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Mathias Döpfner legt Wert auf Privatsphäre

Exklusiv-Interview mit dem Vorstandssprecher von Springer Mathias Döpfner legt Wert auf Privatsphäre

Kann Potsdam sich einen maroden Park leisten, wie es der Oberbürgermeister im Fall des Areals an der Villa Schlieffen vorschlägt? Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, glaubt, dass die Bürger diese öffentliche Ausgabe nicht zu schätzen wüssten. Er steht weiterhin als Sanierer bereit, sollte die Stadt sich mit ihm einigen wollen. Döpfner legt aber Wert auf seine Privatsphäre.

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Mathias Döpfner

Quelle: Christel Köster

Nauener Vorstadt. Das Ringen um die Villa Schlieffen am Pfingstberg und ihren Park geht in die entscheidende Runde. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat vorgeschlagen, dass die Stadt das Areal selbst übernimmt und saniert. Damit wäre Springer-Verlags-Vorstand Mathias Döpfner aus dem Spiel – der will privat 1,8 Millionen Euro in die Sanierung der Anlagen und der ruinösen Villa investieren, fordert aber eine Art Abstandsgürtel zu seinem Privathaus auf dem Hügel (Villa Henckel) – in der MAZ legt Döpfner seine Position dar.

MAZ: Nerven Sie die Diskussionen um Grundstücksgrößen, Bauzäune und freien Parkzugang?

Mathias Döpfner: Nerven ist der falsche Ausdruck. Ich finde es nur schade, dass – wenn es so weitergeht – die Chance vertan wird, eine einmalige historische Gartenanlage und eine ruinöse Villa wiederherzustellen und öffentlich zugänglich zu machen.

Ist Potsdam undankbar gegenüber Ihnen als Mäzen?

Döpfner: Erstens: Ich bin kein Mäzen, sondern ein Bürger, der gerne etwas an die Gemeinschaft zurückgibt und der eine sinnvolle Balance zwischen Idealismus, eigenen Interessen und einem Vorteil für die Öffentlichkeit sucht. Zweitens: Wir wollen einige Politiker und einige wenige Aktivisten, deren Motive ich nicht kommentieren will und die mit der eigentlichen Nachbarschaftsinitiative am Pfingstberg nichts zu tun haben, nicht mit Potsdam verwechseln. Potsdam ist überhaupt nicht undankbar.

Gibt es hier Sozialneid?

Döpfner: Ich erlebe die Potsdamer in der Mehrheit gar nicht als neidisch. Dass es aber hier und da solche Gefühle, gibt ist menschlich. Es ist nur schade, dass manche davon ausgehen, dass ein Mensch mit Geld automatisch ein Unmensch ist, der nur finstere Absichten hegen kann. Mein Vater war ein Beamter, ich habe nichts geerbt. Und das, was ich verdiene, gebe ich lieber für sinnvolle schöne Dinge aus, die auch andere Menschen genießen können, als es auf Bankkonten zu horten.

Sind die Forderungen der Zaungegner berechtigt?

Döpfner: Früher haben sich in dem Urwald nur Hunde getummelt. Da lief seltenst ein Mensch. Und das war auch gut, weil das Gelände von Astbruch bis zu tiefen Löchern, baufälligen Brücken und Altlasten hochgefährlich war. Seitdem die Stiftung die Einfriedung auf der historischen Grundstücksgrenze eingeleitet hat, taten manche so, als sei das Gartenstück das einzige Refugium zur Naherholung in Potsdam. Dabei mangelt es zwischen Neuem Garten und Pfingstberg nun wirklich nicht an Wandermöglichkeiten. Ich wundere mich. Und ich vermute, dahinter liegen andere Motive.

Was wollen die Befürworter eines komplett freien Parkes Ihrer Einschätzung nach?

Döpfner: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Auslauf heißt es. Aber selbst den gäbe es in der vorgeschlagenen Kompromisslösung ja reichlich. Genauer 48 835 Quadratmeter öffentlich begehbare, mit privatem Geld wiederhergestellte und gepflegte Gartenfläche plus die renovierte Villa Schlieffen als öffentliches Kunsthaus. Ich verstehe den Widerstand wirklich nicht, weil ich fürchte, dass er nicht zum Wohle der Potsdamer Bürger ist.

Was ist falsch gelaufen in der öffentlichen Diskussion?

Döpfner: Man hätte noch früher und noch umfassender über das Vorhaben informieren können. Der Vorwurf, dass die Öffentlichkeit nicht informiert wurde, stimmt allerdings nicht. Es gab eine Reihe von Gesprächen. Und am 19. Mai vergangenen Jahres hat die Stiftung in der Villa Schlieffen zu einer Veranstaltung eingeladen, in der die Nachbarschaftsinitiative und alle direkten Anwohner zwei Stunden lang von Herrn Dorgerloh (Chef der Schlösserstiftung, die Red.) und mir minutiös über das Vorhaben informiert wurden. Sogar der Zaunverlauf wurde abgeschritten. Das Ganze stieß auf Begeisterung. Am Zaun nahm keiner Anstoß.

Musste es zur Konfrontation mit den Anwohnern kommen?

Döpfner: Nein. Und es gibt auch keine Konfrontation mit DEN Anwohnern. Ein paar sehen es halt anders.

Wie kam es zu der zuletzt bekannt gemachten Parkerweiterung in Ihrer Verfügung?

Döpfner: Bürgermeister Jakobs richtete eine Expertengruppe für ein sogenanntes Genehmigungsverfahren ein, das einen von allen Seiten akzeptierten Kompromiss erarbeiten sollte. Dieser Kompromissvorschlag sah vor, dass ich von den 70 000 Quadratmetern des Stiftungsgrundstückes rund 49 000 als historische Gartenlandschaft wiederherstellen und der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte, während rund 21.000 Quadratmeter als Abstandszone um das von mir vor 15 Jahren erworbene und schon zuvor eingefriedete Privatgrundstück eingezäunt werden sollten – auch um historische Wegebeziehungen und Gartenanlagen sinnvoll zu rekonstruieren. Diesen Kompromiss – 70 Prozent des Stiftungsgrundstück öffentlich, 30 Prozent privat – habe ich akzeptiert. Zu behaupten, ich hätte plötzlich einen größeren Teil der Fläche beansprucht, ist im besten Fall ein Missverständnis oder schlicht die Unwahrheit. Nicht ich wollte mehr Fläche, sondern dem Bürgermeister gefiel der Kompromissvorschlag nicht und er kam plötzlich mit einer neuen Idee, bei der das bisher gut geschützte Privatgrundstück praktisch ungeschützt mitten in einem öffentlichen Park stand.

Hätten Spaziergänger auf der zuletzt vorgeschlagenen Erweiterungsfläche überhaupt die Wege nutzen können?

Döpfner: Praktisch auf dem größten Teil der Fläche nicht, weil das Gelände eine steile Hanglage ist. Es ging aber darum, durch die Wiederherstellung und Öffnung des Gartens nicht auch noch die eigene Situation auf dem Privatgrundstück zu verschlechtern. Heute wird das Grundstück ja sozusagen durch den blickdichten Urwald geschützt.

Der Bebauungsplan weist einen größeren Teil des Gesamtparks als Privatpark der Villa Henckel aus, als Sie von der Stadt vor 15 Jahren erworben haben. Wollen sie diese zusätzlich mögliche Fläche kaufen?

Döpfner: Wenn die Stiftung etwas ausschreiben und veräußern würde, würde ich das erwägen. Aber ich glaube das steht nicht zur Debatte. Die Stiftung hat einen denkmalschützerischen Auftrag und ist froh, einen gefunden zu haben, der das finanziert.

Wenn es zu keiner Einigung käme, käme der Wasserlauf komplett in Ihren Parkteil oder droht eine Durchschneidung dieses Landschaftslementes?

Döpfner: Mit den heutigen Grundstücksgrenzen, nach der Wende wohl in ein paar Minuten schnell mit dem Lineal in den Plan gezeichnet, würden sämtliche historischen Wegebeziehungen an Zaungrenzen oder ins Leere laufen und der Wasserfall wäre von seinem Bachlauf und Teich getrennt. Deshalb hatte die Stiftung schon vor fünfzehn Jahren eine Arrondierung vorgeschlagen, sich nach Geldmangel für die Sanierung des gesamten Gartens aber entschlossen, mich um die Pacht und Wiederherstellung des gesamten Grundstücks zu bitten.

Sind Sie traurig, die Villa Schlieffen nun nicht als Ausstellungsort Ihrer Sammlung zu bekommen?

Döpfner: Es ist schade, denn Kunst lebt vom Betrachten. Wenn das ganze Vorhaben scheitert, gucke ich mir die Arbeiten weiterhin alleine an.

Was haben Sie gesammelt? Nennen Sie uns Künstlernamen?

Döpfner: Ich sammele seit fast zwanzig Jahren weibliche Aktdarstellungen quer durch die Kunstgeschichte. Von einer Renaissance-Tafel bis zur zeitgenössischen Videoarbeit. Akte sind neben Landschaften und religiösen Motiven eines der meistdargestellten Themen der Kunstgeschichte, seitdem die Venus vom Kleist vor rund 45 000 Jahren geformt wurde. Das sammlerisch zu erforschen, ist spannend.

Wo würden Sie diese Werke dann der Öffentlichkeit zugänglich machen? In der Villa Henckel?

Döpfner: Nein. Die ist privat.

Können Sie sich noch einen Kompromiss vorstellen? Oder ziehen Sie sich faktisch hinter Ihre Zaungrenze zurück und überlassen den Park der Stadt?

Döpfner: Ich stehe zu meinen Zusagen und zu dem unterschriebenen Vertrag. Und auch den von der Kommission des Genehmigungsverfahrens vorgeschlagenen Kompromiss würde ich mittragen, obwohl die Mittel zu zwei Dritteln für eine öffentliche Nutzung benutzt würden. Ich glaube, dass dieser einmalige Garten die Wiederherstellung verdient. Und ich habe Zweifel, ob die Stadt die dafür nötigen Steuergelder – ich hatte mindestens 1,8 Millionen Investitionen garantiert und fürchte, dass es eher noch teurer werden wird – wirklich aufbringen wird.

Die Stadt spricht von 40 000 Euro, die nötig wären um das Gelände zu sichern und wieder begehbar zu machen.

Döpfner: Das ist, glaube ich, ein Missverständnis oder etwas weltfremd. Eine Verkehrssicherheit des Urwaldes ist erstens wesentlich aufwendiger, zweitens nicht das Ziel des Eigentümers. Die Stiftung muss auf eine denkmalpflegerisch und historisch korrekte Wiederherstellung drängen, das ist ihr Auftrag. Ich glaube, die jetzt diskutierten Vorschläge werfen mehr Fragen auf als Antworten. Ich bin gespannt, wie sich die Parteien da einigen.

Werden Sie auf die Rückabwicklung des Vertrages mit der Schlösserstiftung dringen?

Döpfner: Nein. Ich warte geduldig was passiert, auch wenn Geduld manchmal schwer fällt.

Machen Sie gegenüber der Stadt die Erstattung von Aufwendungen zur Sicherung des Parks und der Villa Schlieffen geltend?

Döpfner: Die Stadt macht ja gelegentlich gerne kreative Vorschläge mit dem Eigentum anderer. Das betrifft in diesem Fall allerdings vor allem das Verhältnis zwischen der Stiftung als Eigentümer und der Stadt, die die Sanierung nun gerne aus eigenen Mitteln bestreiten möchte, obwohl in Potsdam an allen Enden das Geld fehlt und sich der Verkehr staut, weil nicht mal die Straßen saniert werden. Ich weiß nicht, wie diese plötzlichen Verschiebungen der Investitionsprioritäten bei den Steuerzahlern ankommt. Vielleicht legt sich irgendwann der Nebel der Aufregung, die zum Teil einfach auf falschen Informationen basiert. Und vielleicht gibt es – nach einer Denkpause – ja doch noch eine gute Lösung.

Von Rainer Schüler

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