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Potsdam Manja Schüle versucht es ohne große Klappe
Lokales Potsdam Manja Schüle versucht es ohne große Klappe
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11:33 23.08.2017
SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle im Strandbad Babelsberg. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Vor ein paar Jahren, da ging Manja Schüle zur Bundeswehr. Sie fuhr ins niedersächsische Munster ins Ausbildungszentrum, wurde in Uniform eingekleidet und legte den Eid ab. Nein, Schüle – geboren 1976 in Frankfurt (Oder), studierte und promovierte Politologin, seit 2009 Büroleiterin von SPD-Minister Günter Baaske zuerst im Sozial- und später Bildungsministerium – hatte sich nicht urplötzlich zu einem„Falken“ gewandelt. Der Abstecher zu den Uniformierten dauerte nur eine Woche, nannte sich „Informationsveranstaltung für zivile Führungskräfte“ und diente der Babelsbergerin zur eigenen Kompassbestimmung in Sachen Bundeswehr.

Manja Schüle bezeichnet sich selbst als Antimilitaristin. „Aber ich wollte dahinter steigen“, sagt sie. Hinter Nachrichtenbilder und, ja, auch eigene Vorurteile. Erfahren, was das für Menschen sind, die sich da freiwillig gemeldet haben und mitunter zu Auslandseinsätzen gehen. Ihr Resümee: „Es hat mir die Augen geöffnet, was die vielen Standortwechsel auch für die Familien bedeuten. Und dass die Soldaten nach Auslandseinsätzen ganz oft nicht die psychologische Betreuung bekommen, die sie brauchen.“ Ob sie – falls sie im Bundestag sitzen sollte – für einen Auslandseinsatz stimmen würde? Bei der Antwort will sich Schüle nicht festlegen. Immerhin müsste man ja den konkreten Fall kennen. Aber: „Wenn einem etwas sehr fremd ist, dann kann man schneller entscheiden.“ Was nicht immer das Beste sein muss.

Manja Schüle beim MAZ-Fest im Palais Barberini mit Markus Wicke (Vorsitzender Förderverein Potsdam Museum) und seinem Partner Jens Hönow (l.). Quelle: Friedrich Bungert

Ihre eigene Polit-Karriere ist sie ebenfalls mit Bedacht angegangen. Lange war sie die Frau in der zweiten Reihe, während andere ihrer Juso-und Studienfreunde – Generalsekretär Hubertus Heil, Brandenburgs Generalsekretärin Klara Geywitz – den schnellen Aufstieg hinlegten. Schüle wurde Referentin für Bildung in der Landtagsfraktion, dann Büroleiterin. Privatheit, so erzählt es eine Parteifreundin, sei der Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes wichtig. Schüle selbst sagt, dass die Entscheidung zur Kandidatur erst fiel, als sie das Gefühl hatte zu wissen, „was man als guter Politiker handwerklich können muss, um Interessen durchzusetzen“. Der Nachteil: „Sie hat nicht so die große Klappe – was beim Wahlengewinnen nicht immer hilfreich ist“, sagt ein erfahrener SPD-Genosse.

Aufs Tempo drückt sie aber allemal. Batman hat sein Batmobil, der Papst das „Papamobil“ und Manja Schüle hat das Manjamobil, das von ihrem lächelnden Konterfei geziert wird. Ein kleiner Renault-Flitzer, mit dem sie unermüdlich auf Achse ist im Wahlkreis. Ach ja, ein Elektro-Auto ist das Manjamobil natürlich. Und die Kulis, die sie verteilt, sind aus Pappe. Genauso wie die Wahlplakate an den Laternenpfosten, obwohl sich die Plakate wegen ihrer Konsistenz in diesem Regensommer wellen und dellen, so dass Schüles Gesicht oft wie eine Berg-und-Tal-Bahn aussieht. Andere Kandidaten mögen Plastikmatten für die Plakate haben, aber so was kommt ihr aus Umweltgründen nicht an die Laterne.

Bevor der große Regen kam – Manja Schüle noch ziemlich glatt und nur leicht gewellt. Quelle: Friedrich Bungert

Sie verbringt Praktikumstage bei einem Apotheker, in einem Kino, einer Kita, trifft sich mit Top-Wissenschaftlern in den Spitzenforschungseinrichtungen zum Frühstück – mitgebrachte, selbst gemachte Marmelade inklusive. Fürs SPD-Freiluftfest „Diner en Rouge“ in Babelsberg stellt sie sich an einem Samstagnachmittag in die Küche, um was Leckeres zu kochen, und vergisst auch nicht, den Flüchtlingen auf dem Fest was aus Rinds- statt aus Schweinefleisch zu brutzeln. Bei den öffentlichen Auftritten bringt die Bildungsexpertin, die zum Thema „Das Unterrichtsfach ,Politische Bildung’ in Brandenburg“ promoviert hat, ihre Botschaft eloquent unters Volk.

Manja Schüle und SPD-Fraktionsmitglied David Kolesnyk mit Flüchtling und Neu-SPD-Mitglied Wassim Alali bei einem Essen der SPD Ende letzten Jahres. Quelle: Christel Köster

Ein bisschen wirkt das Ganze wie eine Kreuzung aus Einser-Schülerin und Mutter Theresa. Aber diese erste Einschätzung wäre ungerecht. Wenn man die 41-Jährige besser verstehen will, muss man eine Rückblende machen. In jene Zeiten, als Manja noch mit Nachnamen Orlowski hieß. Trotz des klingenden Namens wuchs sie nicht in einer Villa von Abkömmlingen zaristischer Exil-Russen auf, sondern in der Platte in Frankfurt (Oder).

Filmfans kennen das Viertel aus „Halbe Treppe“ von Regisseur Andreas Dresen. Auch der namensspendende Imbiss-Kiosk stand schon damals da. Die anderen Konstanten in der nachwendegebeutelten Oder-Stadt: Arbeitslosigkeit und Resignation. Viele seien einfach verstummt. „Das fand ich viel schlimmer, als wenn Leute leicht hysterisch werden“, erzählt sie beim Interview im Strandbad Babelsberg. Hier kommt sie oft her mit Fritz, ihrem Sohn. Fritzis Vater ist Geschäftsführer bei der Deutschen Verkehrswacht.

Manja Schüles Vater war irgendwann einfach nicht mehr präsent. Die Eltern ließen sich scheiden, da war sie sechs. Auch die ganze väterliche Verwandtschaft brach weg. Die Mutter, eine Grundschullehrerin, tat ihr Bestes für ihre beiden Töchter: „Sie hat versucht, uns das Maximale mit auf den Weg zu geben.“ Trotzdem kann auch Manja Schüle gut in der Kategorie „Vom Underdog zum SPD-Genossen“ à la Gerd Schröder und Martin Schulz mithalten. Nebenjobs aller Couleurs – Putzkolonne, nachts Kabelverlegen, Großküche im Krankenhaus – mussten angesichts des schmalen Budgets her. Aber als es um die Frage „Studium oder Geldverdienen“ ging, stärkte ihr die Mutter den Rücken: „Wir schaffen das.“ Bildungsfragen treiben Schüle seit damals um. Ein anderes Lieblingsthema: Kita-Betreuung, unter anderem die Verbesserung des Erzieher-Schlüssels.

Manja Schüle mit der Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein. Quelle: Bernd Gartenschläger

Vom Schlüssel geht’s zur Haustür. Ein weiterer der zahllosen Termine – mindestens zwei öffentliche pro Tag seit Beginn ihres unbezahlten Urlaubs – führt ins Regine-Hildebrandt-Haus zur Begrüßung der Freiwilligen für den Haustürwahlkampf. „Ihr verkauft keine Zeitungsabos, ihr seid keine Versicherungsvertreter. Aber ihr seid schon eine Versicherung – dass die Demokratie lebt“, ruft sie der kleinen Schar meist junger Leute zu. Neben ihr steht Martin Schulz. Der Pappaufsteller in Lebensgröße zeigt den Ex-Wunderknaben aus Würselen mit unverwüstlich-optimistischem Lächeln.

Auch Manja Schüle beschwört die Potenziale im Wahlkampf. Die Freiwilligen schlecken derweil hingebungsvoll SPD-rotes Wassereis. Als Präsent sollen unzählige solcher Tüten in Bädern ausgereicht werden. Martin Schulz und Wassereis. Drängt sich da nicht der Spruch „Wie gewonnen, so zerronnen“ auf? Bei der Journalistenfrage muss die Kandidatin lachen: „Das ist böse, aber das würde ich an Ihrer Stelle auch so schreiben.“ Manchmal ist sie trotz der Wahlkampfwalze noch richtig locker drauf.

Von Ildiko Röd

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