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Mann springt vor einfahrenden Zug – und überlebt

Unglück am voll besetzten Regionalbahnhof Charlottenhof / Notoperation im Krankenhaus / Staus, Verspätungen, Ersatzverkehr Mann springt vor einfahrenden Zug – und überlebt

Entsetzen gestern Morgen am Bahnhof Charlottenhof. Kurz vor sechs Uhr sprang oder kletterte ein junger Mann vor den Augen zahlreicher wartender Menschen vom stadtauswärtigen Bahnsteig ins Gleisbett und stellte sich dem aus Potsdam kommenden Regionalzug nach Werder entgegen.

Der bereits bremsende Zug war nach Polizeiangaben noch etwa 50 Stundenkilometer schnell, als er den Mann traf – der überlebte wie durch ein Wunder; die Kollision war unabwendbar, heißt es. Der Mann erlitt massive Kopf- und Beinverletzungen. Er wird im Krankenhaus behandelt.

Wie Anja Pester als Sprecherin der für die Bahnhöfe zuständigen Bundespolizei der MAZ sagte, sind die Verletzungen nicht lebensbedrohlich. Der Mann wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Über seinen Zustand wurde Stillschweigen gewahrt. Wie die MAZ erfuhr, handelt es sich um einen 1981 geborenen Potsdamer von 32 Jahren. Er hat Angehörige, die im Laufe des Tages verständigt wurden.

Sofort nach dem Unglück wurde der Bahnhof Charlottenhof geräumt und komplett gesperrt. Mehrere Tausend Menschen waren nach Schätzung der Bahn betroffen. 7.26 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben; eine halbe Stunde später hatte auch die Bahn ihren Einsatz beendet. Etwa halb neun lief der Bahnverkehr wieder relativ pünktlich.

Mehr als 20 Züge der Regionalbahnlinien 20, 21, 22 und 23 sowie des Regionalexpress1, die über Charlottenhof fahren sollten, fielen nach Auskunft von Bahnsprecher Gisbert Gahler aus. Die Zug-staus waren auch am Potsdamer Hauptbahnhof deutlich zu spüren. Doch während es dort Ansagen über ein Unglück gab, beschränkte sich die Bahn in Charlottenhof auf die Laufschrift der Zugfahrtanzeiger, die niemand einsehen konnte, der unten in der Bahnhofshalle an den Polizeiabsperrungen stand. So überstiegen viele verunsicherte Kunden die Flatterbänder und wurden von Bahnmitarbeitern wieder des Bahnsteiges verwiesen. Hinweise zu Ersatzverkehrsmöglichkeiten gab es nicht.

Schon kurz nach dem Zwischenfall machte auf dem Bahnhofsgelände die Nachricht vom Selbstmord die Runde; Menschen griffen zu ihren Handys und sagten ihre Verspätung durch. Studenten erreichten ihre Vorlesungen an der Uni in Golm nicht mehr; zwei ratlose junge Männer verpassten ihre praktische Handwerksprüfung. Eine Stunde später wusste vor Ort niemand mehr, was geschehen war, Bahnmitarbeiter reagierten nicht auf Fragen.

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