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Potsdam MAZ-Talk: Polizist und Ex-Dieb geraten aneinander
Lokales Potsdam MAZ-Talk: Polizist und Ex-Dieb geraten aneinander
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19:37 24.11.2017
Henry Lohmar, Peter Zingler und Alexander Gehl beim MAZ-Talk Quelle: Foto: C. Köster
Potsdam

Die Konstellation hatte was von „Räuber und Gendarm“: „Haben Sie einmal daran gedacht, was Sie den Menschen angetan hatten, bei denen Sie eingebrochen haben?“, fragte ein aufgebrachter Alexander Gehl, Präventionsexperte bei der Potsdamer Polizei. „Ich habe bei Menschen gestohlen, die ohnehin viel Geld hatten, die haben sich immer bei ihren Versicherungen gütlich getan“, erwiderte Peter Zingler, ehemaliger Profi-Einbrecher und heute preisgekrönter Autor von Romanen und mehr als 20 „Tatort“-Drehbüchern.

Wie wurden Sie zum Einbrecher? – Peter Zingler im Interview

Die beiden Herren saßen auf der Bühne des MAZ-Talks zum Thema Einbruchschutz am Donnerstagabend im Bildungsforum. Sie lieferten sich ein derartiges Scharmützel, dass Moderator Henry Lohmar, stellvertretender Chefredakteur der MAZ, immer wieder dazwischen gehen musste.

Zingler wurde schon als Kind kriminell

Zingler, 73, hat seine kriminelle Karriere längst hinter sich gelassen. Für seine früheren Opfer scheint er jedoch wenig Verständnis zu haben. Was den Beamten Gehl natürlich auf die Palme bringt. „Ich bin Polizist geworden, um den Opfern zu helfen und die geraten immer in den Hintergrund“, sagt er.

Zingler ist ein Nachkriegskind aus dem Rheinland, wurde schon als Kind kriminell. Damals hieß das Klauen „Fringsen“. Der damalige Erzbischof von Köln, Joseph Frings, hielt es für legitim, in der schweren Zeit für den Eigenbedarf zu stehlen. Mit 15 Jahren kam Zingler das erste Mal ins Gefängnis – Jugendarrest. „Mir hat das damals nichts gebracht“, sagt er heute.

Als er nach zwei Jahren wieder rauskam, fiel es ihm als Vorbestraften schwer, einen Job zu finden. Er begann eine professionelle Einbrecher-Karriere, spezialisierte sich auf Luxusgüter: teure Teppiche, Pelze, Schmuck. Dafür brach er meist in Geschäfte ein. Insgesamt zwölf Jahre verbrachte Zingler hinter Gittern. Der Sinneswandel trat ein, als ihm Sicherheitsverwahrung drohte. „Davor hatte ich Angst.“

Der frühere Einbrecher fing an, erotische Geschichten zu schreiben

Mit dem Schreiben begann er im Gefängnis. Erotische Geschichten – „klassische Knastliteratur“. Seine Geschichten waren so gut, dass Zeitschriften wie „Playboy“ und „Penthouse“ Geld dafür bezahlten. Zingler schrieb weiter – kurze Geschichten, Romane, Drehbücher. Inzwischen hat er 80 Drehbücher geschrieben, 21 davon für den Tatort. Auch bei ihm selbst wurde schon eingebrochen. „Es gibt kein größeres Leid auf Erden, als als Dieb bestohlen zu werden“, witzelt er. Als Insider weiß er: Die meisten Leute, die heute einbrechen, machen das nur laienhaft. Sie wollen schnell rein und schnell wieder raus. Deswegen rät er dazu, die Türen und Fenster gut zu sichern. Denn je länger es dauert, die zu knacken, desto eher lassen die Einbrecher davon ab.

Das kann auch Polizist Alexander Gehl bestätigen, der in und um Potsdam Bürgerberatung zum Thema anbietet. Zwar gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, doch könne man viel tun, um sich zu schützen. Gehl empfiehlt, abseits der klassischen Sicherungstechniken weitere Vorkehrungen zu treffen: etwa keine Gartenmöbel oder Mülltonnen draußen stehen zu lassen. Die können als Einstiegshilfe dienen. Die Nachbarn bitten, im Urlaub den Briefkasten zu leeren. Die Fenster nicht angekippt zu lassen. Bei der Verfolgung der Diebe brauche die Polizei Unterstützung, gibt er zu bedenken. „Das geht nur mit Ihnen als wachsame Bürger. Wählen Sie im Zweifel die 110.“

Etwa 50 Menschen waren zum MAZ-Talk im Rahmen der Themenwochen „Mit Sicherheit“ gekommen. Einige waren selbst einmal Einbruchsopfer, schüttelten bei vielen Aussagen Zinglers den Kopf. Die meisten Publikumsfragen zielten aber auf das abenteuerliche Leben Zinglers ab. „Hat Ihnen Ihre Zeit im Gefängnis denn beim Schreiben geholfen?“ möchte jemand wissen. „Natürlich“, sagt Zingler. „Nirgends bekommen Sie so eine großartige Fantasie wie hinter Gittern.“

Von Annika Jensen

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