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Machtwort des Landes im Synagogenstreit

Grundsatzentscheidung zum Bau fällt Anfang Juni Machtwort des Landes im Synagogenstreit

Die drei orthodoxen jüdischen Gemeinden in Potsdam haben erhebliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich Staatssekretär Fassade, Raumaufteilung und Trägermodell der geplanten neuen Synagoge. Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) kündigte nun an, das im Zweifel nicht die Nutzer entscheiden, sondern die Landesregierung.

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Modell des geplanten Synagogenneubaus in der Schlossstraße 1, im Hintergrund das neue Stadtschloss.

Quelle: Jost Haberland

Potsdam. Wesentliche Entscheidungen zum Bau einer neuen Potsdamer Synagoge in der Schlossstraße 1 werden im Zweifel ohne Beteiligung der potenziellen Nutzer gefällt. Das gab Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) am Mittwoch im Kulturministerium bekannt. Grund sind erhebliche Meinungsverschiedenheiten der drei orthodoxen jüdischen Gemeinden zu Fassadengestaltung, Raumaufteilung und Trägermodell, bei denen in absehbarer Zeit keine Einigung absehbar sei. "Insofern", so Gorholt, "muss die Landesregierung entscheiden".

Er nannte drei Varianten zum weiteren Vorgehen: Abschluss einer Vereinbarung mit wenigstens zwei der drei Gemeinden, Absage des Projekts oder Verschiebung einer Entscheidung in die nächste Legislaturperiode. Sollte die für Anfang Juni angekündigte Entscheidung positiv ausfallen, könnte die Synagoge bis 2017 errichtet werden, so der zuständige Technikgeschäftsführer des Landesbetriebes für Liegenschaften und Bauen (BLB), Norbert John. Im Falle einer Absage bliebe das Land "nicht ohne Synagoge", wie Gorholt mit Verweis auf das jüdische Gotteshaus feststellte, das im November in Cottbus eröffnet werden soll.

Zu den akuten Konfliktpunkten zählt die Frage, ob der Synagogenraum in der ersten Etage platziert wird, das will die Synagogengemeinde, oder ob er zum Himmel unters Dach kommt, das fordern die Jüdische und die Gesetzestreue Gemeinde. Umstritten ist auch die vom Land geforderte Einrichtung eines Stiftungsrates mit umfassenden Entscheidungskompetenzen zum Betrieb der Synagoge, in dem neben den jüdischen Gemeinden das Land und die Stadt Sitz und Stimme haben sollen. Laut Gorholt soll so gesichert werden, dass die Synagoge ein offenes Haus für alle bleibt.

Streit um neue Synagoge

  • Die Landeshauptstadt hat zur Zeit drei orthodoxe jüdische Gemeinden. Die Jüdische Gemeinde Potsdam als älteste zählt 400 Mitglieder, die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde hat 250 Mitglieder, die 2009 gegründete Synagogengemeinde Potsdam hat 180 Mitglieder. Die drei Gemeinden sind zerstritten.
  • Architekt Jost Haberland hatte 2009 einen ersten Entwurf für die neue Synagoge vorgestellt. Bis heute darüber gestritten. Dabei gibt es auch Kritik an der Rolle des Landes. Shimon Nebrat von der Gesetzestreuen Gemeinde forderte erst kürzlich nach dem Bekanntwerden der Pläne für einen Stiftungsrat unter Beteiligung von Stadt und Land die Ablösung von Staatssekretär Gorholt als Synagogenbeauftragtem des Landes.
  • Die frühere Potsdamer Synagoge am Platz der Einheit wurde in der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 von den Nazis verwüstet, beim Bombenangriff am 14. April 1945 schwer beschädigt und 1957 abgetragen. An dem später an dieser Stelle neben der Hauptpost errichteten Wohnhaus befindet sich eine Gedenktafel.

Am Mittwoch stellte der Staatssekretär eine Reihe von Festlegungen vor, die nicht mehr zur Diskussion stehen. Der umstrittene Stiftungsrat ist nun gesetzt. Fest steht ebenso, welche der über Jahre diskutierten fünf Raumvarianten für den Synagogenneubau zum Einsatz kommt: Die Variante drei hat im Erdgeschoss einen Verwaltungstrakt, im ersten Obergeschoss einen multifunktionalen Veranstaltungssaal, im zweiten Obergeschoss den Synagogenraum, der mit neun Metern eben so hoch wird wie der Plenarsaal im benachbarten Landtagsschloss.

Überarbeitet hat der Architekt Jost Haberland den Entwurf für die Fassadengestaltung, die mit ihrem flächigen Grau als bunkerähnlich kritisiert wurde. Markantes Detail ist ein drei Meter hoher, aus vergoldeten Metallornamenten gebildeter Dachkasten über dem Synagogenraum, der nach innen Tageslicht einlässt und außen kronengleich glänzt. Aufgesetzt auf das 17 Meter hohe Gebäude, wird die Krone die Dachlandschaft der Innenstadt überragen. Das aus Davidsternen zusammengesetzte Motiv des Ornaments wird auch bei dem sieben Meter hohen Eingangstor verwendet.

Das Land wird laut Gorholt den bis zu 6,4 Millionen Euro teuren Bau der Synagoge und die künftigen Betriebskosten von jährlich 300000 Euro tragen. Den Potsdamer Gemeinden stünde es frei, dieses Haus zu nutzen: "Wir haben nicht vor, für jede jüdische Gemeinde in Potsdam eine Synagoge zu bauen."

Ud Joffe, der Vorsitzende der Synagogengemeinde, kündigte eine Verfassungsklage an. Er warf dem Ministerium Verstoß gegen Absprachen vor und fragte, in wessen Auftrag Gorholt handele, wenn nicht im Auftrag der jüdischen Gemeinden.

Von Volker Oelschläger

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