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Potsdam Mädelsabend mit Latin Lover und Girlie-Oma
Lokales Potsdam Mädelsabend mit Latin Lover und Girlie-Oma
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21:18 10.07.2016
Mit goldener PRS: Superstar Carlos Santana. Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth
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Potsdam, Innenstadt

Der Mann fackelt nicht lange. Zehn Minuten dauert das Vorspiel. Sehnsuchtsvolle Gitarre, warme Worte. „Schön hier, unglaublich. Und es riecht auch so gut“, haucht Carlos Santana am Samstag zu fortgeschrittener Stunde in den Potsdamer Lustgarten. Dann kommt er zur Sache. „Lasst uns die Frauen glücklich machen! Jetzt!“, ruft er und setzt an zu „Maria Maria“, der Hymne auf die traurig-stolze Geliebte aus Spanish Harlem. Carlos gibt – und das ist eigentlich ein Widerspruch – den Latin Lover ganz ohne Machoanspruch. Er legt fingerfertig Hand an seine goldene PRS, lässt zwei Sänger die Begleitmusik zu seiner Saitenkunst besorgen – und schon hat er sie. Die Potsdamer Frauen, Zehntausende an diesem Abend, liegen ihm zu Füßen. Und das nicht nur, weil der bald 69-Jährige nebenbei ein Unternehmen für Damenschuhe und Handtaschen führt.

Carlos Santana, der Gitarrengott aus den Staaten, für lau in einer lauen Sommernacht beim 16. Potsdamer Stadtwerke-Fest. Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Auch fürs Konzern-Marketing nicht. Wenn Carlos’ Gitarre weint, um beim nächsten Titel den Samba-Rhythmus über den Platz zu jagen, denkt an diesem Abend für die treuen Kunden niemand an Affären und Untreuevorwürfe. Das Wechselbad aus langsamem Sahnesound und sattem Latin-Rock, begleitet von Videos afrikanischer Stammestänze und Slumszenen auf Großleinwand, lässt keinen Platz für kommunale Nicklichkeiten. Hier singt einer vom Weltfrieden. Weltmusik auf Weltniveau, neben dem Abriss-Streitobjekt Mercure.

Zwei junge Frauen nehmen den Rhythmus auf, fassen sich an den Händen und testen die Tanzschulenschritte auf der Wiese vor der großen Bühne. Rechts vor, links vor, Hüftschwung. Die emanzipierten Männer lassen nur lässig die Fingerspitzen tanzen. Jene, die sich zum Tanzkurs schleppen ließen und so taten, als gingen sie aus freien Stücken mit, legen beherzt den Arm um ihre Begleiterin, beziehen vor dem überfüllten Bierstand Position und beweisen, dass sie bei „Bota Fogo“ nicht nur an einen brasilianischen Fußballverein denken.

Santanas „Black Magic Woman“ ist bei ihm auf der Bühne. Ehefrau und Jazz-Drummerin Cindy Blackman sitzt in Glitzerpullover am Schlagzeug, lässt die bezaubernden Afrolocken fliegen und besorgt den energetischen Trommelwirbel für ihren Gatten, den Frauenversteher und Weltverbesserer, der schon 1969 in Woodstock mit einer Gibson SG Liebe predigte.

Potsdam, 9. Juli 2016 – Beim diesjährigen Potsdamer Stadtwerkefest standen wieder Stars von lokal bis international auf der Bühne: Caro Jordanow, Mia, Six, Cyndi Lauper und Carlos Santana.

Den grandiosen Mädelsabend läutet vorher Girlie-Omi Cyndi Lauper ein. Wie ein Derwisch fegt die 63-Jährige mit schwarzen Puffärmeln und pinkem Spaghettihaar über die Bühne, jodelt, rockt, ruft „Dankeschöns“ in die Menge und erklärt den Potsdamer Girls, warum sie einfach mal ein bisschen Fun haben sollen. Dass die 80er-Jahre-Ikone aus New York keine Fotoaufnahmen aus der Nähe duldet, lässt man ihr da gerne durchgehen. Vielleicht gar keine Starallüren, sondern normales weibliches Zierverhalten. Wie Mädchen eben so sind.

Das weiß auch Mieze Katz, Sängerin der Berliner Band Mia, die mit „Biste Mode“ nicht etwa über Santanas Handtaschenentwürfe, sondern – mit schwarzem Lackrock und hautfarbenen Knieschützern – über die Fettnäpfchen des menschlichen Zusammenlebens sinniert.

Kein reines Frauenproblem. Über „Gefallene Engel“ können auch die Jungs von Six aus Jüterbog (Teltow-Fläming) ein Lied singen. Überhaupt kommen auch die Herren an diesem Abend auf ihre Kosten. Vor allem jene Exemplare, die im Hobbykeller Gitarrenriffs üben und nun neidlos anerkennen, dass Carlos eine Klasse für sich ist. „Er war geil drauf heute“, sagen die Männer nach dem Konzert. Ja, er war gut. Zwei Stunden Vollgas, mit Hingabe. Aber eine Kleinigkeit hat er vergessen. Zum ganz großen Glück fehlt was. Keine Zugabe. Kein „Samba Pa ti“! Den Eheanbahnungsschmachter lässt er einfach weg, deutet ihn nur an.

Die Frauen lieben ihn trotzdem. Die Männer auch. Sie können im trauten Heim noch glänzen und zum Ausklang des Abends die CD auflegen. Santana hat den Titel bestimmt mit Absicht vergessen. Gegessen wird zu Hause. Ein wahrer Frauenversteher.

Von Marion Kaufmann

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