Jahre jüngeren Bruder im winzigen Görsdorf bei Storkow (Oder-Spree) aufgewachsen, interessiert sich Linda Teuteberg schon als Kind in der Provinz für Politik. Sie sagt: „Das hatte einfach mit Neugier zu tun.“ Als Mädchen blättert sie sich durch das Kinderlexikon „Von Anton bis Zylinder“, in Heimatkunde interessieren sie vor allem Biografien und die Ausflüge in die Geschichte. „Ich wollte wissen, was die Menschen in unterschiedlichen Zeiten bewegt, worüber man sich auseinandergesetzt hat.“

Als Schülerin hat sie Klaus Kinkel interviewt – das war der Anfang

Die Eltern fördern den Bildungshunger. Das Abitur legt Linda Teuteberg am katholischen Bernhardinum in Fürstenwalde ab. Dort schreibt sie für die Schülerzeitung über politische und zeitgeschichtliche Themen. Als der Wahlkampf den damaligen FDP-Bundesaußenminister Klaus Kinkel 1998 nach Fürstenwalde führt, soll sie ihn interviewen. Zur Vorbereitung studiert die 17-Jährige Parteiprogramme jeglicher Couleur. „Vor allem die Wiesbadener Grundsätze der FDP haben mich sehr angesprochen“, sagt sie. Ein Kernsatz: „Das größere Risiko liegt heute nicht darin, das Bestehende zu verändern, sondern darin, es nicht zu tun.“

Die Grundwerte und die Konsequenz der FDP überzeugen die Schülerin, faszinieren sie geradezu. Wählen darf Linda Teuteberg im September 1998 zwar noch nicht, im November tritt sie dafür bei den Jungen Liberalen ein. Die Eltern sind überrascht. „Ich habe nicht gefragt“, sagt Linda Teuteberg. „Ich habe das allein entschieden.“

Der Zank in den eigenen Reihen hat sie stark gemacht

Selbstbewusst und selbstbestimmt und auch mit einem gewissen Stolz geht Linda Teuteberg ihren Weg. Mancher spricht von Alleingängen. Und tatsächlich wird sie viele in den eigenen Reihen düpieren – aber über die FDP hinaus auch unmissverständlich klarmachen, was ihr Anspruch ist: mitzubestimmen. So zieht sie beim Bundesparteitag 2013 an ihrem Fraktionschef Andreas Büttner vorbei, der auf Vorschlag der Landespartei für den Bundesvorstand kandidiert – und eine Schlappe kassiert. Sie tritt ohne Votum der Landespartei aber mit Unterstützung von Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein an – und triumphiert. Beim folgenden Landesparteitag lehnt sie der Landesvorsitzende Gregor Beyer als Vize ab und schlägt Büttner für den Posten vor. Linda Teuteberg zieht nach langem Ringen zurück. Von Entfremdung und Zerrüttung ist damals die Rede, davon, dass Linda Teuteberg den Rückhalt der Landespartei verliere. Zur Landtagswahl 2014 tritt sie gar nicht erst an – und das Duo Beyer/Büttner nach dem Wahldebakel zurück. Zwei Jahre später nominiert die Landespartei Linda Teuteberg zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017. Das große Comeback, heißt es in den Nachrichten.

Dass es um sie nach dem Abgang aus dem Landtag ruhig geworden ist, weist Linda Teuteberg entschieden zurück. Sie habe ihr Engagement in der Partei, die ihre Kernbotschaften neu übedenken musste, nie aufgegeben, vielleicht sogar umso leidenschaftlicher verfolgt. „Glauben Sie mir, wir hatten viel Arbeit in den vergangenen vier Jahren. Allein zu reflektieren, woran es gelegen hat und was wir verbessern müssen, hat gedauert.“ In so einer Zeit lerne man die Demut kennen: „Die Demut, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir in den Parlamenten vertreten sind“, sagt Linda Teuteberg, „dass es unsere Aufgabe ist, darum zu kämpfen – mit guten Inhalten und Vorschlägen.“ Gab es in der Zeit, da die FDP am Boden lag, Angebote der Konkurrenz? „Die gab es aber früher auch schon“, sagt Linda Teuteberg mit wissendem Lächeln. „Ich bin eine überzeugte Liberale – etwas anderes kommt für mich nicht in Frage.“

Fräuleinwunder und Guidos Geheimwaffe

Dabei hat es die FDP in Brandenburg, in Ostdeutschland überhaupt, traditionell schwer. Nur zwei Mal schaffte sie es in den Potsdamer Landtag: direkt nach der Wiedervereinigung, da drückte Linda Teuteberg noch die Grundschulbank. Und zuletzt im Jahr 2009, da nahm die zierliche Blondine mit dem großen Durchsetzungsvermögen auf der Abgeordnetenbank Platz und sorgte – von der politischen Konkurrenz als Medienliebling, Fräuleinwunder und Guidos Geheimwaffe tituliert – für einige Furore. Man erinnere sich nur an ihren Sieg in Stefan Raabs Show „Absolute Mehrheit“ oder an den Auftritt in der Wahlsendung „Illner intensiv“ an der Seite von Guido Westerwelle, den sie verehrt.

„Wir brauchen in Deutschland eine liberale Kraft“, sagt Linda Teuteberg, die mit dem Slogan „Chancen sind überall zu Hause“ für sich wirbt. Bildung und Generationengerechtigkeit sind ihre großen Themen. „Bildung ist die Grundlage für das, was man aus seinem Leben machen möchte – egal, woher man kommt“, sagt sie und plädiert für „eine Politik, die rechnen kann.“ Nicht nur die Bildungsfinanzierung sei neu zu regeln, auch die Renten- und Gesundheitspolitik: „Wir leben von der Hand in den Mund – und vor allem auf Kosten derer, die noch kommen. Die Politik von heute muss auch die Bedürfnisse von morgen im Blick haben.“ – Linda Teuteberg hat viel vor. Am Ende wird es auch ihr zuzuschreiben sein, ob es der bundesweite Aufschwung, den die Liberalen gerade erleben, bis in die Mark schafft.

Elf Direktkandidaten im Wahlkreis 61

Im Wahlkreis 61, der Potsdam, sieben Gemeinden in Potsdam-Mittelmark und Ludwigsfelde umfasst, gibt es elf Kandidaten für das Direktmandat.

Die Kandidaten:  Saskia Ludwig (CDU), Manja Schüle (SPD), Norbert Müller (Die Linke), René Springer (AfD),  Annalena Baerbock (B90/Grüne), Linda Teuteberg (FDP), Irene Kamenz (Freie Wähler), Mario Berrios Miranda (DKP), Bettina Franke (Die Partei), Edmund Müller (Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen), Andreas Schramm (Piraten).

Die MAZ stellt die Kandidaten in loser Folge vor. Reihenfolge und Autoren wurden ausgelost.

Von Nadine Fabian

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