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Potsdam MAZ-Leser ermöglichen Rollstuhlschaukel
Lokales Potsdam MAZ-Leser ermöglichen Rollstuhlschaukel
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14:26 28.10.2016
So ein Spaß: Tonia Weidl durfte gestern mit Hilfe ihrer Betreuerin Jessica Berg anschaukeln – MAZ-Leser haben’s möglich gemacht. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Dieses Kribbeln im Bauch macht Tonia ganz verrückt. Sie neigt den Kopf, schmiegt sich fest in die Stütze ihres Rollstuhls und lacht ein stilles aber strahlendes Lachen. Tonia Weidl ist mehrfach schwerst behindert. Sie ist gelähmt, blind, spricht nicht. Die Welt aber ist der Zwölfjährigen nicht verschlossen. Sie kann fühlen, wie sich der Herbst klamm auf ihre Wangen legt, die nun ein wenig erröten. Sie hört fremde und vertraute Stimmen und ein Trommeln, das wie bestellt irgendwo hinter den Backsteinmauern aufbraust. Was, wenn nicht ein Tusch, wäre für diesen Moment angebracht?

MAZ-Leser spenden mehr als 20000 Euro

Tonia Weidl ist am Donnerstagnachmittag die erste, die die Rollstuhlschaukel im Sinnesgarten des Oberlinhauses ausprobieren darf. Darauf haben die Bewohner und Mitarbeiter eine gute Weile gewartet, denn so eine Schaukel gibt’s nicht von der Stange und ist auch teuer: 12 000 Euro. Im vorigen Jahr hatte die MAZ daher bei ihrer Weihnachtsaktion um Spenden für die Schaukel gebeten und die Leser haben sich nicht lumpen lassen. Ganze 23 224,23 Euro sind zusammengekommen. Das Oberlinhaus konnte die Schaukel – es ist die erste ihrer Art in ganz Potsdam – bestellen und im Mai aufbauen lassen. Doch benutzen durfte das knallrote Vehikel niemand. „Der Tüv hatte noch Forderungen“, sagt Katherine Biesecke, die das Kompetenzzentrum für Taubblinde am Oberlinhaus leitet. Nun ist zwar der Sommer ins Land gegangen, aber das Tüv-Siegel ist endlich da. „Und schaukeln kann man doch immer“, sagt Pfarrer Matthias Fichtmüller, Theologischer Vorstand des Oberlinhauses. „Schaukeln und Schokolade lösen Glücksgefühle aus.“

„Parktaschen“ für Rollstühle in Planung

Wie Tonia da sitzt und lacht und mit ihrem Rollstuhl sachte vor- und zurück schwingt, ist sie das beste Beispiel. „Durch ihre Behinderung kann Tonia an vielen Dingen nicht teilnehmen“, sagt Katherine Biesecke. Zwar ist auch im Sinnesgarten einiges für Tonia tabu – etwa die Rutsche. Trotzdem warten dort viele Anregungen auf das Mädchen: Tonia kann an den Kräutern, die in den Hochbeeten üppig gedeihen, schnuppern und an warmen Tagen die Füße in den kleinen Wasserlauf oder in den feinen weißen Sand stecken. Bald schon soll sie unter der alten Buche auf einem Thron Platz nehmen können. Die Bank, die einmal rund um den Stamm verlaufen soll und Einsparungen – gewisserweise Parktaschen – für Rollis bekommt, ist bereits in Arbeit. Weitere Elemente sind auf den Weg gebracht.

200000 Euro wird der Sinnesgarten gekostet haben, wenn er einmal komplett ist. Läuft alles nach Plan, soll es im Herbst 2017 soweit sein. Wer sich den Garten schon jetzt anschauen möchte, darf sich laut Matthias Fichtmüller ruhig trauen. „Wir sind ein Teil des Gemeinwesens“, sagt er. „Wir sind ein Teil von Babelsberg.“

Hilfe seit 1871

Die Anfänge des Oberlinhauses reichen zurück ins Jahr 1871. In seinen vielfältigen Einrichtungen wie der Oberlinklinik, dem Berufsbildungswerk, der Oberlinschule und den Aktiva-Werkstätten werden heute mehr als 30 000 Menschen betreut. Das Oberlinhaus zählt 1800 Mitarbeiter.

Spenden für die Arbeit und besondere Projekte werden auch weiterhin gesucht. Unter anderem möchte das Oberlinhaus Musik- und Theaterprojekte ermöglichen und einen kleinen Bauernhof aufbauen.

Wer helfen möchte, wendet sich an Stefanie Hahn von der Oberlinstiftung unter 0331/7635718 oder per E-Mail an Stefanie.Hahn@Oberlinhaus.de

Von Nadine Fabian

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