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Potsdam Localize mischt sich wieder ein
Lokales Potsdam Localize mischt sich wieder ein
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20:22 26.10.2018
Die Orte, die Kunst und die Stimmung haben das Festival ausgemacht. 2010 fand Localize in der Stadt- und Landesbibliothek statt, bevor diese entkernt und umgebaut wurde. Quelle: Foto: Sebastian Gabsch
Potsdam

Das Localize-Festival für Stadt, Kultur und Kunst kehrt zurück. Anlässlich seines zehnten Geburtstags hat der dahinter stehende Verein angekündigt, dass das Festival im August 2019 nach dreijähriger Pause wieder die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stadtraum suchen wird. Der genaue Ort werde jedoch noch nicht verraten, um manche Abstimmung nicht zu gefährden.

2019 wird ein bereits belebter Ort neu interpretiert

„Die drängenden Fragen der Entwicklung der Stadt und der Partizipation der Menschen daran, bestehen in Potsdam immer noch. Wir werden jetzt allerdings keinen leeren Ort wiederbeleben, sondern einen Raum, der bereits genutzt wird, neu interpretieren und in Szene setzen“, sagt Vereinsvorstand Christian Müller-Lorenz.

Acht Mal fand das Localize-Festival zwischen 2008 und 2015 statt. Im Sommer 2019 soll es zurückkehren und sich dem Stadtraum wieder auf ganz eigene künstlerische Art widmen.

Vorher wird mit einer Fotoausstellung am 24. November Geburtstag gefeiert

Zuvor wird in wenigen Wochen das zehnjährige Bestehen des Festivals mit einem künstlerischen Pop-Up-Programm und einer Fotoausstellung gefeiert. Am 24. November lädt der Verein dazu ab 16 Uhr in die Gewölbehalle des Kutschstalls am Neuen Markt. Mit einer fotografischen Rückschau auf die Orte, die heute oft kaum mehr wiederzuerkennen sind, macht sich das Festival dabei auch selbst zum Thema.

„Das ist auch ein Aufruf an Mitstreiter, die sich für das kommende Festival 2019 engagieren wollen“, sagt Elena Arbter. Die Kulturwissenschaftlerin war selbst 2009 erstmals als Gast dabei, engagierte sich danach im Team und übernahm Anfang 2018 gemeinsam mit Christian Müller-Lorenz den Vereinsvorsitz.

ChristianMüller-Lorenz und Elena Arbter - die Vorsitzenden des Localize-Vereins Potsdam. 2012 war der zentrale ungenutzte Stadtkanal vom Festival mit Kunst geflutet worden. Quelle: Peter Degener

Mit der Untersuchung des Begriffs „Heimat“ begann Localize 2008

Verschlossene Orte für kurze Zeit zu öffnen war das Kernanliegen des Festivals, das vor zehn Jahren, im Oktober 2008 erstmals unter der Regie des Studiengangs Europäische Medienwissenschaften stattfand. Damals wurde der Begriff der „Heimat“ untersucht und zwei barocke Häuser in der Lindenstraße entrümpelt und zur Galerie samt Bühne gemacht. Aus dem Seminar wurde ein Verein, der immer wieder Orte aufschloss, zum Teil erst urbar machte.

Die Aktionen haben die Perspektive auf die Orte langfristig verändert

Die Stadtentwicklung war der Motor der Menschen hinter Localize. „Es geht uns um Transformation. Wie sah der Ort aus bevor wir kamen, wie sah er aus, als wir ihn uns angeeignet hatten und wie sieht er jetzt aus. Das bildet Stadtentwicklung ab“, sagt Anja Engel, die acht Mal als Festivalleiterin fungierte. „Unsere Aktionen haben oft die Perspektive auf die Orte langfristig verändert und waren auch ein Beweis, dass junge Menschen etwas aufziehen können. Das hat viele andere ermutigt“, sagt Engel, die mittlerweile das Kreativhaus Rechenzentrum managt.

Abschied von der Stadtbibliothek mit tausenden Festivalgästen

Die kritische, künstlerische Begleitung des Wandels der Stadt, das Umdenken vorhandener, aber ungenutzter Räume, zog tausende Menschen in Räume, die meist nur kurzzeitig aufgeschlossen waren oder vor einem radikalen Umbau standen. „Für viele Menschen ist zum Beispiel die Erinnerung an die Bibliothek am Platz der Einheit auch mit dem Festival als Abschluss verbunden – bevor sie sich so veränderte, dass man sie heute gar nicht wieder erkennt“, sagt Anja Engel.

Der erste Festivalort – die Lindenstraße 15. Das Team machte den ort wieder zugänglich. Anschließend war dort der temporäre „Zeitraum für Fotografie“ der Künstlerin Kathrin Ollroge. Heute wird dort Plauener Spitze verkauft. Quelle: Ana Lisa Calais

Die Suche nach geeigneten Orten führte an den Stadtrand und in Baulücken

Zuletzt wurde die Suche nach geeigneten Räumen immer schwerer. 2012 wurde deshalb unter den freien Himmel ausgewichen und der leere Stadtkanal mit Kunst geflutet. 2013 ging es erstmals an den Stadtrand, wo die leere Wartehalle des einstigen Hauptbahnhofs Pirschheide zur Kunsthalle wurde. Bei der Rückkehr ins Stadtzentrum ein Jahr später fanden die Organisatoren nur noch eine Baulücke und machten sich in einer Nische der Gutenbergstraße breit.

Mittlerweile wird „7 Sachen“ vom Localize-Verein finanziert

Beim achten Festival und bisher letzten Festival ging es ans andere Ende der Stadt nach Drewitz, wo ein Plattenbau vor seiner Sanierung ein neues Gesicht bekam. Seitdem war der Verein nicht untätig. Er gehört zu den Initiatoren des Formats „7 Sachen“, das regelmäßig Kulturschaffende unterhaltsam vernetzt und vom Verein getragen wird und hat mehrere kleinere Kunstaktionen finanziert.

„Die Lücke, die wir hinterlassen haben, hat sich nicht gefüllt“

Nach dem letzten Festival hatte das Team, das dem studentischen Leben entwachsen war, entschieden, dass es künftig nur kleinere Aktionen stemmen wolle. „Die Lücke, die wir hinterlassen haben, hat sich nicht gefüllt, die Diskussionen um die Stadt gehen aber weiter. Wir wollen deshalb unser Projekt fortsetzen und Außenstehende mit hineinholen“, sagt Elena Arbter.

>>>Fotoausstellung am 24. November, 16 Uhr im Kutschstall am Neuen Markt

www.localize-potsdam.de.

Von Peter Degener

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