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Potsdam Martina Trauth geht für die Linke ins Rennen
Lokales Potsdam Martina Trauth geht für die Linke ins Rennen
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15:05 12.04.2018
Martina Trauth. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die parteilose Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth (53) ist als Kandidatin der Linken für die Oberbürgermeisterwahl nominiert worden. Bei einer Gesamtmitgliederversammlung wurde sie am Samstag mit 90,2 Prozent gewählt. Von 122 Mitgliedern stimmten 111 für Trauth, lediglich sieben stimmten gegen sie, vier enthielten sich. „Ich bin überwältigt“, sagte Trauth danach: „Wir haben jetzt eine reale Chance, das Rathaus zu erobern“, fügte sie hinzu. Einen Eintritt in die Linken-Partei scheint sie zumindest über kurz oder lang nicht auszuschließen. Sie wolle „vorerst“ parteilos bleiben, erklärte sie in ihrer Rede vor der Abstimmung: „Da ich mir eine gewisse politische Unabhängigkeit bewahren möchte.“ Sie stimme mit vielem, was die Partei fordere, überein, aber nicht mit allem.

„Ich freue mich sehr für sie und für uns, dass es dieses eindeutige Ergebnis gegeben hat“, erklärte Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg im Anschluss an die Wahl.

Zuvor war über den Antrag von Steffen Pfrogner zum Verzicht auf eine eigene Kandidatin und auf die Unterstützung des Oberbürgermeister-Kandidaten der Wählergruppe Die Andere, Lutz Boede, abgestimmt worden. 13 Parteimitglieder stimmten dafür. Dass die Abstimmung nicht geheim abgehalten wurde, sorgte für empörten Widerspruch bei Pfrogner und seinen Unterstützern.
Blick in die Aula des Humboldt-Gymnasiums, wo die Gesamtmitgliederversammlung am Sonnabend stattfand. Quelle: Ildiko Röd

Der Debatte war eine Abstimmung vorausgegangen, in der teilweise hitzig und kontrovers über die Kandidatenkür diskutiert wurde. Die Ko-Vorsitzende des Linken-Ortsverbands Babelsberg/Zentrum-Ost, Maria Strauß, sagte, sie „habe kein Verständnis dafür, dass Findungsprozesse aus Südafrika gesteuert und öffentlich kommentiert werden“. Sie spielte damit auf Ex-Linken-Kreischef Sascha Krämer an, der zur Zeit in Südafrika wohnt, sich aber immer wieder einmischt. Strauß monierte zudem eine unzureichende innerparteiliche Debatte über die Kandidatenfindung. „Das sind Fragen, über die ich gerne parteiintern beraten hätte und nicht mittels Kampfabstimmung“, sagte sie. In ihrem Ortsverband seien die Mitglieder „sauber gespalten“, was die Sympathien angehe. „Die Jüngeren wollen Lutz Boede.“ Zum Schluss drückte Strauß ihr Bedauern darüber aus, dass es der Linken nicht gelungen sei, einen eigenen Linken-Kandidaten beziehungsweise eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken. Die Konsequenz, aus Strauß’ Sicht: „Resignation – und das ist keine gute Voraussetzung für einen mitreißenden Wahlkampf.“

Auch der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller äußerte sich in der Debatte zu Pfrogners Antrag. Er appellierte an die Genossen, „dieses Trauerspiel, die Grabenkämpfe“ zu beenden.

Zum Antrag selbst erklärte er, die Linken wären „mit dem Klammerbeutel gepudert, auf einen eigenen OB-Kandidaten zu verzichten und eine anachronistische linke Wählervereinigung zu unterstützen“. Die historische Mission der Wählergruppe Die Andere habe sich schon erfüllt, der alternativen Szene eine Stimme zu geben, so Müller weiter: „Sie sind aber auch nicht mehr allein.“

In keiner anderen Großstadt in Deutschland gebe es die Situation, dass zwei linke Gruppierungen um die gleichen Wählerinnen und Wähler kämpfen. „Wir brauchen eine linke Kraft, wenn wir wollen, dass sich die Konservativen nicht durchsetzen“, sagte Müller, der sich für die nächste Wahl durchaus einen gemeinsamen überparteilichen Kandidaten vorstellen kann.

Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg trat in der Debatte ebenfalls ans Rednerpult: Zwar habe er Respekt vor der Lebensleistung Lutz Boedes. Aber: „Die Andere hat einen anderen Politikansatz.“ Während die Linken als stärkste Fraktion auch Kompromisse machen müssten, setze die Fraktion Die Andere auf Zuspitzung. „Wenn wir das auch machen würden, würde es uns nicht mehr so geben“, sagte Scharfenberg.
Martina Trauth (r.) mit Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg (2.v.r.) und den beiden Kreischefs Kati Biesecke (2.v.l.) und Stefan Wollenberg (l.). Quelle: Ildiko Röd

Vor der Abstimmung über die Nominierung sprach sich Trauth in ihrer Rede unter anderem für den Erhalt und die Sanierung des Rechenzentrums aus. Mit ihr als Oberbürgermeisterin werde Potsdam „kein neo-preußisches Disneyland“, sagte sie. Öffentliche Flächen dürften nicht verkauft werden, sondern müssten zur Schaffung von „dauerhaft bezahlbarem Wohnraum“ genutzt werden. Und: „Belegungsbindungen von 15 Jahren sind dafür nicht ausreichend.“ Sollte sie gewählt werden, werde sie zuallererst „alle am Wohnen in dieser Stadt beteiligten Akteure an einen Tisch holen und beraten, wie wir zu einem noch stärkeren Neubau von Wohnungen kommen können, mit einer festen Quote für den sozialen Wohnungsbau.“

Auch zum Thema Kitas werde sie dann einen Runden Tisch mit allen Beteiligten der Kita-Thematik ins Leben rufen. Das Ziel: Transparenz. „Davon ausgehend, möchte ich gemeinsam Lösungen entwickeln, um kurze Wege für kurze Beine zu realisieren.“ Dazu sollte auch gehören, dass die Stadt wieder eigene Verantwortung im Kita-Bereich übernimmt, forderte Trauth.

Darüber hinaus wolle sie die Stadt mehr zusammenführen und die Bürgerbeteiligung stärken. Teilweise musste Trauth bei Nachfragen einräumen, in mancher Problematik „noch nicht so tief drin“ zu sein. Allerdings sieht sie ihr Wahlprogramm ohnehin als gemeinsamen Prozess – es soll gemeinsam mit den Parteimitgliedern und den Bürgern entwickelt werden.

Konkret wurde Trauth bei der Schilderung ihrer Vision von Potsdam im Jahr 2026: Eine dynamische Stadt mit neuen Formen der Bürgerbeteiligung, die bundesweit beispielgebend sein sollen. Potsdam weiterhin ein Zentrum des Films und dann die Hauptstadt der Kreativwirtschaft; ein gut ausgebautes, klimafreundliches Nahverkehrssystem, ein engmaschiges soziales Netz, Stadtteilzentren in allen Kietzen, Vollbeschäftigung in der Stadt und eine gelungene Integration der Flüchtlinge. Und: „Der SV Babelsberg 03 spielt mindestens in der zweiten Liga und Turbine Potsdam hat seine Rolle als das Bayern Münche des Frauenfußballs gestärkt. Der Hochschulstandort Potsdam hat einen genauso wohlklingenden Namen wie heute Heidelberg, Tübingen oder Göttingen.“ Geschlecht, Glaube und Herkunft würden keine Rolle mehr spielen, mindestens die Hälfte der Führungskräfte wäre weiblich.
Martina Trauth, die Linken-Kandidatin für die Wahl zum Oberbürgermeister. Quelle: Ildiko Röd

Linken-Kreischef Stefan Wollenberg verpackte in seiner Rede auch ein paar Seitenhiebe gegen die SPD, die glaube, „ein Dauer-Abonnement auf den OB-Stuhl abgeschlossen zu haben. Einer SPD, in der selbst der Amtsinhaber vernehmlich seinen Unmut über ein Bewerbungsverfahren artikuliert, bei dem eines schon jetzt klar ist: Dass auch der Gewinner dieses Rennens bereits mit einem Handicap in den eigentlichen Wahlkampf startet“, so Wollenberg vor den Genossen.

Sascha Krämer beglückwünschte Trauth zur Kandidatur: „Wir haben mit Martina Trauth eine Kandidatin, mit der wir unsere Vision von einem Potsdam mit allen für alle umsetzen können“, ließ er mitteilen. Sie stehe für einen anderen Politikstil, einen auf Augenhöhe mit den Bürgern, einen den Potsdam dringend braucht, so Krämer weiter.

Zur Person

Martina Trauth wurde 2010 von den Stadtverordneten zur Gleichstellungsbeauftragten und Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt gewählt. Davor war sie als Gesundheits- und Sozialplanerin in der Stadtverwaltung tätig. Die Diplom-Sozialpädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin ist im Dörfchen Knittelsheim in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Zunächst arbeitete Trauth als medizinisch-technische Assistentin. In einem Krankenhaus war sie für Labor- und Röntgenuntersuchungen verantwortlich.

Sie holte ihr Abitur nach, ehe sie nach Berlin umzog. Hier studierte sie Sozialpädagogik, später schloss sie einen Studiengang mit dem Master of Public Health ab. Seit 1998 arbeitet die Mutter einer erwachsenen Tochter im Rathaus. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) – damals noch als Sozialdezernent – holte sie ins Amt. „Ich bewerbe mich, weil ich denke, dass es mir gelingen kann, die Stadt im Ganzen weiterzuentwickeln und Lösungen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu finden“, sagte Trauth zu ihrer Motivation für die Bewerbung.

Von MAZonline

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