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Manfred Stolpe geißelt Mercure-Abriss

Streit um Hotel in Potsdam Manfred Stolpe geißelt Mercure-Abriss

Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe geht in der Diskussion um die Zukunft des Hotels auf Konfrontationskurs zu seinem Parteifreund, SPD-Oberbürgermeister Jann Jakobs. Dieser favorisiert seit langem den Abriss. Stolpe rät den Mercure-Betreibern nun, eine Schadensersatzklage gegen die Stadt anzustrengen – wegen Geschäftsschädigung.

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Das Mercure-Hotel: Ein städtisches Wahrzeichen aus DDR-Zeiten.

Quelle: Archiv

Potsdam. In die Diskussion um den Kauf des Potsdamer Mercure-Hotels mit städtischen Mitteln und den anschließenden Abriss schaltet sich nun ein prominenter Kritiker dieser Pläne ein. Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) warnte am Freitag davor, die Befindlichkeiten und die Stimmungslage im Rest des Landes zu vernachlässigen. „Es wird außer Acht gelassen, dass die Mehrheit der Brandenburger in schwierigen Regionen lebt und die Potsdamer Ideen für Übermut hält“, sagte Stolpe im Gespräch mit der MAZ. Er rate den Potsdamern, bei solchen Entscheidungen zu bedenken, „dass sie Landeshauptstadt sind und deshalb verpflichtet, an die anderen Menschen im Land mitzudenken“.

Der frühere Landesvater fühlt sich gar an den Abriss des „Palasts der Republik“ in Berlin erinnert: „Auch da soll ein Stück Vergangenheit ausgemerzt werden.“

Aufgrund seiner täglichen Begegnungen und in vielen Gesprächen hat Stolpe zudem die Überzeugung gewonnen, dass auch die Mehrheit der Potsdamer ganz andere Sorgen als einen Mercure-Abriss hat. Deshalb sei es angeraten, ein Meinungsbild einzuholen, empfiehlt der frühere Spitzenpolitiker: „Das ist ein Fall für eine regulierte Bürgerbefragung.“ Dies ist auch seit Längerem die Forderung des Potsdamer Linken-Fraktionschefs Hans-Jürgen Scharfenberg, der die aktuellen Mercure-Pläne für „eine Farce“ hält, wie er am Freitag sagte.

Manfred Stolpe

Manfred Stolpe

Quelle: Ralf Hirschberger

Mit seiner Pro-Mercure-Position geht Stolpe auf deutliche Distanz zu Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Der Rathaus-Chef favorisiert seit Langem den Abriss des Hotel-Hochhauses aus DDR-Zeiten. Wie berichtet, plant die Stadtverwaltung nun in der Stadtverordnetensitzung am 27. Januar einen erneuten Vorstoß, um den Koloss gegenüber vom Landtag loszuwerden und ihn durch eine „Wiese des Volkes“ zu ersetzen – vorausgesetzt, das Ganze kann bezahlt werden. Vonseiten des städtischen Sanierungsträgers heißt es dazu, dass der Kauf des Hotels und dessen Abriss eventuell aus Fördermitteltöpfen finanziert werden könnten sowie aus Grundstückserlösen: „Möglicherweise unter anderem durch den Verkauf von Bauflächen am Bahndamm und auf dem Lustgarten-Stadtplatz vis-à-vis vom Filmmuseum“, präzisierte der Geschäftsführer des Sanierungsträgers, Bert Nicke, kürzlich die möglichen Geldquellen. Ob Mittel aus dem Treuhandvermögen des Sanierungsträgers fließen können, müssten allerdings die Stadtverordneten beschließen.

Stolpe empfindet die ganze Debatte um Kauf und Abriss als verfehlt. „Das heute als eine zentrale Aufgabe für Potsdam anzusehen, halte ich nicht für angemessen“, sagte er: „Man hat den Eindruck, Potsdam schwimmt im Geld.“ Dass Landes- und Bundesmittel für die Pläne zur Verfügung gestellt werden, hält er zudem für unwahrscheinlich: „Das würde mich sehr wundern.“

Den Betreibern des umstrittenen Hotels stärkt Stolpe den Rücken. Direktor Marco Wesolowski hatte am Donnerstag in der MAZ die Auswirkungen der Abriss-Diskussion geschildert: Immer mehr potenzielle Gäste fragten telefonisch an, ob das Hotel in ein paar Monaten überhaupt noch stehen würde. Diese Entwicklung ist in den Augen des studierten Juristen Stolpe nicht länger hinnehmbar. Es sei „geschäftsschädigend, was da seit Monaten passiert“. Seine Empfehlung an die Mercure-Betreiber: „Eine Schadensersatzklage gegen die Stadt.“

Kirchenmann und Landesvater

Manfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin geboren. Nach dem Jura-Studium in Jena war er von 1959 bis 1969 bei der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Von 1969 bis 1981 leitete er das Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, von 1982 bis 1990 war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg tätig und war stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.

Seit Juli 1990 ist Stolpe Mitglied der SPD. Im selben Jahr wurde er Ministerpräsident des Landes Brandenburg. 2002 trat er zurück. Von 2002 bis 2005 war er Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen im zweiten Kabinett Gerhard Schröders. Stolpe lebt mit seiner Ehefrau Ingrid,

Von Ildiko Röd

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