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Potsdam Marion Brasch, wie war Ihr erster Kinobesuch?
Lokales Potsdam Marion Brasch, wie war Ihr erster Kinobesuch?
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20:35 13.04.2016
Marion Brasch. Quelle: ddp
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Potsdam

Marion Brasch hat in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) ihren dritten Roman verfasst. Vor ihrer Lesung in Potsdam stellt die Moderatorin ihren Lieblingsfilm „Talk Radio“ in der Reihe „cinéma privé“ vor.

Frau Brasch, erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Kinoerlebnisse?

Marion Brasch:
Klar. Als wir mal in Karl-Marx-Stadt gewohnt haben, war ich bei der Premiere des Märchenfilms „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Da hab ich mir ein Autogramm vom Prinzen geholt, das war toll. Ich bin danach noch einmal in den Film gegangen, um mit meinem Kassettenrecorder die Filmmusik mitzuschneiden. Die Qualität war natürlich lausig. Mit meinen großen Brüdern bin ich später viel ins Kino Babylon gegangen. Dort habe ich Tarkowski gesehen und Autorenfilme aus Frankreich in Originalfassung. Ich habe kein Wort verstanden. Aber es verdammt cool.

In der Reihe „Cinéma privé“ präsentieren Sie Oliver Stones Drama „Talk Radio“ als Ihren Lieblingsfilm. Warum?

Brasch: Das liegt vor allem an dem Hauptdarsteller des Films, Eric Bogosian. Als ich 1990 zum ersten Mal in New York war, habe ich ihn als Stand-up-Comedian auf der Bühne erlebt und fand ihn großartig. Danach habe ich mir den Film angeschaut, und der hat mich umgehauen.

Eric Bogosian am Mikro im Film „Talk Radio“ von Oliver Stone. Quelle: ddp images

Was war so besonders?

Brasch: Oliver Stone erzählt die wahre Geschichte des Moderators Alan Berg, der in den 1980er Jahren in Denver eine sehr kompromisslose und provokative Nacht-Talkshow gemacht hat. Mit Witz und Sarkasmus hat er der bigotten amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vorgehalten. So eine Art, mit Leuten zu sprechen, war völlig neu für mich und hat mich sehr beeindruckt.

Sie waren damals schon bei DT 64 und haben Radio gemacht. Hat dieser Film Sie inspiriert, etwas Ähnliches auszuprobieren?

Brasch: Nein, ich bin eher der freundliche Typ. Ich habe das nicht drauf, so zu provozieren, obwohl ich es bei anderen sehr bewundere. Sowas hat eher Jürgen Kuttner gemacht, und sein Sprechfunk war ja auch Kult.

Was ist am Radiomachen so faszinierend?

Brasch: Radio ist unkompliziert, man kann von überall senden. Aber es hat sich auch viel verändert, alles ist jetzt multimedial, in manchen Radiosendern laufen schon Kameras mit. Früher fand ich es so toll, dass man seine eigenen Bilder im Kopf hatte, auch von den Moderatoren. Heute googelt man die Leute und weiß, wie sie aussehen. Das ist schade, denn das Kopfkino ist weg.

Werden Sie sentimental?

Brasch: Vielleicht ein wenig. Von Helmut Lehnert, dem ehemaligen Chef von Radio Eins, stammt der interessante Satz: Die Zukunft des Radios liegt in seiner Vergangenheit.  Ich habe mich neulich mit einem amerikanischen Kollegen unterhalten, der erzählte, dass in den USA der Trend zurückgeht zu den klassischen Radioformaten, zu Reportagen und Features. Das finde ich sehr hoffnungsvoll.

Zu Gast im Filmmuseum und im Kuze

Marion Brasch wurde 1961 in Ostberlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete die gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 begann sie als Musikredakteurin bei DT64, später arbeitete sie für Radio Fritz, Kulturradio und radioeins (RBB).

2012 erschien ihr Familienroman „Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie“, der zum Bestseller wurde, 2014 folgte „Wunderlich fährt nach Norden“.

In Potsdam stellt sie am 26. April um 20 Uhr im Kuze, Hermann-Elflein-Straße 10, ihren neuen Roman „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“ vor.

Bereits am 16. April präsentiert sie um 19 Uhr im Potsdamer Filmmuseum ihren Lieblingsfilm „Talk Radio“ vor. Diese Cinéma-privé-Reihe wird präsentiert von Radioeins und der Märkischen Allgemeinen.

Marion Brasch: „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“. Voland & Quist. 160 Seiten, 18 Euro.

Sie sind nicht nur Moderatorin, sondern auch eine erfolgreiche Autorin. Stimmt es, dass Ihr neues, drittes Buch „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“ durch eine Radiosendung entstanden ist?

Brasch: Die Idee dazu hatte ich damals, als ich noch bei Radio Brandenburg, dem Vorgänger von Radio Eins, eine Musiksendung moderierte. Ich fand es langweilig, zwischen den Musiktiteln immer zu erklären, worum es in dem Song geht. Ich dachte, es wäre schön, eine Figur zu haben, die erlebt, was in den Songs passiert. Da habe ich mir Godot erfunden. Für das Buch habe ich die Geschichten dann komplett überarbeitet und weitererzählt.

Godot, der in Becketts Theaterstück nie ankommt, bei Ihnen aber schon. Godot trifft auf den gefährlichen Reißwolf, die abgetakelte Frikadelle, auf rauchende Krähen, den Dreitagebart sowie den Wegweisen. Sie versammeln viel skurriles Personal in Ihrem Buch.

Brasch: Ich liebe es, solche komischen Figuren zu erfinden. Die sind zwar schräg, aber das sind wir ja auch.

Sie waren im vergangenen Jahr in Rheinsberg Stadtschreiberin. Haben Sie das Buch dort fertig geschrieben?

Brasch: Genau! Rheinsberg ist eine schöne Kleinstadt, zum Schreiben war das toll, es gab keine Ablenkung. Die Stadtschreiberwohnung im Marstall liegt sehr schön, man schaut direkt in den Park. Vormittags habe ich geschrieben und nachmittags bin ich mit dem Ruderboot los.

Von Claudia Palma

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