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Lob für Potsdam, aber Kritik an Asylpolitik

Flüchtlingspfarrer zieht erste Bilanz Lob für Potsdam, aber Kritik an Asylpolitik

Bernhard Fricke ist der einzige Flüchtlingspfarrer im Land Brandenburg. Nach knapp drei Monaten in diesem Amt zieht der evangelische Theologe eine erste Bilanz. Dabei findet er zwar Lob für Potsdam, kritisiert aber die Flüchtlingspolitik des Bundes und der EU scharf. Und auch in der Kirche sieht Bernhard Fricke Verbesserungsmöglichkeiten.

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Oberbürgermeister Jakobs mit Flüchtlingspfarrer Fricke

Quelle: Popp

Potsdam. Seit dem 1. Mai ist Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke im Amt. Am Donnerstag zog er bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Jann Jakobs eine erste Bilanz: „Ich bin sehr angetan von der Zusammenarbeit in der Stadt. Als Flüchtlingspfarrer habe ich sehr gute Arbeitsbedingungen vorgefunden, hier wird großer Wert auf Begleitung und Beratung von Asylsuchenden gelegt.“

Im Alltag begleitet der 58-jährige Theologe Flüchtlinge, er selbst beschreibt seine Arbeit als „einfach ein offenes Ohr haben“. Dabei steht die Religion für Fricke nicht im Vordergrund. „Wichtig ist der Einzelne“, so Fricke, „egal, ob Christ oder nicht. Dennoch hilft es mir natürlich, wenn jemand aus seiner Religion die Kraft für das langwierige Asylverfahren schöpfen kann.“

Hilfsbereitschaft in den Kirchengemeinden ist groß

Seine Position definiert Fricke dabei ebenso klar wie die Aufgabe seiner Kirche. Es sei wichtig, „von Anfang an mit Flüchtlingen zu arbeiten. Die Kirche kann daran großen Anteil haben, die Hilfsbereitschaft in den Gemeinden ist sehr groß.“ Allerdings sieht der Pfarrer auch im eigenen Haus Nachbesserungsmöglichkeiten – er wünscht sich offener gestaltete Gottesdienste, um auch Menschen aus anderen Kulturkreisen besser einbinden zu können. „Ich wünsche mir mehr spirituelle Begegnungen vor Ort“, fasst Bernhard Fricke zusammen.

Asylbewerber in Brandenburg

Statt der ursprünglich angenommenen Zahl von 14.000 Asylbewerbern in Brandenburg rechnet Ministerpräsident Dietmar Woidke mit 24.000 Neuankömmlingen in diesem Jahr.

Innerhalb des Landes werden geflüchtete Menschen auf die Kommunen aufgeteilt. Der Verteilungsschlüssel bemisst sich nach der Einwohnerzahl.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark muss nach diesem Schlüssel mit 8,4 Prozent die meisten der in Brandenburg lebenden Asylbewerber aufnehmen.

Das klingt zunächst nach vielen Menschen, doch auf 1.000 Einwohner in Potsdam-Mittelmark kommen nur 2,03 Asylbewerber. In Potsdam ist die Zahl noch geringer, hier gibt es 1,82 Asylsuchende pro 1.000 Einwohnern.

Der Platz wird dennoch knapp: in drei Zeltstädten mussten bislang 1.300 Plätze geschaffen werden. Diese sind keine Dauerlösung – sie sind nämlich nicht winterfest.

Doch nicht nur der Kirche gegenüber hat Fricke Wünsche, auch an die Politik stellt er Forderungen. Abschiebungen nach der Dublin III Verordnung in so genannte sichere Herkunfts- oder Drittländer kritisiert der Pfarrer scharf. „Wir als Kirche fordern die Anerkennung ausländischer Aufenthaltsgenehmigungen und damit die Gewährleistung der Freizügigkeit für Flüchtlinge“, sagt Fricke, „diese Dublin-Abschiebungen müssen eingestellt werden.“ Fricke, der jahrelang in Abschiebegefängnissen als Seelsorger arbeitete gerät in Rage, wenn er von den Jahre andauernden Fluchterfahrungen der Menschen spricht. Er kennt die Verzweiflung der von Abschiebung bedrohten Menschen. Dabei sei deren Einbindung so wichtig, denn, so Fricke, „dadurch, dass diese Menschen herkommen ändert sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kirche.“

Von Saskia Popp

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