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Potsdam Max Baur und das NS-Regime
Lokales Potsdam Max Baur und das NS-Regime
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12:57 06.06.2018
Potsdam: Blick von der Bastion in der Brandenburger Vorstadt in die heutige Schillerstraße um 1939. Quelle: Lichtbild-Archiv Max Baur
Potsdam/Innenstadt

Max Baur (1898-1988) hat das Bild vom alten Potsdam geprägt wie kein anderer Fotograf. „Er schuf nicht nur handwerklich perfekte, sondern auch besonders atmosphärische Bilder, Fotografien, deren Bedeutung weit über die fotografische Dokumentation der Stadt hinausgeht. Er schuf sich sein Bild von Potsdam, das seinen Vorstellungen entsprach.“ Das schreibt Judith Granzow, eine der Kuratorinnen, im Katalog zur Ausstellung „Potsdam, ein Paradies für meine Kamera – Max Baur. Fotografie“ im Potsdam-Museum.

Max Baur hatte „eine eigene wandelbare Bildsprache kultiviert, die zukünftig von seinen Auftraggebern genau darin erkannt, geschätzt und zum Teil auch kultiviert wurde“, schreibt die Kunsthistorikerin Barbara Lauterbach in ihrem Katalogtext „Werkbiografische Reflexionen“. Zu den Auftraggebern des Potsdamer Fotografen zählte Albert Speer (1905-1981), der „Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt“, für den Baur 1939 Hitlers Neue Reichskanzlei porträtierte.

Neue Reichskanzlei in Berlin Quelle: Potsdam-Museum/Max-Baur-Bildarchiv

Max Baur, schreibt Barbara Lauterbach, „war der Fotograf, dessen Bilder die mediale Vermittlung des wichtigsten Neubaus des NS-Regimes ... maßgeblich bestimmten. ... In Max Baur hatte sich ein Fotograf gefunden, dessen künstlerische Handschrift Speers propagandistischer Virtuosität auf das Perfekteste entsprach. Ohne seinen Stil dafür ändern zu müssen, wurde Baur vom Architekten in dessen Medienstrategie eingebunden.“

„Er etablierte sich als angenehmer Interpret der spätbarocken und klassizistischen Architektur Potsdams, auf die sich ... auch die ,NS-Baumeister’ wie Albert Speer und seine Mitarbeiter berufen“, schreibt der langjährige Professor für Designgeschichte und Designtheorie, Rolf Sachsse, in seinem Katalogbeitrag: „Seine Postkarten-Sichten – im Vordergrund blühende Bäume, kleinere Skulpturen und mindestens ein gepflegter Grashügel – ließen die eher trockenen Großbauten des NS-Regimes freundlicher, gar Menschen maßstäblicher wirken.“

Innenaufnahme der Neuen Reichskanzlei. Quelle: Potsdam-Museum/Max-Baur-Bildarchiv

Max Baur schreibt 1953 in einem seiner Lebensläufe: „Es kam der Krieg, den ich überstand, ohne Soldat sein zu müssen. So konnte ich weiterarbeiten und machte Aufnahmen in den schönsten Städten Deutschlands. Viele schöne Bauwerke konnte ich im Bild noch festhalten. Und dann brach das Dritte Reich zusammen.“

Die Auftragsarbeiten für die Nazis erwähnt er nicht. Fast 30 Jahre später sagte der Fotograf in einem Interview: „Ich muss dem Regime von damals wirklich zugute halten – obwohl ich also ein furchtbarer Gegner geworden bin –, dass sie wirklich handwerklich die besten Leute holten, und dass also nun wirklich sehr ordentliche Dinge gebaut worden sind.“

Kuratorin Anja Tack und Bauhistoriker Thomas Sander Quelle: Volker Oelschläger

Wie naiv war der Fotograf? „Die Nationalsozialisten haben sich seiner Bildsprache bedient“, sagt Mit-Kuratorin Anja Tack, „und wir haben uns bei der Vorbereitung der Ausstellung gefragt: Wie ging er damit um? Da klaffen tatsächlich Lücken – in den Dokumenten und Überlieferungen. Wir können sagen, dass er sich nicht gezielt und bewusst an der Propaganda beteiligen wollte.“ Die Historikerin verweist auf private Briefe Baurs aus der NS-Zeit, die eine „eher skeptische bis kritische Haltung dem Regime gegenüber“ belegten: „Mehr aber nicht.“

Dass Baur mit dem Regime zusammengearbeitet hat, lasse sich „nicht leugnen“. Er habe die Nationalsozialisten unterstützt, indem er ihre Prestigebauwerke inszenierte. Die Ausstellung verfolge allerdings „weder das Ziel, Baur zu demontieren, noch irgend etwas zu beschönigen“: „Wir wollen zum Nachdenken und im besten Falle zu einer Selbstreflexion bei unserem Publikum anregen: Wie konnte so etwas sein, wie konnte man mit so einem Widerspruch leben?“ Zumal Baur „kein Sonderfall“ sei: „Er schrieb genau mit dieser Arbeit für das NS-Regime und der Selbstdarstellung, sich als Gegner zu sehen, eine ganz klassische deutsche Biografie.“

Kriegerplastik an der Haupteinfahrt zur Neuen Kriegsschule in der Potsdamer Kirschallee. Quelle: Potsdam-Museum

Das Potsdam-Museum präsentiert Auftragsarbeiten Baurs für das NS-Regime in einer Fülle, die es so noch nicht gegeben hat. Neben der Neuen Reichskanzlei und Aufnahmen vom Berliner Olympiastadion aus dem Jahr 1936 gibt es eine Vielzahl von Architekturfotografien etwa von der um 1935 errichteten sogenannten Friedrichsstadt mit dem heutigen Schillerplatz und dem zum Kriegsende zerstörten Bergtheater am Leipziger Dreieck, von heute verschwundenen oder überbauten Kasernenanlagen, die Baur für diverse Heeresbauämter fotografiert hatte. Viele dieser Aufnahmen, die zum großen Teil erstmals öffentlich präsentiert werden, kamen nach der von Peter Hermann kuratierten Ausstellung „Max Baur. Ein Potsdamer Fotograf“, die das Museum 1998 zu seinem 100. Geburtstag ausrichtete, in die Sammlung des Hauses.

Bauhistoriker Thomas Sander spricht am Donnerstag über den Fotografen, der „bruchlos die architektonischen Versprechen des Dritten Reiches in dasselbe Licht getaucht hat wie die barocken Kirchen und Schlösser“. Der Lichtbildervortrag „Kunststadt und Kaserne. Die NS-Architektur Potsdams in der Fotografie von Max Baur“ beginnt um 18 Uhr.

Veranstaltungen zur Max-Baur-Ausstellung

Die SonderausstellungPotsdam, ein Paradies für meine KameraMax Baur. Fotografie“ im Potsdam-Museum läuft noch bis zum 26. August.

Thomas Sander spricht am Donnerstag um 18 Uhr über „Kunststadt und Kaserne. Die NS-Architektur Potsdams in der Fotografie von Max Baur“.

Nächste Führungen besonders für Senioren sind am 13. Juni um 14 Uhr mit Kuratorin Judith Granzow und am 11. Juli um 14 Uhr mit der Potsdamer Fotografin Monika Schulz-Fieguth.

Weitere öffentliche Führungen sind am 24. Juni um 14 Uhr und am 22. Juli um 14 Uhr, sowie am 23. August um 14 Uhr mit Kuratorin Judith Granzow.

Stadthistoriker Klaus Arlt, der 1991 die erste Max-Baur-Ausstellung „Das Alte Potsdam“ im Alten Rathaus initiierte, spricht am 9. August um 18 Uhr über „Die Stadt Potsdam der 1930er Jahre in Fotografien von Max Baur“.

Den 200 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog „Max Baur. Fotografie“ gibt es im Museum für 24.90 Euro.

Von Volker Oelschläger

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