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Potsdam Jiguritto ist wieder zu Hause
Lokales Potsdam Jiguritto ist wieder zu Hause
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20:11 28.08.2018
Sigrid Meesmann hatte während des Freiwilligen Sozialen Jahres immer wieder Gelegenheit, durch Japan zu reisen und Land, Leute und Kultur kennenzulernen. Quelle: privat
Potsdam

Mit allem hatte Sigrid Meesmann gerechnet, nur nicht mit dem Heimweh. Sie sei ein Mensch, der eher in die Ferne schweift, sagte sie, als sie vor einem Jahr von Potsdam Abschied nahm und nach Japan aufbrach. Nun ist Sigrid Meesmann wieder da und muss gestehen, dass es ihr 9000 Kilometer jenseits von Daheim manchmal ganz schön schwer ums Herz wurde. Besonders schlimm war’s zur Halbzeit: Als in Japan die Kirschblüten aufbrachen, war die Welt für Sigrid alles andere als rosarot. Öfter als gedacht klingelte da das Telefon in Potsdam – ein bisschen Nestwärme tut eben auch mit zwanzig wohl. „Das Jahr war ’ne richtig gute Erfahrung“, sagt Sigrid. „Ich habe viel gelernt. Ich bin mir selbst näher gekommen.“

Ging in Erfüllung, wovon Sigrid jahrelang geträumt hatte?

Nach dem Abitur an der Voltaire-Schule war Sigrid Meesmann von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD) für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Hiroshima ausgewählt worden. Aber: Ging damit wirklich in Erfüllung, was sich Sigrid seit der 5. Klasse in ihren buntesten Mangamädchenträumen ausgemalt hatte?

Sigrid Meesmann liebt japanische Comics. Seit der fünften Klasse übt sie sich selbst im Manga- und Animezeichnen. Nach einem Jahr in Fernost weiß sie, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen möchte.

Ja. Und nein. So gut sie auch vorbereitet gewesen sei: „Einige Dinge haben mich sehr überrascht“, sagt Sigrid Meesmann. Bestes Beispiel: die Arbeitswelt. „Wenn du etwas falsch machst, sagt dir das niemand – höchstens mit Blicken. Man muss allein herausfinden, was genau nicht stimmt.“

Sigrid Meesmann hat in einer Kita gearbeitet. Die Kinder haben die junge Frau mit den roten Locken und der runden Brille auf Anhieb gemocht und ein paar Tränchen vergossen, als „Jiguritto“ wieder gehen musste. Sie haben ihr eine Medaille überreicht, für sie gebastelt, sie gemalt. „Das ist mir schon ganz schön nah gegangen“, sagt Sigrid Meesmann – und das ist ein kleines Wunder, denn Sigrid und die großen Emotionen, das waren bisher nicht die dicksten Freunde. Die 20-Jährige ist introvertiert. Sie zieht sich gern zurück und beschäftigt sich in aller Ruhe mit den Dingen, die sie erfüllen, am liebsten mit dem Zeichnen. Das war schon immer so, sagen die Menschen, sie gut kennen.

Erwachsener geworden – aber immer noch ein Kindskopf

Am besten kennt Sigrid wohl Sigrid – jetzt nach der großen Reise in die weite Welt, sogar besser als je zuvor. „Ich weiß jetzt, was ich gut finde und was nicht – und kann das auch äußern und dazu stehen“, sagt Sigrid. Menschen ansprechen, mit Fremden ins Gespräch kommen, mal einen Konflikt durchstehen – auch das falle ihr nun leichter. „Ich bin selbstbewusster aus Japan zurückgekehrt“, sagt Sigrid. „Ich bin erwachsener geworden – aber ich bin auch immer noch der Kindskopf.“ Und in dem ist gerade ziemlich viel los.

In Japan hat sie erkannt, dass es nicht das Richtige für sie wäre, Psychologie oder Pädagogik zu studieren oder in den sozialen Bereich einzusteigen. Die Arbeit mit den Kindern sei zwar schön gewesen, aber Sigrid möchte nun doch ihr Hobby zum Beruf machen und sich an der Filmuniversität Babelsberg für ein Animationsstudium bewerben. So viel sie auch zu tun hatte im FSJ, so viel sie in der Freizeit auch in Fernost herumgereist ist – sie ist dran geblieben am Manga- und Anime-Zeichnen. „Mein Skizzenbuch ist voll“, sagt Jiguritto.

Bevor sie sich aber an die Bewerbungsmappe setzt, bestimmt noch einmal das FSJ ihren Terminkalender. Gerade steckt Sigrid in der abschließenden Seminarwoche, bei der sie mit anderen IJGD-Freiwilligen den Einsatz in Japan auswertet. Dass sie eines Tages dorthin zurückkehren wird – keine Frage. „Ein Leben dort wäre schon sehr schön“, sagt Sigrid. Ende gut, alles gut. Oder wie’s in Japan heißt: „Happi Endo.“

Von Nadine Fabian

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