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Potsdam Lösung für Seesportclub Potsdam möglich
Lokales Potsdam Lösung für Seesportclub Potsdam möglich
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06:05 14.12.2017
Slipanlage des Potsdamer Seesportclubs mit dem Blick zum Hans-Otto-Theater auf der anderen Seite des Tiefen Sees. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Babelsberg

Abend am Tiefen See. Das Tor zum Eingang des Seesportclubs ist nur angelehnt. Im Schaukasten Werbung für den Verein. „Was bieten wir: an Land Seemannsknoten, Wurfleine, Laufen, Tauklettern; im Wasser Segeln, Rudern, Schwimmen.“ Glutrot schimmert das angestrahlte Muscheldach des Hans-Otto-Theaters drüben am anderen Ufer. Im Hof des Bootshauses mit den zwei mächtigen Platanen ist es still. Betrieb war hier das letzte Mal Ende Oktober beim traditionellen Arbeitseinsatz der Mitglieder zum Saisonausklang.

Die Vereinsjugend trainiert jetzt in der Turnhalle der Goethe-Grundschule und zweimal wöchentlich im „Blu“ am Brauhausberg. Zur Weihnachtsfeier am 9. Dezember gab es Rouladen, Rotkohl und Klöße vom Babelsberger Fleischer Borgmann, einem Vereinsmitglied, und ein Kulturprogramm mit Andreas Hueck, dem Chef des Potsdamer Poetenpacks, als Dankeschön für die über drei Jahre gewährte Probemöglichkeit im Saal des Vereins.

Dem freien Theater, das im Bootshaus auch Lager und Werkstatt hatte, wurde zum Jahresende gekündigt. Die Wassersportler bekamen vor wenigen Tagen von der Schlösserstiftung ein Schreiben mit der Bitte um eine Terminvereinbarung zur Schlüsselübergabe.

Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Christin Stockhaus. Quelle: Bernd Gartenschläger

Zum Jahreswechsel soll der mit 130 Mitgliedern größte Seesportverein des Landes das Grundstück räumen, das ist der aktuelle Stand. Doch Christin Stockhaus (44), die stellvertretende Vereinsvorsitzende, glaubt noch immer nicht daran: „Wir haben keinen Plan B“, sagt sie auf die Frage, ob der Verein auf die Räumung vorbereitet ist.

Anfang der 1950er Jahre wurde das Bootshaus am Rande des Parks Babelsberg für die damalige Gesellschaft für Sport und Technik (GST) errichtet. 1998 überließ die Schlösserstiftung das Grundstück den Seesportlern für weitere 20 Jahre unentgeltlich – und ohne Verlängerungsoption. Seit fast zehn Jahren gibt es Pläne für einen Grundstückstausch zwischen Stadt und Stiftung, nach dem das Stadtbad Babelsberg Richtung Humboldtbrücke vorrücken soll – zum Seesportclub. Das bisherige Gelände der Badeanstalt soll mit einem „Drive“ genannten Panoramaweg wieder in die Parklandschaft integriert werden.

Rund 60 Teilnehmer sind am Neujahrstag beim Neujahrslauf in Stahnsdorf an den Start gegangen. Wir zeigen die schönsten Bilder. Quelle: Christel Köster

Seit mehreren Jahren wird in der Stadt nach einem neuen Platz für die Seesportler gesucht – bislang vergeblich. Neben der Halle und Wasserliegeplätzen für mehrere Dutzend Boote, neben Vereins-, Sanitär- und Büroräumen werden 3000 Quadratmeter Freifläche für das Seesportmehrkampftraining benötigt. Diskutiert wird auch die Kombination von Stadtbad und Seesportclub in einem Seesportzentrum. Geschätzte Kosten: 1,6 Millionen Euro.

Der jüngste, von Saskia Hüneke (Grüne) ins Spiel gebrachte Vorschlag ist ein Umzug des Seesportclubs auf die andere Seite der Humboldtbrücke zum Sportbootclub Havelland am Ufer vom Zentrum Ost: Die Idee „passt perfekt in unser eigenes Konzept“, sagt dessen Vorsitzender Frank Leutert. Er trägt sich mit der Idee eines „vereinsübergreifenden Jugendwassersportzentrums“, dafür sei allerdings politische Unterstützung erforderlich. Als erstes nennt er als Bedarf 40 zusätzliche Bootsliegeplätze und zwei zusätzliche Steganlagen.

Christin Stockhaus kam als Zwölfjährige zum Verein. Gleich im ersten Jahr startete sie in der Mädchenmannschaft bei der DDR-Meisterschaft für Junge Matrosen in Lübben. Schwimmen, Laufen, Segeln, Rudern, „das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt sie. Ihren Mann lernte sie im Seesportclub kennen, auch ihre drei Kinder trainieren im Verein.

Im Bootshaus des Seesportclubs Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert

Im Flur des Bootshauses und im Büro stehen Glasvitrinen mit silbernen und goldglänzenden Meisterschaftspokalen. Ende Juni waren die Potsdamer erstmals selbst Gastgeber der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Seesportmehrkampf. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gingen im Sportpark Luftschiffhafen 37 Mannschaften aus bundesweit 16 Vereinen an den Start.

Vor zwei Wochen beauftragte der Hauptausschuss den Oberbürgermeister mit neuen Verhandlungen. Erstes Ziel ist ein Moratorium, um die Räumung des Seesportclubs zum Jahreswechsel zu verhindern. Stiftungssprecher Frank Kallensee bestätigte am Mittwoch Gespräche dazu: „Dabei geht es um den Zeitraum, der für die Suche nach einer Lösung vor Ort notwendig ist, sowohl für die Verlagerung des Strandbades mit dem entsprechenden Grundstückstausch als auch für die Zukunft des Seesportclubs.“

Nach Rathausangaben wird bereits seit einem halben Jahr aktiv verhandelt. Aktuelle Variante ist ein Grundstückstausch mit Verlegung des Stadtbades zum Seesportclub. Der solle mit einer Abteilung auf dem Grundstück bleiben und ein neues Sportfunktionsgebäude bekommen, so der Bürochef des Oberbürgermeisters, Harald Kümmel, am Mittwochabend im Hauptausschuss.

Insgesamt rechne man bei einer Neuordnung mit einem finanziellen Aufwand von 3,2 Millionen Euro. Entschieden sei aber noch nichts. Als „Deadline“ für den noch immer akut gefährdeten Seesportclub nannte Kümmel den 20. Dezember. Dann tagt der Stiftungsrat.

„Wir warten den 20. Dezember ab“, sagt Christin Stockhaus. Käme eine Vereinbarung zwischen Stadt und Stiftung zustande, träte sie an diesem Tag in Kraft. Nächster Termin im Bootshaus ist der traditionelle Frühschoppen am zweiten Weihnachtsfeiertag – eine Feier, zu der auch Ehemalige kommen: „Da werden die alten Geschichten erzählt.“

Die Geschichte des Club- und Bootshauses

Das Club- und Bootshaus des Potsdamer Seesportclubs wurde 1953/54 im Auftrag der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) errichtet. DDR-weit soll es vier dieser nahezu identisch gestalteten Bootshäuser gegeben haben.

Ursprünglich von Gerhard Kröber für Halle an der Saale entworfen, wurde die Architektur des Typenbaus für den Park Babelsberg modifiziert – mit einer Pergola auf der Parkseite des Mittelbaus und einem Dreiecksgiebel als historisierendem Gestaltungselement für die Bootshalle.

1969 wurde auf der nordwestlichen Seite Richtung Stadtbad ein Erweiterungsbau errichtet. Um 1995 folgte der Bau einer separaten Steganlage für größere Motorboote und Yachten.

Von Volker Oelschläger

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